Dreifingerfaultier
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Bradypus (Gattung), mit vier rezenten Arten
- Ordnung: Pilosa (Zahnarme)
- Unterordnung: Folivora (Faultiere)
- Familie: Bradypodidae (Dreifingerfaultiere)
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Nebelwälder und Mangrovenwälder Mittel- und Südamerikas
- Größe: 40–75 cm Kopf-Rumpf-Länge
- Gewicht: 2,5–6 kg
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Dreifingerfaultiere besitzen an allen vier Extremitäten je drei Zehen, die mit langen, sichelförmig gebogenen Krallen ausgestattet sind – ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber den nur entfernt verwandten Zweifingerfaultieren der Familie Megalonychidae (Gattungen Choloepus), die an den Vorderbeinen lediglich zwei Krallen tragen. Trotz des ähnlichen Namens gehören Zwei- und Dreifingerfaultiere verschiedenen Familien an und haben ihre baumlebende Lebensweise unabhängig voneinander verfeinert.
Das dichte, grobe Fell der Dreifingerfaultiere weist eine ungewöhnliche Besonderheit auf: Die Haare besitzen Längsrillen, in denen sich Grünalgen der Gattung Trichophilus ansiedeln. Diese Algen verleihen dem Fell einen grünlichen Schimmer, der als Tarnung im Blätterdach dient. Zusätzlich leben Motten der Gattung Cryptoses im Fell, die an den Algen und abgestorbenen Hautpartikeln fressen. Das Fell ist gegen die Wuchsrichtung gescheitelt – vom Bauch zum Rücken hin –, sodass Regenwasser bei der typischen Hängehaltung besser abfließen kann.
Der rundliche Kopf mit der stumpfen Schnauze und den kleinen, dunklen Augen sitzt auf einem kurzen, aber äußerst beweglichen Hals. Dreifingerfaultiere besitzen acht bis neun Halswirbel – die meisten Säugetiere haben lediglich sieben. Diese zusätzlichen Wirbel ermöglichen eine Kopfdrehung von bis zu 270 Grad, was die Nahrungssuche im Geäst erheblich erleichtert, ohne dass das Tier seine Position verändern muss.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Dreifingerfaultiere erstreckt sich von Honduras in Mittelamerika über Panama und das nördliche Südamerika bis ins zentrale Brasilien, Bolivien und Paraguay. Die einzelnen Arten unterscheiden sich in ihrem Habitat deutlich: Das Weißkehl-Dreifingerfaultier (Bradypus tridactylus) bewohnt die tropischen Tieflandregenwälder nördlich des Amazonas. Das Braunkehlfaultier (Bradypus variegatus) hat das größte Verbreitungsgebiet und besiedelt verschiedene Waldtypen vom Meeresspiegel bis in Höhen von etwa 2.400 Metern. Das Kragenfaultier (Bradypus torquatus) kommt ausschließlich in den atlantischen Küstenwäldern Ostbrasiliens vor, während das Zwergfaultier (Bradypus pygmaeus) nur auf der kleinen Insel Escudo de Veraguas vor der Küste Panamas lebt.
Dreifingerfaultiere sind auf zusammenhängende Waldgebiete angewiesen. Sie nutzen das Kronendach als primäres Biotop und verlassen die Bäume nur selten – typischerweise einmal pro Woche zum Defäkieren am Boden, was ein erhebliches Risiko darstellt, da sie dort Raubtieren nahezu schutzlos ausgeliefert sind.
Ernährung
Dreifingerfaultiere sind strikte Pflanzenfresser (Herbivore) und ernähren sich fast ausschließlich von Blättern, wobei sie je nach Art bestimmte Baumarten bevorzugen. Das Braunkehlfaultier nutzt Blätter von über 90 verschiedenen Baumarten, darunter Cecropia-Bäume (Ameisenbaum), die wegen ihres hohen Nährstoffgehalts besonders geschätzt werden.
Der mehrkammerige Magen der Dreifingerfaultiere beherbergt symbiotische Bakterien, die bei der Fermentation der schwer verdaulichen Zellulose helfen – ein Verdauungsprinzip, das an Wiederkäuer erinnert. Die vollständige Verdauung einer Mahlzeit kann bis zu einem Monat dauern. Diese extrem langsame Verdauung ist eine Anpassung an die nährstoffarme Blattnahrung und bedingt den geringen Energieumsatz der Tiere.
Verhalten & Lebensweise
Dreifingerfaultiere gelten als überwiegend tagaktiv, zeigen aber auch nachts Aktivitätsphasen – sie sind streng genommen kathemeral, also zu beliebigen Tageszeiten aktiv. Sie verbringen bis zu 20 Stunden täglich ruhend oder schlafend, häufig in Astgabeln eingerollt oder an einem Ast hängend.
Die Tiere leben einzelgängerisch und beanspruchen kein festes Revier im klassischen Sinn, nutzen aber relativ konstante Streifgebiete von etwa 0,5 bis 9 Hektar. Begegnungen mit Artgenossen verlaufen in der Regel friedlich. Die Fortbewegung im Geäst erfolgt mit bedächtigen, kontrollierten Bewegungen. Am Boden sind Dreifingerfaultiere nahezu hilflos und können sich nur kriechend fortbewegen, sind aber erstaunlich ausdauernde Schwimmer.
Die Stoffwechselrate liegt bei nur etwa 40 bis 45 Prozent des für ein Säugetier dieser Größe erwarteten Wertes. Die Körpertemperatur schwankt je nach Umgebungstemperatur zwischen 25 und 35 °C – ein für Säugetiere ungewöhnlich breiter Bereich, der einer poikilothermen Thermoregulation nahekommt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Dreifingerfaultiere pflanzen sich je nach Art saisonal oder ganzjährig fort. Weibchen signalisieren ihre Paarungsbereitschaft durch schrille, hohe Schreie, die Männchen anlocken. Eine eigentliche Balz findet nicht statt; die Paarung erfolgt in der Regel kopfüber hängend im Geäst.
Nach einer Tragzeit von rund sechs Mon