Ameisenigel
ATierart – Säugetiere > Beuteltiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tachyglossidae (Familie); Kurzschnabeligel: Tachyglossus aculeatus, Langschnabeligel: Zaglossus spp.
- Ordnung: Kloakentiere (Monotremata)
- Familie: Tachyglossidae
- Lebensraum: Wälder, Buschland, Grasland, Halbwüsten (Australien); tropische Bergwälder (Neuguinea)
- Größe: Kurzschnabeligel 30–45 cm; Langschnabeligel bis 80 cm Körperlänge
- Gewicht: Kurzschnabeligel 2–7 kg; Langschnabeligel bis 16 kg
- Lebenserwartung: In freier Wildbahn ca. 15–20 Jahre; in Gefangenschaft bis über 45 Jahre dokumentiert
Aussehen & Merkmale
Ameisenigel sind kompakt gebaute Säugetiere mit kurzem Hals und kräftigen Grabbeinen. Ihr auffälligstes Merkmal sind die kräftigen, hohlen Stacheln, die den Rücken und die Flanken bedecken. Diese Stacheln bestehen aus Keratin – dem gleichen Protein, aus dem auch Haare und Krallen aufgebaut sind – und erreichen beim Kurzschnabeligel eine Länge von etwa fünf bis sechs Zentimetern. Zwischen den Stacheln wächst ein dichtes, raues Fell, das je nach Verbreitungsgebiet und Klima unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Bei Populationen in kälteren Regionen Australiens oder Tasmaniens ist das Unterfell so dicht, dass es die Stacheln teilweise verdeckt.
Der Kopf der Ameisenigel läuft in eine schmale, röhrenförmige Schnauze aus, die an ihrer Spitze eine kleine Mundöffnung und zwei Nasenlöcher trägt. Der Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus) besitzt eine gerade, relativ kurze Schnauze, während die drei Arten der Gattung Zaglossus – die Langschnabeligel – eine deutlich längere und leicht nach unten gebogene Schnauze aufweisen. Die Augen sind klein, die äußeren Ohren kaum sichtbar. Die kräftigen Vorder- und Hinterbeine sind mit breiten, gebogenen Krallen ausgestattet, die hervorragend zum Graben geeignet sind. An den Hinterfüßen der Männchen sitzt ein Hornsporn, der rudimentär ist und – anders als beim Schnabeltier – kein Gift absondert.
Lebensraum & Verbreitung
Der Kurzschnabeligel hat unter allen Kloakentieren das größte Verbreitungsgebiet. Er besiedelt nahezu ganz Australien einschließlich Tasmaniens sowie Teile des Tieflandes von Neuguinea. Sein Habitat ist erstaunlich vielfältig: trockenes Buschland und Halbwüsten des australischen Outbacks zählen ebenso dazu wie feuchte Eukalyptuswälder, alpine Wiesen und küstennahe Heidelandschaften. Die drei Langschnabeligelarten – der Westliche Langschnabeligel (Zaglossus bruijnii), der Östliche Langschnabeligel (Zaglossus bartoni) und der Sir-David-Langschnabeligel (Zaglossus attenboroughi) – kommen ausschließlich auf Neuguinea vor. Sie bewohnen dort vorwiegend tropische und subtropische Bergwälder in Höhenlagen zwischen 1.000 und 4.000 Metern.
Ernährung
Ameisenigel ernähren sich vorwiegend von Wirbellosen. Der Kurzschnabeligel hat sich auf Ameisen und Termiten spezialisiert – daher der deutsche Trivialname. Mit seinen kräftigen Krallen reißt er Termitenbauten und morsche Baumstämme auf und sammelt die Insekten mit seiner langen, klebrigen Zunge ein. Diese Zunge kann bis zu 18 Zentimeter aus der Mundöffnung hervorschnellen und ist mit einem zähflüssigen Sekret überzogen, an dem die Beutetiere haften bleiben. Da Ameisenigel keine Zähne besitzen, werden die Insekten zwischen hornartigen Leisten am Zungengrund und am Gaumen zerrieben.
Die Langschnabeligel ernähren sich hauptsächlich von Regenwürmern, die sie mit ihrer langen Schnauze im feuchten Waldboden aufspüren. Ihre Zunge trägt an der Spitze kleine, hakenförmige Dornen, mit denen sie die Würmer greifen und in die Mundhöhle ziehen.
Verhalten & Lebensweise
Ameisenigel sind überwiegend Einzelgänger ohne festes Revier. Der Kurzschnabeligel ist je nach Klima dämmerungs- oder nachtaktiv; bei moderaten Temperaturen kann er auch tagsüber auf Nahrungssuche gehen. Bei extremer Hitze oder Kälte zieht er sich in Höhlen, hohle Baumstämme oder selbst gegrabene Erdmulden zurück. In kalten Regionen Australiens und auf Tasmanien kann der Kurzschnabeligel in einen echten Winterschlaf (Torpor) fallen, bei dem seine Körpertemperatur auf bis zu 5 °C absinkt – ein unter Säugetieren ungewöhnlich niedriger Wert.
Bei Gefahr rollt sich der Ameisenigel zu einer stacheligen Kugel zusammen, ähnlich wie ein Igel. Auf weichem Untergrund gräbt er sich alternativ mit hoher Geschwindigkeit senkrecht in den Boden ein, bis nur noch die aufgerichteten Stacheln sichtbar sind. Die Muskulatur unter der Haut, der sogenannte Panniculus carnosus, ermöglicht es dem Tier, die Stacheln gezielt aufzurichten und in verschiedene Richtungen zu bewegen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Als Kloakentiere gehören Ameisenigel zu den wenigen Säugetieren, die Eier legen. Die Paarungszeit des Kurzschnabeligels liegt in Australien zwischen Juni und September. Während der Balz folgen mitunter mehrere Männchen einem Weibchen in einer Reihe – ein Verhalten, das als „Echidna Train" (Ameisenigelzug) bezeichnet wird. Diese Prozession kann über Tage andauern, bis sich das Weibchen zur Paarung bereit zeigt.
Etwa 22 Tage nach der Befruchtung legt das Weibchen ein einzelnes, weichschal