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Wildkamel

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Kamele & Lamas

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Camelus ferus
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
  • Familie: Kamele (Camelidae)
  • Gattung: Altweltkamele (Camelus)
  • Lebensraum: Wüsten und Halbwüsten Zentralasiens (Gobi, Taklamakan, Lop Nor)
  • Größe: Schulterhöhe 170–210 cm, Kopf-Rumpf-Länge bis 350 cm
  • Gewicht: 450–650 kg
  • Lebenserwartung: ca. 40 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Das Wildkamel ist ein großes, schlank gebautes Huftier mit zwei deutlich ausgeprägten Höckern auf dem Rücken. Im Vergleich zum domestizierten Trampeltier (Camelus bactrianus) sind diese Höcker kleiner, spitzer und stehen weiter auseinander. Der gesamte Körperbau wirkt drahtiger und weniger massig als bei der Haustierform. Die Beine sind länger und schlanker, der Brustkorb schmaler.

Das Fell ist sandfarben bis hellbraun und deutlich kürzer als beim domestizierten Verwandten. Im Winter entwickelt das Wildkamel ein dichtes Winterfell, das im Frühjahr in großen Fetzen abgestoßen wird. Die namensgebenden Schwielen an den Sohlen der breiten, zweigeteilten Füße verteilen das Körpergewicht auf losem Untergrund und schützen vor Hitze und scharfkantigen Steinen. Die Nasenlöcher sind schlitzförmig und verschließbar – eine Anpassung an Sandstürme. Dichte, lange Wimpern schützen die Augen vor Staub und Sandpartikeln.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Wildkamels beschränkt sich heute auf wenige isolierte Populationen in Zentralasien. Die größte Teilpopulation lebt in der Wüste Gobi im Süden der Mongolei, insbesondere im Schutzgebiet Great Gobi Strictly Protected Area. Eine zweite, kleinere Population existiert in der Region um den ehemaligen Salzsee Lop Nor sowie in der Taklamakan-Wüste in der chinesischen Provinz Xinjiang. Vereinzelte Tiere werden zudem aus dem Grenzgebiet zwischen China und der Mongolei gemeldet.

Das bevorzugte Habitat umfasst extrem aride Wüsten und Halbwüsten mit steinigem oder sandigem Untergrund. Die Tiere nutzen Oasen, trockene Flussbetten und salzhaltige Wasserquellen. Sie besiedeln dabei Gebiete, in denen die Temperaturen zwischen minus 40 °C im Winter und plus 50 °C im Sommer schwanken – ein thermischer Extrembereich, den kaum ein anderes Großsäugetier toleriert.

Ernährung

Wildkamele sind Pflanzenfresser mit einer ausgesprochen breiten Nahrungspalette. Sie fressen Gräser, Kräuter, Blätter, Zweige und die dornigen Triebe von Wüstensträuchern wie Saxaul (Haloxylon) und Tamarisken. Dank ihrer derben Lippen und der robusten Mundschleimhaut können sie selbst stachelige und salzhaltige Pflanzen verwerten, die für andere Herbivoren ungenießbar wären.

Eine physiologische Besonderheit ist die Fähigkeit, Salzwasser zu trinken. Wildkamele nutzen regelmäßig Wasserquellen mit einem Salzgehalt, der über dem von Meerwasser liegen kann. Die Nieren filtern das überschüssige Salz hocheffizient aus dem Blut. Bei Zugang zu Wasser können die Tiere in wenigen Minuten über 100 Liter aufnehmen. In den Fetthöckern speichern sie Energiereserven, die bei Nahrungsmangel metabolisiert werden – wobei als Nebenprodukt auch metabolisches Wasser entsteht.

Verhalten & Lebensweise

Wildkamele leben in kleinen Gruppen von 2 bis 15 Tieren, bestehend aus einem Leithengst, mehreren Stuten und deren Jungtieren. Junggesellenhengste bilden eigene, lose Verbände. Die Tiere sind überwiegend tagaktiv und legen auf der Suche nach Nahrung und Wasser täglich Strecken von bis zu 70 Kilometern zurück. Die Streifgebiete einzelner Gruppen können dabei mehrere tausend Quadratkilometer umfassen.

Im Vergleich zu domestizierten Trampeltieren sind Wildkamele ausgesprochen scheu und meiden den Kontakt zu Menschen konsequent. Bei Annäherung ergreifen sie bereits auf große Distanz die Flucht. Diese Scheu dürfte ein wesentlicher Faktor für ihr Überleben in den abgelegenen Wüstenregionen sein. Bei extremer Hitze suchen die Tiere Schatten auf oder graben sich flache Mulden in den kühlen Sand.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Monate Januar bis März. Während der Brunft werden die Leithengste aggressiv und verteidigen ihren Harem gegen rivalisierende Männchen. Die Kämpfe umfassen Bisse in Beine und Kopf, Körperrammen sowie das Niederdrücken des Gegners. Dabei blähen die Hengste eine weiche Gaumenblase aus dem Maul – ein Verhalten, das auch beim Trampeltier bekannt ist und der akustischen Signalgebung dient.

Nach einer Tragzeit von etwa 13 Monaten bringt die Stute ein einzelnes Fohlen zur Welt. Zwillingsgeburten sind extrem selten. Das Jungtier kann bereits wenige Stunden nach der Geburt laufen und folgt der Mutter. Die Stillzeit beträgt rund 12 bis 18 Monate. Geschlechtsreife erreichen Weibchen mit drei bis vier Jahren, Männchen mit fünf bis sechs Jahren. Die langen Reproduktionsintervalle – eine Stute bringt nur alle zwei Jahre ein Junges zur Welt – tragen dazu bei, dass sich dezimierte Bestände nur langsam erholen.

Bedrohung & Schutzstatus

Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft das Wildkamel als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) ein. Der geschätzte Gesamtbestand liegt bei etwa 950 bis 1.000 Individuen in freier Wildbahn – Tendenz abnehmend