Erdferkel
ETierart – Säugetiere > Sonstige Säugetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Orycteropus afer
- Ordnung: Röhrenzähner (Tubulidentata)
- Familie: Erdferkel (Orycteropodidae)
- Gattung: Orycteropus
- Lebensraum: Savannen, Grasländer, lichte Wälder und Halbwüsten südlich der Sahara
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 100–160 cm, Schwanzlänge 45–65 cm
- Gewicht: 40–82 kg
- Lebenserwartung: Bis zu 18 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft über 23 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das Erdferkel besitzt eine unverwechselbare Gestalt, die auf den ersten Blick an kein anderes Säugetier erinnert. Der massige, leicht gebogene Rumpf wird von kurzen, kräftigen Beinen getragen. Die Vorderfüße sind mit vier, die Hinterfüße mit fünf starken Grabkrallen ausgestattet, die an Hufe erinnern. Der langgestreckte Kopf endet in einer rüsselartigen Schnauze mit großen, runden Nasenlöchern. Die röhrenförmigen Ohren können bis zu 22 cm lang werden und lassen sich unabhängig voneinander bewegen. Die kleinen Augen liegen weit hinten am Kopf und sind von dichten Wimpern umgeben, die als Schutz gegen eindringende Erde dienen.
Das Fell ist spärlich und borstig, von gelblich-grauer bis bräunlicher Farbe. An manchen Körperstellen schimmert die dicke, rosafarbene Haut durch. Der muskulöse Schwanz verjüngt sich zur Spitze hin und ähnelt in seiner Form dem eines Kängurus. Besonders auffällig ist die Zunge: Sie ist lang, dünn, klebrig und kann bis zu 30 cm aus dem Maul herausgestreckt werden – eine Anpassung an die spezialisierte Nahrungsaufnahme.
Die namensgebenden Röhrenzähne unterscheiden sich grundlegend von den Zähnen anderer Säugetiere. Sie bestehen aus zahlreichen sechseckigen Dentinröhrchen ohne Schmelzüberzug und wachsen zeitlebens nach. Erwachsene Tiere besitzen 20 Zähne; Schneide- und Eckzähne fehlen im bleibenden Gebiss vollständig.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Erdferkels erstreckt sich über weite Teile Afrikas südlich der Sahara. Von Senegal und Äthiopien im Norden bis Südafrika im Süden besiedelt die Art eine Vielzahl von Habitaten. Bevorzugt werden offene und halboffene Landschaften wie Grassavannen, Buschland und lichter Trockenwald. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorkommen von Termiten und Ameisen sowie ein Bodensubstrat, das sich graben lässt. Felsige oder dauerhaft überflutete Gebiete werden gemieden. In Bergregionen ist das Erdferkel bis auf Höhen von etwa 3.200 Metern nachgewiesen, etwa in den äthiopischen Hochländern.
Innerhalb seines Verbreitungsgebiets nutzt das Erdferkel ein ausgedehntes Revier, das je nach Nahrungsverfügbarkeit zwischen 2 und 5 Quadratkilometer umfasst. Die selbst gegrabenen Baue dienen nicht nur dem Erdferkel als Unterschlupf, sondern werden nach dem Verlassen von zahlreichen anderen Tierarten wie Warzenschweinen, Hyänen, Pythons und verschiedenen Vogelarten als Biotop genutzt – ein ökologisch bedeutsamer Aspekt.
Ernährung
Das Erdferkel ist ein hochspezialisierter Insektenfresser. Seine Hauptnahrung besteht aus Termiten und Ameisen, wobei es je nach Region und Jahreszeit über 20 verschiedene Arten frisst. Mit seinen kräftigen Grabkrallen bricht es mühelos selbst hartschalige Termitenbauten auf und leckt die Insekten mit seiner langen, klebrigen Zunge auf. In einer einzigen Nacht kann ein Erdferkel bis zu 50.000 Termiten verzehren.
Der Magen besitzt eine muskulöse Pylorusregion, die ähnlich einem Kaumagen die Nahrung mechanisch zerkleinert – eine Kompensation für das fehlende Kauen. Ergänzend zur Insektennahrung frisst das Erdferkel gelegentlich die unterirdischen Früchte der Erdferkelgurke (Cucumis humifructus). Dieses Kürbisgewächs ist auf die Verbreitung seiner Samen durch das Erdferkel angewiesen: Die Tiere vergraben ihren Kot, wodurch die Samen unter optimalen Keimbedingungen in den Boden gelangen. Es handelt sich um eine der wenigen bekannten mutualischen Beziehungen zwischen einem Säugetier und einer Pflanze dieser Art.
Verhalten & Lebensweise
Das Erdferkel ist streng nachtaktiv und verbringt den Tag in selbst gegrabenen Erdbauen. Diese können einfache Schlafbaue mit wenigen Metern Länge sein oder komplexe Gangsysteme mit mehreren Eingängen und Kammern, die bis zu 13 Meter tief in den Boden reichen. Die Tiere leben einzelgängerisch; Begegnungen zwischen Artgenossen finden vor allem während der Paarungszeit statt.
Nach Einbruch der Dunkelheit verlässt das Erdferkel seinen Bau und durchstreift sein Revier auf der Suche nach Nahrung. Dabei legt es pro Nacht Strecken von 10 bis 30 Kilometern zurück, wobei es in einem charakteristischen Zickzackmuster läuft und dabei die Nase dicht über dem Boden hält. Der Geruchssinn ist extrem gut entwickelt und dient als primärer Sinn bei der Nahrungssuche. Das Gehör ist ebenfalls leistungsfähig; die großen Ohren werden bei der Nahrungsaufnahme oft nach hinten geklappt, um das Eindringen von Erde zu verhindern.
Bei Gefahr kann das Erdferkel erstaunlich schnell graben und sich innerhalb weniger Minuten vollständig einbuddeln. Alternativ flüchtet es in den nächsten Bau oder setzt sich zur Wehr, indem es mit den Hinterkrallen und dem Schwanz schlägt. Natürliche Feinde sind Löwen, Leoparden, Hyänen und Afrikanische Wildhunde.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit variiert je nach