Alpenbraunelle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Prunella collaris
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Braunellen (Prunellidae)
- Gattung: Prunella
- Lebensraum: Alpine Geröllfelder, Felsregionen und Bergwiesen oberhalb der Baumgrenze
- Größe: 15–17 cm Körperlänge
- Gewicht: 30–45 g
- Lebenserwartung: Bis zu 5–7 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Alpenbraunelle ist ein kompakt gebauter Singvogel, der auf den ersten Blick an einen Sperling erinnert, bei genauerer Betrachtung jedoch deutlich von diesem zu unterscheiden ist. Die Oberseite des Gefieders ist braun mit dunklen Schaftstrichen, während die Unterseite ein auffallendes Muster zeigt: Kehle und Oberbrust sind grau gefärbt, durchsetzt mit kleinen weißen Flecken, die ein geschupptes Erscheinungsbild erzeugen. Die Flanken weisen kräftige rotbraune Streifungen auf, die bei beiden Geschlechtern gleichermaßen ausgeprägt sind – ein Geschlechtsdimorphismus fehlt weitgehend.
Der Schnabel ist relativ dünn und an der Basis gelblich, zur Spitze hin dunkel. Die Beine sind kräftig und rötlich-fleischfarben gefärbt, was die Art gut für das Klettern in felsigem Terrain ausstattet. Im Flug fallen zwei schmale weiße Flügelbinden auf, die durch die hellen Spitzen der großen Armdecken gebildet werden. Der Schwanz ist mittellang und an den äußeren Steuerfedern mit kleinen weißen Endflecken versehen. Jungvögel wirken insgesamt matter gefärbt und zeigen die Flankenstrichelung weniger deutlich als adulte Tiere.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Alpenbraunelle erstreckt sich über die Gebirgsregionen der Paläarktis. In Europa besiedelt sie die Alpen, die Pyrenäen, den Apennin, die Gebirge des Balkans sowie die Karpaten. Weitere Vorkommen existieren in den Gebirgen der Türkei, des Kaukasus, Zentralasiens und bis nach Japan. In den Alpen liegt das bevorzugte Habitat zwischen 1.800 und 3.000 Metern Höhe, wobei die Art gelegentlich auch in Höhen über 3.500 Metern nachgewiesen wurde.
Das Biotop der Alpenbraunelle umfasst alpine Matten, Geröllfelder, Felsfluren und die Umgebung von Berghütten und Gipfelstationen. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein von Felsstrukturen, die als Nistplätze und Deckung dienen, in Kombination mit offenen, kurzrasigen Flächen zur Nahrungssuche. Im Winter vollzieht die Art vertikale Wanderungen in tiefere Lagen und taucht dann regelmäßig in Tälern, an Futterstellen und sogar in Siedlungen am Alpenrand auf. Diese saisonale Abwärtsbewegung wird als Vertikalzug oder Streichbewegung bezeichnet und ist keine echte Migration im engeren Sinne.
Ernährung
Die Alpenbraunelle ist ein Allesfresser mit jahreszeitlich wechselndem Nahrungsspektrum. Während der Sommermonate bilden Insekten und andere Wirbellose – darunter Käfer, Fliegen, Spinnen, Schnecken und Raupen – den Hauptanteil der Nahrung. Ab dem Spätsommer und über den Winter hinweg verschiebt sich die Ernährung zunehmend in Richtung pflanzlicher Kost. Dann werden Samen von Gräsern und alpinen Kräutern, kleine Beeren und gelegentlich auch Knospen aufgenommen.
Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Boden. Die Vögel hüpfen dabei in geduckt wirkender Haltung über Felsplatten, Geröll und Wiesen und picken ihre Beute geschickt von Steinen oder aus Ritzen auf. An Berghütten und Gipfelrestaurants zeigen Alpenbraunellen häufig eine auffallende Vertrautheit gegenüber Menschen und nehmen dort bereitwillig Krümel und andere Essensreste an. Diese Gewöhnung an menschliche Nahrungsquellen dürfte vielen Bergwanderern vertraut sein.
Verhalten & Lebensweise
Alpenbraunellen sind tagaktiv und verbringen den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche. Außerhalb der Brutzeit leben sie in lockeren Trupps von fünf bis fünfzehn Individuen, die gemeinsam umherstreifen. Innerhalb dieser Gruppen bestehen komplexe soziale Strukturen, die sich besonders zur Brutzeit bemerkbar machen.
Der Gesang der Alpenbraunelle ist ein angenehm klingender, trillerartiger Strophengesang, der in seiner Klangfarbe an den Gesang der Heckenbraunelle (Prunella modularis) erinnert, jedoch lauter und voller klingt. Die Männchen singen von exponierten Felsvorsprüngen oder Steinen aus, um ihr Revier akustisch zu markieren. Im Winterhalbjahr verstummt der Gesang weitgehend.
Die Nächte verbringen Alpenbraunellen in Felsspalten oder unter Dachvorsprüngen von Gebäuden, wo sie vor Wind und Kälte geschützt sind. In besonders kalten Nächten rücken mehrere Individuen eng zusammen, um Wärmeverluste zu reduzieren – ein Verhalten, das als Kontaktschlafen bekannt ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Paarungssystem der Alpenbraunelle ist ungewöhnlich komplex. Die Art praktiziert Polygynandrie: Sowohl Männchen als auch Weibchen paaren sich innerhalb einer Gruppe mit mehreren Partnern. Die Weibchen kontrollieren den Zugang zur Kopulation, indem sie ihre Kloake zur Schau stellen und so aktiv um Begattungen werben – ein für Singvögel seltenes Verhalten. Die Männchen konkurrieren untereinander um Kopulationen und beteiligen sich anschließend an der Jungenaufzucht, wobei der Umfang der Fütterungshilfe tendenziell mit der Anzahl erfolgter Kopulationen korreliert.
Die Balz beginnt im April oder Mai, je nach Höhenlage und Schneebedingungen. Das napfförmige Nest wird in Felsspal