Kleiber
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sitta europaea
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Kleiber (Sittidae)
- Gattung: Sitta
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Parks, Gärten mit altem Baumbestand
- Größe: 12–14,5 cm
- Gewicht: 19–24 g
- Flügelspannweite: 22–27 cm
- Lebenserwartung: 2–3 Jahre (in Ausnahmefällen bis 9 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Der Kleiber ist ein kompakter, kurzschwänziger Singvogel mit auffallend großem Kopf und kräftigem, spitzem Schnabel. Die Oberseite des Gefieders zeigt ein gleichmäßiges Blaugrau, das sich von der Stirn bis zu den Oberschwanzdecken erstreckt. Die Unterseite variiert je nach Unterart: In Mitteleuropa (Unterart S. e. caesia) ist die Brust rostfarben bis orangebraun getönt, während die skandinavische Nominatform (S. e. europaea) eine weißliche Unterseite aufweist. Über das Auge zieht sich ein markanter schwarzer Augenstreif vom Schnabelansatz bis in den Nacken – das wohl auffälligste Erkennungsmerkmal der Art.
Die Geschlechter ähneln einander stark. Männchen zeigen lediglich eine etwas intensivere Rostfärbung an den Flanken und im Bereich der Unterschwanzdecken. Der Schnabel ist dunkelgrau mit hellerer Basis, die kräftigen Beine und Zehen sind bräunlich-grau gefärbt. Die großen, kräftigen Krallen ermöglichen dem Kleiber seine charakteristische Kletterbewegung an Baumstämmen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kleibers erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa und Nordafrika über Kleinasien und den Kaukasus bis nach Japan und Kamtschatka. In Europa fehlt die Art lediglich auf Island, in Nordskandinavien und auf den meisten Mittelmeerinseln. Insgesamt werden rund 20 Unterarten unterschieden, deren genaue Abgrenzung taxonomisch teils umstritten ist.
Als bevorzugtes Habitat dienen dem Kleiber alte Laub- und Mischwälder mit hohem Anteil an Eichen, Buchen und anderen Laubbäumen. Entscheidend für die Ansiedlung ist das Vorhandensein alter, dicker Bäume, die sowohl Nahrung als auch Bruthöhlen bieten. Das Biotop muss nicht zwingend geschlossener Wald sein: Parks, Friedhöfe, Streuobstwiesen und Gärten mit altem Baumbestand werden ebenfalls besiedelt. Reine Nadelwälder meidet der Kleiber weitgehend, nimmt aber Mischwälder mit Nadelholzanteil durchaus an. In Mitteleuropa besiedelt er Höhenlagen bis etwa 1.500 Meter.
Ernährung
Der Kleiber ist ein Allesfresser mit jahreszeitlich wechselndem Nahrungsspektrum. Im Frühjahr und Sommer stehen Insekten und deren Larven im Vordergrund – Käfer, Schmetterlingsraupen, Spinnen und Blattläuse werden geschickt aus Rindenritzen und von Blättern abgesammelt. Im Herbst und Winter bilden Samen, Nüsse und Kerne die Hauptnahrung. Haselnüsse, Bucheckern, Eicheln und Sonnenblumenkerne klemmt der Kleiber in Rindenspalten fest und bearbeitet sie mit kräftigen Schnabelhieben – ein Verhalten, das ihm den Namen „Kleiber" eingebracht hat (abgeleitet von „kleiben", dem mittelhochdeutschen Wort für „kleben" oder „schmieren", was sich allerdings auf sein Nestbauverhalten bezieht).
Eine ausgeprägte Verhaltensweise ist das Anlegen von Nahrungsdepots. Im Herbst versteckt der Kleiber systematisch Samen und Nüsse in Rindenspalten, hinter Flechten und in Astlöchern. Diese Vorratshaltung hilft ihm, nahrungsarme Winterperioden zu überbrücken. An Futterhäusern in Gärten ist der Kleiber ein häufiger und wenig scheuer Gast.
Verhalten & Lebensweise
Der Kleiber ist tagaktiv und ganzjährig in seinem Revier anzutreffen – er gehört zu den Standvögeln, die auch im Winter nicht in wärmere Gebiete ziehen. Paare besetzen dauerhafte Reviere, die sie mit lauten, pfeifenden Rufen markieren. Der Reviergesang des Männchens – ein weithin hörbares, durchdringendes „twit-twit-twit" – ist bereits ab Januar zu hören und gehört zu den frühesten Vogelstimmen des Jahres.
Die auffälligste Eigenschaft des Kleibers ist seine Fähigkeit, Baumstämme kopfüber hinabzuklettern. Als einziger europäischer Vogel bewegt er sich routinemäßig mit dem Kopf nach unten an senkrechten Flächen entlang. Anders als Spechte und Baumläufer stützt er sich dabei nicht mit dem Schwanz ab, sondern nutzt ausschließlich seine kräftigen Zehen und Krallen. Durch diese Technik erschließt er Nahrungsquellen in Rindenritzen, die für aufwärts kletternde Arten unsichtbar bleiben.
Außerhalb der Brutzeit schließt sich der Kleiber häufig gemischten Trupps aus Meisen, Baumläufern und Goldhähnchen an. Diese Vergesellschaftung bietet Vorteile bei der Nahrungssuche und beim Feindschutz.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt bereits im späten Winter. Das Männchen lockt das Weibchen mit Gesang und Futtergaben ins Revier. Kleiber sind Höhlenbrüter und nutzen bevorzugt verlassene Spechthöhlen oder natürliche Baumhöhlen. Ist der Eingang der Höhle zu groß, wird er mit einer Mischung aus Lehm und Speichel verkleinert – „zugekleibt", wie der Volksmund sagt. Dieses namengebende Verhalten ist einzigartig unter europäischen Singvögeln und dient dem Schutz vor größeren Konkurrenten und Nesträubern wie Staren oder Mar