Alpenschneehuhn
ATierart – Vögel > Hühnervögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lagopus muta
- Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
- Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
- Gattung: Schneehühner (Lagopus)
- Lebensraum: Alpine und arktische Tundra, Geröllfelder und Zwergstrauchheiden oberhalb der Baumgrenze
- Größe: 33–38 cm Körperlänge
- Gewicht: 400–600 g
- Lebenserwartung: 4–7 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Das Alpenschneehuhn ist ein kompakt gebauter Hühnervogel mit kurzen, abgerundeten Flügeln und einem relativ kleinen Kopf. Sein auffälligstes Merkmal ist der jahreszeitlich wechselnde Gefiederwechsel, der eine nahezu perfekte Tarnung gegen Fressfeinde gewährleistet. Im Winter trägt das Alpenschneehuhn ein durchgehend weißes Gefieder – einzig die schwarzen Schwanzfedern und beim Männchen ein schmaler schwarzer Zügelstreif zwischen Auge und Schnabel bleiben sichtbar. Ab dem Frühjahr setzt die Mauser ein: Das Sommerkleid zeigt eine graubraune bis gelbbraune Musterung mit feiner dunkler Bänderung und Sprenkelung, die eine hervorragende Anpassung an das Geröll- und Felsbiotop der Hochgebirgsregionen darstellt. Weibchen sind im Sommerkleid insgesamt etwas wärmer gefärbt als Männchen und zeigen mehr gelbbraune Töne.
Die Läufe und Zehen sind bis zu den Krallen dicht befiedert – ein Merkmal, das allen Vertretern der Gattung Lagopus gemeinsam ist und als Isolation gegen Kälte sowie als natürlicher Schneeschuh dient. Der Schnabel ist kurz, kräftig und dunkel gefärbt. Über dem Auge tragen beide Geschlechter einen roten, fleischigen Hautkamm (Rosette), der beim Männchen deutlich größer und intensiver gefärbt ist als beim Weibchen. Dieser Kamm schwillt während der Balzzeit zusätzlich an.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Alpenschneehuhns erstreckt sich zirkumpolar über die arktischen und subarktischen Regionen der Nordhalbkugel. Es besiedelt die Tundrengebiete Islands, Skandinaviens, Sibiriens, Alaskas, Kanadas und Grönlands. In Mitteleuropa kommt die Art als Glazialrelikt in den Alpen, den Pyrenäen und vereinzelt in Teilen des schottischen Hochlands vor. In den Alpen brütet das Alpenschneehuhn in Höhenlagen zwischen 1.800 und 3.200 Metern über dem Meeresspiegel – bevorzugt oberhalb der Baumgrenze.
Typische Habitate sind felsige Geröllhalden, alpine Matten, Zwergstrauchheiden mit Heidelbeere und Alpenrose sowie Blockschuttfelder mit spärlicher Vegetation. Die Art meidet geschlossene Wälder und offene Grasflächen ohne Deckung gleichermaßen. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein von Felsblöcken, Mulden oder niedrigen Sträuchern, die Schutz vor Witterung und Fressfeinden bieten. Das Alpenschneehuhn ist weitgehend standorttreu und unternimmt allenfalls kurze Höhenwanderungen im Winter, wenn extreme Schneeverhältnisse die Nahrungssuche in den höchsten Lagen unmöglich machen.
Ernährung
Das Alpenschneehuhn ernährt sich überwiegend pflanzlich. Im Sommer bilden Blätter, Knospen, Blüten und Beeren alpiner Pflanzen die Nahrungsgrundlage – insbesondere Heidelbeere, Alpenazalee, Silberwurz und verschiedene Weidenarten. Ergänzend werden Samen, Moose und Flechten aufgenommen. In den Sommermonaten fressen vor allem Küken und Hennen auch Insekten, Spinnen und andere wirbellose Tiere, die als proteinreiche Ergänzung für das Wachstum und die Eiproduktion notwendig sind.
Im Winter beschränkt sich das Nahrungsspektrum auf Knospen und Triebe von Zwergsträuchern sowie auf Flechten, die unter der Schneedecke oder an windexponierten Stellen freiliegen. Die Vögel graben mit ihren befiederten Füßen gezielt Schnee beiseite, um an die darunter liegende Vegetation zu gelangen. Der Blinddarm ist bei Schneehühnern im Verhältnis zur Körpergröße stark verlängert – eine Anpassung an die schwer verdauliche, faserreiche Winterkost.
Verhalten & Lebensweise
Das Alpenschneehuhn ist tagaktiv. Außerhalb der Brutzeit leben die Vögel häufig in kleinen, lockeren Gruppen von fünf bis fünfzehn Tieren. Während der Brutzeit beanspruchen die Männchen individuelle Reviere, die sie durch Rufe und kurze Balzflüge markieren und gegen Artgenossen verteidigen. Der charakteristische Ruf des Männchens ist ein raues, krächzendes „krrr-r-r-r", das vor allem in den frühen Morgenstunden zu hören ist.
Bei Gefahr verlassen sich Alpenschneehühner primär auf ihre Tarnung. Sie drücken sich reglos auf den Boden und fliegen erst bei unmittelbarer Annäherung eines Feindes explosionsartig auf. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Steinadler, Wanderfalke, Hermelin und Fuchs. In besonders kalten Nächten graben sich die Vögel Schneehöhlen, in denen sie vor dem Wind geschützt übernachten und die Körperwärme besser halten können.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balzzeit beginnt in den Alpen je nach Höhenlage und Schneeverhältnissen im April oder Mai. Die Männchen führen auffällige Balzflüge durch, bei denen sie steil aufsteigen und mit gespreizten Schwanzfedern und lautem Rufen wieder abgleiten. Der rote Hautkamm über dem Auge ist während der Balz stark angeschwollen und leuchtend gefärbt.
Das Alpenschneehuhn ist in der Regel saisonal monogam. Das Nest ist eine flache, spärlich mit Grashalmen und Federn ausgelegte Bodenmulde, die unter Felsvorsprüngen, neben Steinen oder