Bartmeise
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Panurus biarmicus
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Bartmeisen (Panuridae)
- Gattung: Panurus
- Lebensraum: Ausgedehnte Schilfgebiete an Seen, Flüssen und Küstenlagunen
- Größe: 12–13 cm (zuzüglich ca. 6–7 cm Schwanz)
- Gewicht: 12–18 g
- Lebenserwartung: 2–4 Jahre in freier Wildbahn, in Ausnahmefällen bis 6 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Bartmeise ist ein kleiner, langschwänziger Singvogel mit einem unverwechselbaren Erscheinungsbild. Das Gefieder der Männchen zeigt eine warme, zimtbraune bis orangebraune Oberseite, während die Unterseite heller, cremefarben bis zartrosa getönt ist. Das auffälligste Merkmal der Männchen ist der namensgebende schwarze Bartstreifen, der sich vom Auge abwärts bis unter die Kehle zieht und gegen das ansonsten blaugraue Kopfgefieder deutlich kontrastiert. Die Unterschwanzdecken sind schwarz.
Weibchen und Jungvögel sind insgesamt matter gefärbt und besitzen keinen Bartstreifen. Ihr Kopf ist eher sandbraun bis beige, das übrige Gefieder weniger intensiv getönt. Bei beiden Geschlechtern sind die Augen bernsteingelb bis orange, der kurze Schnabel ist beim Männchen gelb, beim Weibchen eher dunkel-hornfarben. Die Beine sind schwarz. Der auffallend lange, gestufte Schwanz macht etwa die Hälfte der Gesamtlänge des Vogels aus und dient als Balancierhilfe beim Klettern an Schilfhalmen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Bartmeise erstreckt sich über die gemäßigten Zonen der Paläarktis – von Westeuropa über Zentralasien bis in die Mandschurei und nach Korea. In Europa liegen bedeutende Vorkommen in den Niederlanden, im Neusiedlersee-Gebiet (Österreich/Ungarn), in Südengland, an der deutschen Ostseeküste sowie in den Schilfgürteln der großen Seen Norddeutschlands und Polens.
Das bevorzugte Habitat der Bartmeise sind großflächige, dichte Schilfbestände (Phragmites australis) an stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Dieses Biotop muss eine gewisse Mindestausdehnung aufweisen – kleine, fragmentierte Schilfflächen werden in der Regel nicht dauerhaft besiedelt. In milden Wintern verbleiben die Vögel ganzjährig im Brutgebiet. Bei strengen Frösten kommt es jedoch zu eruptionsartigen Wanderungsbewegungen, bei denen Bartmeisen plötzlich weit außerhalb ihres üblichen Verbreitungsgebiets auftauchen und neue Schilfgebiete besiedeln können.
Ernährung
Die Ernährung der Bartmeise unterliegt einem deutlichen jahreszeitlichen Wechsel. In den Frühlings- und Sommermonaten besteht die Nahrung überwiegend aus Insekten und deren Larven, Spinnen sowie kleinen Schnecken, die von Schilfblättern und -halmen abgelesen werden. Besonders Blattläuse und Schilfkäfer spielen eine große Rolle.
Im Herbst und Winter stellen sich die Vögel fast vollständig auf pflanzliche Kost um, vor allem auf die Samen des Schilfrohrs. Diese Umstellung geht mit einer morphologischen Anpassung des Magens einher: Die Magenwand verdickt sich im Winter erheblich und wird muskulöser, sodass die harten Samenkörner effizienter zerrieben werden können. Zusätzlich nehmen die Vögel kleine Steinchen (Gastrolithen) auf, die als Mahlhilfe im Muskelmagen dienen. Diese saisonale Veränderung des Verdauungstrakts ist bei mitteleuropäischen Singvögeln außergewöhnlich und wurde erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genauer erforscht.
Verhalten & Lebensweise
Bartmeisen sind tagaktive Vögel, die sich fast ausschließlich im Schilfbestand aufhalten. Sie bewegen sich geschickt kletternd und turnend an den Halmen, wobei sie oft in einer charakteristischen Spreizstellung mit je einem Fuß auf einem anderen Halm stehen. Der Flug ist flatternd und wirkt über längere Distanzen etwas unbeholfen, mit einem typisch undulierenden Muster.
Außerhalb der Brutzeit leben Bartmeisen in lockeren Trupps von zehn bis dreißig Individuen, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen und auch zusammen in dichten Schilfbüscheln übernachten. Das gemeinsame Schlafen in engem Körperkontakt dient der Thermoregulation und kann in kalten Winternächten überlebensentscheidend sein. Die Kontaktrufe der Bartmeise sind markant – ein durchdringendes, metallisches „tsching" oder „ping", das erfahrene Beobachter oft als ersten Hinweis auf das Vorhandensein der Art wahrnehmen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutsaison beginnt je nach Witterung bereits im März und kann sich bis in den Juli erstrecken. Bartmeisen sind grundsätzlich monogam, wobei die Paarbindung oft über mehrere Brutsaisons bestehen bleibt. Die Balz umfasst gegenseitiges Gefiederplustern, Verbeugungen und das Präsentieren des Bartstreifens durch das Männchen.
Das Nest wird tief im dichten Schilf errichtet, meist nur wenige Zentimeter über dem Wasser- oder Bodenniveau. Es besteht aus trockenem Schilfmaterial, Grashalmen und Schilfblütenrispen und wird innen mit Federn und Samenwolle ausgepolstert. Das Weibchen legt in der Regel fünf bis sieben Eier, die von beiden Eltern über einen Zeitraum von 11 bis 13 Tagen bebrütet werden. Die Nestlinge werden von beiden Partnern mit Insektennahrung versorgt und verlassen das Nest nach etwa 9 bis 12 Tagen. Häufig kommt es zu zwei, in günstigen Jahren sogar zu drei Bruten pro Saison. Diese hohe Reproduktionsrate ist eine Anpassung an die ebenfalls hohe Mortalität, die vor allem in harten Wintern auftreten kann.