Baumschliefer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Dendrohyrax (Gattung mit drei Arten: D. dorsalis, D. arboreus, D. validus)
- Ordnung: Schliefer (Hyracoidea)
- Familie: Schliefer (Procaviidae)
- Lebensraum: Tropische und montane Regenwälder, Bergwälder, Galeriewälder in Afrika
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 32–60 cm
- Gewicht: 1,5–4,5 kg
- Lebenserwartung: Etwa 10–12 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Baumschliefer sind kompakt gebaute Säugetiere, die auf den ersten Blick an große Nagetiere erinnern, mit diesen jedoch nicht näher verwandt sind. Der Körper ist gedrungen, die Beine sind relativ kurz, und ein äußerlich sichtbarer Schwanz fehlt nahezu vollständig – lediglich ein rudimentärer Stummelschwanz ist vorhanden. Das dichte, weiche Fell variiert je nach Art und Verbreitungsgebiet von dunkelbraun über graubraun bis olivbraun. Ein auffälliges Merkmal aller Schliefer ist die sogenannte Rückendrüse, die von einem Fleck heller oder gelblicher Haare umgeben ist. Diese Drüse spielt bei der innerartlichen Kommunikation eine Rolle und sondert ein Sekret ab, das vermutlich der Duftmarkierung dient.
Die Füße der Baumschliefer weisen gummiartige, stets leicht feuchte Sohlenballen auf, die wie Saugnäpfe wirken und dem Tier außerordentlichen Halt beim Klettern verleihen. An den Vorderfüßen sitzen vier Zehen, an den Hinterfüßen drei, wobei die Innenzehe des Hinterfußes eine Kralle statt eines Nagels trägt, die zur Fellpflege eingesetzt wird. Die oberen Schneidezähne sind spitz und leicht nach unten gebogen, was ihnen eine gewisse Ähnlichkeit mit kleinen Stoßzähnen verleiht – ein Hinweis auf die entfernte Verwandtschaft mit den Elefanten und Seekühen innerhalb der Überordnung Afrotheria.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Baumschliefer erstreckt sich über weite Teile des subsaharischen Afrika. Der Westliche Baumschliefer (Dendrohyrax dorsalis) besiedelt die tropischen Regenwälder West- und Zentralafrikas, vom Senegal bis zur Demokratischen Republik Kongo. Der Südliche Baumschliefer (D. arboreus) kommt in den Wäldern Ost- und Südafrikas vor, von Kenia bis Südafrika. Der Östliche Baumschliefer (D. validus) bewohnt isolierte Bergwälder in Tansania und auf den Inseln Sansibar und Pemba.
Als Habitat bevorzugen alle drei Arten dichte Waldgebiete, wobei sie sowohl in tropischen Tieflandregenwäldern als auch in montanen Nebelwäldern bis in Höhenlagen von über 4.500 Metern vorkommen. Die Tiere sind dabei eng an das Vorhandensein von Baumhöhlen gebunden, die ihnen als Tagesversteck und Schlafplatz dienen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten, den Klippschliefern (Procavia capensis) und Buschschliefern (Heterohyrax brucei), die felsige Lebensräume bevorzugen, sind Baumschliefer fast ausschließlich an Waldhabitate angepasst.
Ernährung
Baumschliefer sind überwiegend Pflanzenfresser. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Blättern, Knospen, Früchten, Zweigen und Rinde verschiedener Baumarten. Gelegentlich nehmen sie auch Insekten und andere kleine Wirbellose zu sich. Der Magen ist mehrkammerig aufgebaut und ermöglicht die mikrobielle Fermentation pflanzlicher Nahrung – eine Anpassung, die an Wiederkäuer erinnert, obwohl Schliefer nicht zum Wiederkäuen fähig sind. Diese effiziente Verdauung erlaubt es den Tieren, auch nährstoffarme Blätter zu verwerten.
Verhalten & Lebensweise
Im Gegensatz zu den tagaktiven Klippschliefern sind Baumschliefer überwiegend nachtaktiv. Sie verbringen den Tag schlafend in Baumhöhlen oder dichten Astgabeln und werden in der Dämmerung aktiv. Ihre Fortbewegung im Geäst ist trotz des plump wirkenden Körperbaus geschickt und sicher, was den haftenden Sohlenballen zu verdanken ist.
Baumschliefer leben meist einzelgängerisch, wobei sich die Reviere von Männchen und Weibchen überlappen können. Die Tiere kommunizieren intensiv über Lautäußerungen. Besonders die nächtlichen Rufe sind unverwechselbar: Sie beginnen häufig mit einer Serie von Quietsch- und Kreischlauten, die in ein durchdringendes, lang gezogenes Schreien übergehen. Diese Rufe sind über große Distanzen hörbar und dienen der Revierabgrenzung sowie der Kontaktaufnahme zwischen den Geschlechtern. In manchen Regenwaldgebieten gehören die Schreie der Baumschliefer zu den markantesten Nachtgeräuschen, obwohl viele Menschen sie fälschlicherweise Vögeln oder Primaten zuordnen.
Ihre Thermoregulation ist im Vergleich zu anderen Säugetieren dieser Größe wenig effizient. Baumschliefer neigen dazu, in Gruppen in Baumhöhlen zu schlafen, um Körperwärme zu teilen – ein Verhalten, das besonders in kühlen Höhenlagen beobachtet wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Tragzeit der Baumschliefer ist mit etwa 7 bis 8 Monaten für Säugetiere dieser Körpergröße ungewöhnlich lang. Zum Vergleich: Gleichgroße Nagetiere tragen nur wenige Wochen. Pro Wurf kommen in der Regel ein bis zwei, selten drei Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind relativ weit entwickelt, haben offene Augen und ein vollständiges Fell. Sie sind Nestflüchter und können bereits wenige Tage nach der Geburt klettern. Die Jungtiere werden mehrere Monate gesäugt, nehmen aber schon früh feste Nahr