Dromedar
DTierart – Säugetiere > Huftiere – Kamele & Lamas
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Camelus dromedarius
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
- Familie: Kamele (Camelidae)
- Gattung: Altweltkamele (Camelus)
- Lebensraum: Heiße Wüsten, Halbwüsten und Trockensteppen Nordafrikas, des Nahen Ostens und Südasiens; verwilderte Populationen in Australien
- Größe: Schulterhöhe 1,80–2,30 m; Kopf-Rumpf-Länge bis 3,40 m
- Gewicht: 300–700 kg
- Lebenserwartung: 40–50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das Dromedar, auch Einhöckriges Kamel oder Arabisches Kamel genannt, unterscheidet sich vom Trampeltier (Camelus bactrianus) durch seinen einzelnen Höcker auf dem Rücken. Dieser Höcker besteht nicht, wie häufig angenommen, aus Wasser, sondern aus Fettgewebe – bis zu 35 kg schwer –, das dem Tier als Energiespeicher dient. Bei gut genährten Tieren steht der Höcker aufrecht; bei Nahrungsmangel wird das Fett aufgezehrt, und der Höcker kippt zur Seite oder schrumpft sichtbar zusammen.
Der Körperbau ist hochbeinig und schlank. Die langen Beine enden in breiten, zweigliedrigen Zehen mit einer weichen, elastischen Sohle – einer Schwiele aus verdicktem Bindegewebe, die das Einsinken im Sand verhindert. Diese Besonderheit gibt der Unterordnung der Schwielensohler (Tylopoda) ihren Namen. Dromedare besitzen kein Hufhorn im eigentlichen Sinne, sondern lediglich kleine Nägel an der Zehenoberseite.
Das Fell ist kurz und sandfarbig bis dunkelbraun. An Hals, Schultern und Höcker kann es etwas länger ausfallen. Die Fellfarbe bietet in der Wüstenlandschaft guten Tarnschutz und reflektiert zugleich Sonnenstrahlung. Die Augen sind durch dichte, doppelreihige Wimpern vor Sand und Staub geschützt. Zusätzlich können Dromedare ihre schlitzförmigen Nasenlöcher bei Sandstürmen vollständig verschließen.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Dromedars umfasste vermutlich die Arabische Halbinsel. Heute ist die Art als Haustier über ganz Nordafrika, den Nahen und Mittleren Osten, Pakistan und den Nordwesten Indiens verbreitet. Wildlebende Dromedare gelten seit rund 2.000 Jahren als ausgestorben; sämtliche heutigen Populationen gehen auf domestizierte Bestände zurück.
Eine Sonderstellung nimmt Australien ein: Dort wurden im 19. Jahrhundert Dromedare als Lasttiere eingeführt und nach dem Aufkommen motorisierter Fahrzeuge freigelassen. Inzwischen leben schätzungsweise 300.000 bis über eine Million verwilderte Dromedare im australischen Outback – die weltweit größte freilebende Population. Ihr bevorzugtes Habitat sind aride und semiaride Landschaften mit spärlicher Vegetation: Sandwüsten, Geröllsteppen und Trockensavannen.
Ernährung
Dromedare sind Pflanzenfresser mit einem ausgesprochen breiten Nahrungsspektrum. Sie fressen Gräser, Kräuter, Blätter, Dornsträucher und selbst salzhaltige Pflanzen, die von anderen Weidetieren gemieden werden. Die derbe, lederartige Mundschleimhaut ermöglicht es ihnen, dornige Akazienzweige ohne Verletzungen aufzunehmen.
Wie alle Kamele sind Dromedare Wiederkäuer mit einem dreiteiligen Magen (nicht vierteilig wie bei Rindern). Die mikrobielle Fermentation im Vormagen erlaubt die Verwertung selbst stark faserreicher Pflanzenteile. Dromedare können über mehrere Tage ohne Wasser auskommen und bei Zugang zu einer Tränke innerhalb weniger Minuten bis zu 100 Liter aufnehmen. Ihr Organismus toleriert einen Flüssigkeitsverlust von bis zu 25 Prozent des Körpergewichts – ein Wert, der bei den meisten anderen Säugetieren tödlich wäre.
Verhalten & Lebensweise
Dromedare sind überwiegend tagaktiv, vermeiden jedoch während der extremen Mittagshitze körperliche Aktivität. Sie leben in kleinen Gruppen von etwa 5 bis 20 Tieren, bestehend aus einem dominanten Hengst, mehreren Stuten und deren Jungtieren. Junghengste bilden eigene Junggesellengruppen, bis sie stark genug sind, eine eigene Herde zu beanspruchen.
Die Tiere kommunizieren über ein breites Repertoire an Lauten: Brummen, Grunzen, Stöhnen und ein charakteristisches, weithin hörbares Brüllen der Hengste während der Paarungszeit. Bei Bedrohung können Dromedare mit den Vorderbeinen ausschlagen oder – in domestizierten Beständen bekannt – ihren halbverdauten Mageninhalt hervorwürgen und in Richtung des Störenfrieds spucken.
Dromedare sind ausdauernde Wanderer. Sie durchstreifen auf der Suche nach Nahrung und Wasser große Gebiete, ohne ein festes Revier zu verteidigen. Unter Last können sie täglich 30 bis 50 km zurücklegen, im freien Trab erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 65 km/h über kurze Strecken.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit variiert je nach Region, fällt aber häufig in die kühleren Wintermonate. Hengste zeigen in der Brunft auffällige Verhaltensweisen: Sie blasen eine weiche Gaumenblase (Dulla) aus dem Maul, die als Imponierstruktur gegenüber Rivalen und Stuten dient. Zwischen konkurrierenden Hengsten kommt es zu Kämpfen, bei denen die Tiere mit Bissen und Körperrammen um den Zugang zu Stuten ringen.
Nach einer Tragzeit von rund 13 Monaten bringt die Stute ein einzelnes Fohlen zur Welt, das bei der Geburt bereits etwa 35 kg wiegt und innerhalb weniger Stunden stehen und laufen kann