Fasan
FTierart – Vögel > Hühnervögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Phasianus colchicus
- Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
- Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
- Gattung: Phasianus
- Lebensraum: Offene Kulturlandschaften, Feldfluren, Waldränder, Schilfgebiete
- Größe: Hahn 70–90 cm (davon ca. 35–45 cm Schwanz), Henne 55–70 cm
- Gewicht: Hahn 1.000–1.500 g, Henne 750–1.100 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Fasan gehört zu den auffälligsten Hühnervögeln Europas, wobei sich Hahn und Henne stark unterscheiden – ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Der Hahn trägt ein schillerndes Gefieder mit kupferroter bis goldbrauner Grundfärbung, die von dunklen Schuppenmustern durchzogen ist. Kopf und Hals glänzen in metallischem Dunkelgrün bis Blauviolett, die nackten Hautpartien rund um die Augen leuchten intensiv rot. Bei vielen Unterarten und Zuchtformen ziert ein weißer Halsring den Übergang zwischen Kopf- und Körpergefieder. Der lange, spitz zulaufende Stoß – so die jagdliche Bezeichnung für den Schwanz – ist gebändert und kann beim Hahn mehr als die Hälfte der Gesamtlänge ausmachen. An den Beinen tragen Hähne kurze Sporen, die bei Auseinandersetzungen als Waffen dienen.
Die Henne ist dagegen in unauffälligen Erdtönen gehalten: sandbraun mit dunkler Fleckung und Strichelung, was ihr eine hervorragende Tarnung am Boden bietet. Diese kryptische Färbung schützt sie während der Brut vor Fressfeinden. Beide Geschlechter besitzen einen kräftigen, leicht gebogenen Schnabel und relativ kurze, abgerundete Flügel, die für kurze, explosive Flugphasen ausgelegt sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Fasans erstreckt sich von den Küsten des Schwarzen Meeres über Zentralasien bis nach China und Korea. Der wissenschaftliche Artname „colchicus" verweist auf die antike Landschaft Kolchis am östlichen Schwarzen Meer, von wo die Griechen der Überlieferung nach die ersten Fasane nach Europa brachten. Bereits in der Antike wurde der Fasan im Mittelmeerraum eingebürgert, später dann in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas, in Nordamerika, Australien und Neuseeland.
Als Habitat bevorzugt der Fasan halboffene Kulturlandschaften mit einem Mosaik aus Äckern, Wiesen, Hecken, Feldgehölzen und Schilfbeständen. Entscheidend ist das Vorhandensein von Deckung bietender Vegetation in Bodennähe – sei es dichtes Gebüsch, Altgrasstreifen oder Brachen. In reinen Wäldern oder in intensiv genutztem Agrarland ohne Strukturelemente fehlt er dagegen weitgehend. Feuchte Niederungen und Flussufer zählen ebenso zu seinen bevorzugten Biotopen wie Weinberge und Obstplantagen.
Ernährung
Der Fasan ist ein Allesfresser mit saisonaler Schwerpunktsetzung. Im Frühjahr und Sommer dominieren tierische Bestandteile: Insekten, Spinnen, Regenwürmer, Schnecken und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Eidechsen. Dieser proteinreiche Anteil ist besonders für heranwachsende Küken von großer Bedeutung. Im Herbst und Winter stellt sich die Ernährung auf pflanzliche Kost um. Dann bilden Getreidekörner, Samen, Beeren, Wurzeln und grüne Pflanzenteile die Hauptnahrung. In strengen Wintern mit geschlossener Schneedecke kann die Nahrungssuche zum limitierenden Faktor werden, weshalb Fasane in solchen Perioden häufig auf landwirtschaftliche Flächen mit Ernteresten ausweichen.
Verhalten & Lebensweise
Fasane sind überwiegend tagaktiv, wobei die Hauptaktivitätsphasen in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden liegen. Die Nacht verbringen sie auf erhöhten Schlafplätzen in Bäumen oder dichtem Gebüsch, wo sie vor bodenlebenden Prädatoren geschützt sind. Außerhalb der Brutzeit leben Fasane häufig in lockeren Gruppen, die nach Geschlechtern getrennt sein können. Hennen bilden im Winter kleine Trupps, während Hähne einzeln oder in kleinen Verbänden umherstreifen.
Der typische Fluchtreflex besteht zunächst im Laufen in Deckung – Fasane sind ausdauernde Läufer. Erst bei unmittelbarer Bedrohung fliegen sie mit lautem Flügelklatschen steil auf, um nach kurzem Gleitflug wieder in die Bodenvegetation einzufallen. Die Flugfähigkeit ist auf kurze Distanzen beschränkt; längere Strecken legen Fasane praktisch nie fliegend zurück. Der Hahn markiert sein Revier akustisch durch einen unverwechselbaren, zweisilbigen Ruf, der an ein heiseres Krähen erinnert und oft von einem kurzen Flügelschlagen begleitet wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt in Mitteleuropa im März und erstreckt sich bis in den Mai. Der Hahn lebt polygyn und versucht, einen Harem von mehreren Hennen um sich zu versammeln. Zur Balz präsentiert er sein Prachtgefieder, spreizt den Schwanz, richtet die Ohrfedern auf und bläht die roten Gesichtslappen auf. Rivalisierende Hähne liefern sich Kommentkämpfe mit Flügelschlägen und Sporeneinsatz.
Die Henne legt 8–15 olivbraune Eier in eine flache Bodenmulde, die mit Gras und Laub spärlich ausgepolstert ist. Die Brutdauer beträgt 23–25 Tage. Als typische Nestflüchter verlassen die Küken das Nest bereits wenige Stunden nach dem Schlupf und folgen der Henne bei der Nahrungssuche. Sie sind von Anfang an auf proteinreiche Insektennahrung angewiesen