Faultier
FTierart – Säugetiere > Sonstige Säugetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Folivora (Unterordnung)
- Ordnung: Zahnarme (Pilosa)
- Familien: Zweifinger-Faultiere (Megalonychidae) und Dreifinger-Faultiere (Bradypodidae)
- Lebensraum: Tropische Regenwälder Mittel- und Südamerikas
- Größe: 50–75 cm (Kopf-Rumpf-Länge)
- Gewicht: 3–9 kg, je nach Art
- Lebenserwartung: 20–30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 40 Jahre
Aussehen & Merkmale
Faultiere besitzen einen kompakten, rundlichen Körperbau mit einem kleinen, flachen Kopf und großen Augen. Ihr dichtes, langes Fell ist grob und struppig. Eine Besonderheit stellt der Scheitel des Fells dar: Im Gegensatz zu den meisten Säugetieren verläuft er nicht am Rücken, sondern am Bauch. Das Fell hängt dadurch nach unten ab, wenn das Tier in seiner typischen Haltung kopfüber an Ästen hängt – so kann Regenwasser besser ablaufen.
Die Fellfarbe variiert von graubraun bis beige. Häufig weist das Fell einen grünlichen Schimmer auf, der von symbiotischen Grünalgen herrührt, die in den rillenartigen Strukturen der Haare wachsen. Diese Algen dienen als Tarnung im Blätterdach und bilden ein eigenes kleines Ökosystem: Neben den Algen leben Motten, Käfer und andere Gliederfüßer im Fell der Tiere.
Die Vorderbeine sind bei Dreifinger-Faultieren deutlich länger als die Hinterbeine, was ihre Anpassung an das Leben in den Baumkronen widerspiegelt. Beide Faultier-Familien tragen an den Vorder- und Hinterfüßen stark gekrümmte, sichelförmige Krallen, die bis zu 10 cm lang werden. Mit diesen Krallen haken sie sich mühelos an Ästen fest. Die Muskulatur ist so ausgelegt, dass das Greifen im Ruhezustand kaum Energie kostet – selbst tote Faultiere bleiben gelegentlich noch an Ästen hängen.
Dreifinger-Faultiere besitzen acht bis neun Halswirbel statt der bei Säugetieren üblichen sieben. Dadurch können sie ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen, was ihnen beim Fressen und bei der Feindbeobachtung hilft, ohne die Körperposition verändern zu müssen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Faultiere erstreckt sich von Honduras und Nicaragua in Mittelamerika über Panama und Kolumbien bis in den Norden Argentiniens und das südliche Brasilien. Ihr Habitat sind vorwiegend tropische und subtropische Regenwälder des Tieflandes, wobei einzelne Arten auch in Nebelwäldern und Sekundärwäldern vorkommen. Die Tiere bevorzugen das Kronendach als Biotop und verbringen den Großteil ihres Lebens in Höhen von 15 bis 40 Metern.
Zweifinger-Faultiere der Gattung Choloepus besiedeln ein breiteres Spektrum an Waldtypen als die stärker spezialisierten Dreifinger-Faultiere der Gattung Bradypus. Letztere sind auf bestimmte Baumarten angewiesen und reagieren entsprechend empfindlicher auf Habitatverlust.
Ernährung
Dreifinger-Faultiere sind strikte Pflanzenfresser (Herbivore). Sie ernähren sich hauptsächlich von Blättern, Knospen und jungen Trieben verschiedener Tropenbäume. Ihre Nahrung ist energiearm und schwer verdaulich. Um den geringen Nährwert auszugleichen, besitzen sie einen mehrkammerigen Magen, der in seiner Funktion an den Pansen von Wiederkäuern erinnert. Symbiontische Bakterien zersetzen die Zellulose in einem Gärungsprozess, der mehrere Wochen dauern kann. Der gesamte Verdauungsvorgang beansprucht bei Dreifinger-Faultieren bis zu 30 Tage.
Zweifinger-Faultiere sind etwas weniger spezialisiert. Neben Blättern fressen sie auch Früchte, Blüten und gelegentlich kleine Insekten oder Vogeleier, was sie zu Allesfressern (Omnivore) macht.
Verhalten & Lebensweise
Faultiere sind überwiegend einzelgängerisch und beanspruchen kein festes Revier im klassischen Sinne, nutzen aber individuelle Streifgebiete mit bevorzugten Futterbäumen. Dreifinger-Faultiere sind sowohl tag- als auch nachtaktiv, wobei sie bis zu 15–18 Stunden pro Tag schlafen. Zweifinger-Faultiere sind vorwiegend nachtaktiv.
Die namensgebende Langsamkeit ist eine direkte Folge ihrer energiearmen Ernährung und des niedrigen Stoffwechsels. Faultiere bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 0,15 bis 0,27 km/h durch die Bäume. Ihr Grundumsatz liegt rund 40 bis 45 Prozent unter dem, was für ein Säugetier ihrer Größe zu erwarten wäre. Die Körpertemperatur schwankt stark und kann auf 24 °C absinken – für ein Säugetier ein außergewöhnlich niedriger Wert.
Etwa einmal pro Woche klettern Faultiere zum Waldboden hinab, um dort ihren Kot abzusetzen. Dieses energetisch riskante Verhalten – am Boden sind sie langsam und gegenüber Raubfeinden wie Jaguaren, Ozeloten und Harpyien nahezu wehrlos – dient vermutlich der Düngung ihrer Futterbäume und der Erhaltung des Algenwachstums im Fell durch die dabei übertragenen Faultiermotten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Faultiere pflanzen sich das ganze Jahr über fort, ohne eine ausgeprägte Paarungszeit. Die Balz beschränkt sich auf Lautäußerungen der Weibchen, die Männchen anlocken. Bei Dreifinger-Faultieren stoßen paarungsbereite Weibchen schrille, hohe Schreie aus. Die Paarung findet in den Bäumen statt.
Die Tragzeit beträgt je nach Art zwischen fünf und sechs Monaten bei Dreifinger-Faultieren und etwa