Vikunja
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Vicugna vicugna
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
- Familie: Kamele (Camelidae)
- Gattung: Vicugna
- Lebensraum: Hochanden Südamerikas, Puna-Grasland, alpine Steppen in 3.200–4.800 m Höhe
- Körperlänge: 125–190 cm (Kopf-Rumpf)
- Schulterhöhe: 75–110 cm
- Gewicht: 35–65 kg
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, bis 25 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Das Vikunja ist die kleinste der vier südamerikanischen Kamelarten und wirkt im Vergleich zu Lama und Alpaka ausgesprochen grazil. Der Körperbau ist schlank und leicht, die Beine sind lang und dünn, der Hals gestreckt. Der Kopf ist relativ klein mit großen, dunklen Augen und kurzen, aufrecht stehenden Ohren.
Das Fell zeigt eine charakteristische Zweifärbung: Die Oberseite – Rücken, Hals und Flanken – ist zimtbraun bis goldbraun gefärbt, während Brust, Bauch und die Innenseiten der Beine weiß sind. Am unteren Halsbereich wächst ein auffälliger weißer Haarlatz von etwa 20–30 cm Länge. Die Unterwolle des Vikunjas zählt mit einem Faserdurchmesser von nur 12–14 Mikrometern zu den feinsten Tierhaaren der Welt – feiner als Kaschmir. Diese Eigenschaft macht das Vikunja seit Jahrtausenden zu einem begehrten Wolllieferanten.
Wie alle Schwielensohler besitzt das Vikunja keine Hufe im eigentlichen Sinne, sondern weiche, gepolsterte Sohlenflächen mit zwei Zehen, die jeweils von einer Kralle geschützt werden. Diese Anatomie ermöglicht einen trittsicheren Gang auf felsigem und unebenem Gelände. Die unteren Schneidezähne wachsen – anders als bei den meisten Säugetieren – ständig nach, eine Anpassung an die harte, kieselsäurehaltige Grasnahrung der Hochanden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Vikunjas erstreckt sich entlang der Anden von Südperu über Westbolivien und Nordwestargentinien bis in den Norden Chiles. Einzelne Populationen kommen auch in Ecuador vor, wo die Art im 20. Jahrhundert wieder angesiedelt wurde.
Das bevorzugte Habitat sind offene, semi-aride Graslandschaften der Puna und des Altiplano in Höhenlagen zwischen 3.200 und 4.800 Metern. In diesen Biotopen herrschen extreme Bedingungen: Tagestemperaturen schwanken um bis zu 30 °C, nachts sinkt das Thermometer regelmäßig unter den Gefrierpunkt. Die Vegetation ist spärlich und besteht überwiegend aus Hartgräsern, Polsterpflanzen und niedrigen Sträuchern. Vikunjas sind auf die Nähe zu Wasserquellen angewiesen und entfernen sich selten weit von Bächen, Quellen oder Feuchtgebieten – sogenannten Bofedales.
Es werden zwei Unterarten unterschieden: Vicugna vicugna vicugna im südlichen Teil des Verbreitungsgebiets (Argentinien, Chile, Südbolivien) und Vicugna vicugna mensalis in Peru und Nordbolivien. Die nördliche Unterart ist etwas kleiner und dunkler gefärbt.
Ernährung
Vikunjas sind reine Pflanzenfresser und ernähren sich vorwiegend von kurzen, harten Gräsern der Hochanden-Steppen. Sie bevorzugen junge Triebe und weiden die Gräser knapp über dem Boden ab. Daneben fressen sie Kräuter, Moose und gelegentlich Flechten. Der ständige Nachwuchs der unteren Schneidezähne gleicht den hohen Abrieb durch die kieselsäurereichen Gräser aus.
Wie alle Kamelartigen sind Vikunjas Wiederkäuer mit einem dreiteiligen Vormagensystem, das eine effiziente Verwertung der nährstoffarmen Grasnahrung ermöglicht. Ihr Wasserbedarf ist vergleichsweise hoch – sie müssen täglich trinken, was ihre Bindung an wasserführende Habitate erklärt.
Verhalten & Lebensweise
Vikunjas sind tagaktive Tiere mit einem festen sozialen Gefüge. Sie leben in zwei Gruppentypen: Familienverbände und Junggesellengruppen. Ein Familienverband besteht aus einem territorialen Hengst, mehreren Stuten und deren Jungtieren – in der Regel fünf bis fünfzehn Individuen. Der Hengst verteidigt ein festes Revier, das sowohl Weidegründe als auch einen Schlafplatz umfasst. Die Reviergröße beträgt je nach Nahrungsangebot 7–30 Hektar.
Junge Hengste, die aus dem Familienverband vertrieben wurden, schließen sich zu Junggesellengruppen von bis zu dreißig Tieren zusammen. Diese Gruppen besitzen kein festes Territorium und ziehen nomadisch durch die Hochebenen.
Bei Gefahr stößt der Leithengst einen hohen, pfeifenden Alarmruf aus, woraufhin die Herde geschlossen flieht. Vikunjas erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 47 km/h und sind ausdauernde Läufer. Ihre physiologische Anpassung an die Höhenlage ist ausgeprägt: Das Blut enthält überdurchschnittlich viele rote Blutkörperchen mit hoher Sauerstoffaffinität, und das Herz ist im Verhältnis zur Körpergröße ungewöhnlich groß.
Eine Besonderheit im Verhalten ist die Nutzung gemeinschaftlicher Kotplätze – sogenannter Latrinen –, die der Reviermarkierung dienen und von allen Gruppenmitgliedern aufgesucht werden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den südamerikanischen Herbst, etwa März bis April. Der Leithengst paart sich mit allen Stuten seines Familienverbands. Rivalen werden durch Droh