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Ameisenbär

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Tierart – Säugetiere > Sonstige Säugetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Myrmecophaga tridactyla (Großer Ameisenbär)
  • Ordnung: Pilosa (Zahnarme)
  • Unterordnung: Vermilingua (Ameisenbären)
  • Familien: Myrmecophagidae (Ameisenbären) und Cyclopedidae (Zwergameisenbären)
  • Lebensraum: Savannen, Grasländer, tropische Regenwälder, Trockenwälder in Mittel- und Südamerika
  • Größe: 35 cm (Zwergameisenbär) bis 210 cm Gesamtlänge (Großer Ameisenbär)
  • Gewicht: 0,3 kg (Zwergameisenbär) bis 40 kg (Großer Ameisenbär)
  • Lebenserwartung: 14–16 Jahre in freier Wildbahn, bis 26 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Ameisenbären gehören zu den morphologisch auffälligsten Säugetieren der Neotropis. Ihr Körperbau ist in hohem Maße an die Ernährung von Ameisen und Termiten angepasst. Alle Arten besitzen einen langgestreckten, röhrenförmigen Schädel mit einer schmalen, zahnlosen Schnauze. Das Maul öffnet sich nur zu einer kleinen Öffnung, durch die eine extrem lange, wurmförmige Zunge herausgeschnellt werden kann. Beim Großen Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla) erreicht diese Zunge eine Länge von bis zu 60 Zentimetern und ist mit einem klebrigen Speichel bedeckt, der von stark vergrößerten Speicheldrüsen produziert wird.

Das Fell variiert je nach Art erheblich. Der Große Ameisenbär trägt ein grobes, struppiges Haarkleid in Grau- und Brauntönen mit einer markanten, schwarz-weiß gesäumten Schulterbinde, die diagonal über den Körper verläuft. Sein buschiger Schwanz dient als Wärmeschutz während der Ruhephasen. Der Tamandua oder Kleine Ameisenbär (Tamandua tetradactyla und T. mexicana) zeigt eine charakteristische „Westen"-Zeichnung mit dunklem Rumpf und hellen Schultern. Der Zwergameisenbär (Cyclopes didactylus) besitzt dagegen ein weiches, seidiges Fell in Goldbraun.

An den Vorderfüßen tragen Ameisenbären kräftige, sichelförmige Krallen – beim Großen Ameisenbär ist die dritte Kralle besonders lang und kann über zehn Zentimeter messen. Diese Krallen dienen sowohl dem Aufbrechen von Insektenbauten als auch der Verteidigung gegen Raubtiere. Ameisenbären sind vollständig zahnlos, was innerhalb der Säugetiere eine Seltenheit darstellt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Ameisenbären erstreckt sich von Südmexiko bis nach Nordargentinien und Uruguay. Der Große Ameisenbär bewohnt vorwiegend offene Habitate wie die Cerrado-Savanne Brasiliens, die Llanos Venezuelas und das Gran Chaco, kommt aber auch in lichten Wäldern und an Waldrändern vor. Sein Biotop zeichnet sich durch ein ausreichendes Angebot an Ameisen- und Termitenkolonien aus.

Die beiden Tamandua-Arten besiedeln ein breiteres Spektrum an Lebensräumen, darunter tropische Regenwälder, Mangroven, Sekundärwälder und Plantagen. Sie sind deutlich arborikol – das heißt, sie halten sich häufig in Bäumen auf, wo sie mit ihrem Greifschwanz klettern. Der Zwergameisenbär lebt ausschließlich in den Baumkronen tropischer Tieflandregenwälder und wird aufgrund seiner versteckten, nachtaktiven Lebensweise nur selten beobachtet.

Ernährung

Ameisenbären sind hochspezialisierte Insektenfresser (Insektivoren). Ihre Nahrung besteht nahezu ausschließlich aus Ameisen und Termiten. Der Große Ameisenbär bricht mit seinen Krallen die harten Wände von Termitenhügeln und unterirdischen Ameisennestern auf und führt seine klebrige Zunge mit einer Frequenz von bis zu 150 Mal pro Minute in die Gänge ein. Pro Fressvorgang verweilt er nur wenige Minuten an einem Bau und nimmt jeweils einige hundert bis tausend Insekten auf, bevor er weiterzieht. Dieses Verhalten verhindert die vollständige Zerstörung der Kolonie und sichert eine nachhaltige Nahrungsquelle.

Ein Großer Ameisenbär frisst täglich etwa 30.000 bis 35.000 Insekten. Da die Nahrung kalorienarm ist, verbringt er einen erheblichen Teil des Tages mit der Nahrungssuche. Tamanduas ergänzen ihren Speiseplan gelegentlich mit Bienenlarven und Honig. Die Verdauung erfolgt im muskulösen Magen, der die Funktion der fehlenden Zähne teilweise übernimmt – ähnlich dem Muskelmagen bei Vögeln.

Verhalten & Lebensweise

Ameisenbären sind überwiegend Einzelgänger. Der Große Ameisenbär durchstreift ein Revier von 5 bis 25 Quadratkilometern, abhängig von der Nahrungsdichte im jeweiligen Habitat. Die Aktivitätsmuster variieren: In ungestörten Gebieten ist er häufig tagaktiv, in der Nähe menschlicher Siedlungen verschiebt sich seine Aktivität zunehmend in die Dämmerungs- und Nachtstunden.

Tamanduas und Zwergameisenbären sind vorwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Sie ruhen tagsüber in Baumhöhlen oder auf Astgabeln. Bei Bedrohung richten sich Ameisenbären auf die Hinterbeine auf und setzen ihre Krallen ein – ein Verhalten, das selbst Jaguaren und Pumas gefährlich werden kann. Der Große Ameisenbär gilt trotz seines friedlichen Erscheinungsbildes als wehrhaft; es sind tödliche Verletzungen an Hunden und Menschen dokumentiert.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung findet ohne feste Paarungszeit statt, wobei ein saisonaler Schwerpunkt je nach Region beobachtet wird. Nach einer Tragzeit von etwa 190 Tagen bringt das Weib