Heckenbraunelle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Prunella modularis
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Braunellen (Prunellidae)
- Gattung: Braunellen (Prunella)
- Lebensraum: Hecken, Gebüsche, Waldränder, Gärten, Parks
- Größe: 13–14,5 cm
- Gewicht: 16–25 g
- Lebenserwartung: ca. 3–5 Jahre, in Ausnahmefällen bis 9 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Heckenbraunelle ist ein eher unscheinbarer, sperlingsgroßer Singvogel. Auf den ersten Blick wird sie häufig mit dem Haussperling verwechselt, unterscheidet sich von diesem jedoch bei genauerer Betrachtung deutlich. Das Gefieder der Oberseite zeigt ein braunes Grundmuster mit kräftigen dunkelbraunen bis schwarzen Längsstreifen, die besonders auf dem Rücken und den Flanken auffallen. Kopf und Brust sind schiefergrau gefärbt – ein Merkmal, das die Art vom Sperling unterscheidet, dessen Kopf braun gezeichnet ist.
Der Schnabel ist dünn, spitz und dunkel gefärbt, typisch für einen überwiegend insektenfressenden Vogel. Er weicht damit klar vom kräftigen Kegelschnabel der Sperlinge ab. Die Beine sind rötlich-braun, die Iris auffallend rotbraun bis haselnussfarben. Männchen und Weibchen sehen sich äußerlich sehr ähnlich und sind im Feld kaum voneinander zu unterscheiden. Jungvögel zeigen eine stärkere Strichelung auf der Brust und weniger ausgeprägte Grautöne.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Heckenbraunelle erstreckt sich über weite Teile der Westpaläarktis. Sie brütet von Irland und der Iberischen Halbinsel ostwärts bis zum Ural und südwärts bis in die Gebirge Nordafrikas und Kleinasiens. In Mitteleuropa ist sie flächendeckend verbreitet und gehört zu den häufigen Brutvogelarten.
Ihr bevorzugtes Habitat sind dichte Hecken, Gebüsche und Unterwuchs an Waldrändern. Sie besiedelt ebenso Gärten, Friedhöfe, Parks und Feldgehölze, sofern ausreichend niedrige, dichte Vegetation vorhanden ist. In den Alpen brütet die Art bis in Höhenlagen von rund 2.500 Metern, dort vor allem in Zwergstrauchheiden und Latschenbeständen. Während die mitteleuropäischen Populationen teilweise als Standvögel oder Kurzstreckenzieher gelten, ziehen nordische und osteuropäische Brutvögel im Herbst in mildere Regionen Südwest- und Südeuropas.
Ernährung
Die Heckenbraunelle ernährt sich im Sommerhalbjahr vorwiegend von Insekten und deren Larven, Spinnen und anderen kleinen Wirbellosen. Sie sucht ihre Nahrung überwiegend am Boden, wo sie mit schnellen, trippelnden Schritten zwischen Laub und niedriger Vegetation umherläuft. Dabei bewegt sie sich oft mausartig durch dichtes Gestrüpp, was ihr im Englischen den Beinamen „Dunnock" – abgeleitet von „dun" (dunkelbraun) – eingetragen hat.
Im Winterhalbjahr stellt die Art ihre Ernährung weitgehend auf pflanzliche Kost um. Dann stehen feine Sämereien, etwa von Gräsern, Kräutern und Stauden, auf dem Speiseplan. An Futterstellen in Gärten nimmt sie gerne Haferflocken, zerkleinerte Nüsse und feines Streufutter an, wobei sie meist am Boden unter dem eigentlichen Futterhaus nach herabgefallenen Resten sucht.
Verhalten & Lebensweise
Die Heckenbraunelle ist ein tagaktiver Vogel, der sich bevorzugt in Bodennähe und im Schutz dichter Vegetation aufhält. Ihr Verhalten ist insgesamt unauffällig und zurückhaltend. Sie zeigt sich selten auf exponierten Sitzwarten, lässt sich aber während der Gesangsperiode häufig auf Spitzen von Hecken oder niedrigen Bäumen beobachten, von wo aus das Männchen seinen schnellen, klaren und hohen Gesang vorträgt. Dieser ähnelt entfernt dem des Zaunkönigs, ist jedoch weniger laut und kürzer.
Außerhalb der Brutzeit lebt die Art einzelgängerisch oder in lockeren Kleingruppen. Sie verteidigt kein Winterrevier, kann aber an ergiebigen Nahrungsquellen mit anderen Individuen zusammentreffen. Im Frühjahr etablieren die Männchen Reviere, die sie durch Gesang markieren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Paarungssystem der Heckenbraunelle ist außergewöhnlich variabel. Neben klassischer Monogamie kommen Polyandrie (ein Weibchen mit mehreren Männchen), Polygynie (ein Männchen mit mehreren Weibchen) und sogar Polygynandrie (mehrere Männchen und Weibchen in einer Brutgruppe) vor. Dieses Verhalten wurde durch die Forschungen des britischen Ornithologen Nick Davies in den 1980er und 1990er Jahren eingehend dokumentiert.
Die Balz beginnt im März. Dabei zeigt das Weibchen dem Männchen gegenüber eine charakteristische Haltung mit angehobenem, zitterndem Schwanz und gespreizter Kloake. Das Männchen pickt vor der Kopulation an der Kloake des Weibchens – ein Verhalten, das dazu dient, Spermien eines vorherigen Rivalen zu entfernen.
Das napfförmige Nest wird bevorzugt in dichten Hecken, Koniferen oder Sträuchern in Höhen von ein bis zwei Metern errichtet. Es besteht aus Zweigen, Moos und Grashalmen und wird mit Haaren und Federn ausgepolstert. Das Weibchen legt in der Regel vier bis fünf leuchtend türkisblaue Eier, die durch ihre intensive Färbung leicht zu identifizieren sind. Die Brutdauer beträgt 12 bis 14 Tage. Die Nestlinge werden von beiden Elternteilen – und bei polyandrischen Konstellationen auch von zusätzlichen Männchen – gefüttert und verlassen das Nest nach etwa 12 Tagen. Pro Jahr sind zwei Bruten üblich.
Die Heckenbraunelle ist ein häufiger Wirtsvogel des K