Baumkänguru
BTierart – Säugetiere > Beuteltiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Dendrolagus (Gattung mit 14 anerkannten Arten)
- Ordnung: Diprotodontia (Beuteltiere)
- Familie: Macropodidae (Kängurus)
- Unterfamilie: Macropodinae
- Lebensraum: Tropische Bergregenwälder, Nebelwälder, teilweise Tieflandregenwälder
- Verbreitungsgebiet: Neuguinea (Papua-Neuguinea und indonesische Provinzen Papua und Westpapua), Nordost-Australien (Queensland)
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 41–77 cm, Schwanzlänge 40–87 cm
- Gewicht: 6–14 kg, je nach Art
- Lebenserwartung: In freier Wildbahn ca. 15–20 Jahre, in menschlicher Obhut bis zu 27 Jahre
Aussehen & Merkmale
Baumkängurus unterscheiden sich in ihrem Körperbau deutlich von ihren bodenlebenden Verwandten. Ihre Vordergliedmaßen sind im Verhältnis zum Rumpf kräftiger und nahezu gleich lang wie die Hintergliedmaßen – eine Anpassung an das Klettern, die bei anderen Kängurus nicht vorkommt. Die Hinterbeine sind kürzer und breiter als bei Bodenkängurus, was eine größere Beweglichkeit in den Baumkronen ermöglicht. Die Pfoten besitzen gebogene, kräftige Krallen, die wie Steigeisen im Holz greifen. Die Sohlen der Hinterfüße sind mit rauen Polstern versehen, die zusätzlichen Halt auf Ästen und Rinde bieten.
Der lange Schwanz dient als Balancierhilfe und wird beim Klettern und Springen zwischen Ästen eingesetzt. Er ist allerdings – anders als bei manchen südamerikanischen Baumbewohnern – nicht als Greifschwanz ausgebildet. Das Fell ist dicht und oft wollig, was Schutz gegen die feuchte Kälte der Bergwälder bietet. Die Fellfärbung variiert je nach Art erheblich: Das Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) trägt ein kastanienbraunes Fell mit goldgelben Streifen am Rücken, während das Matschie-Baumkänguru (Dendrolagus matschiei) durch seine rotbraune Grundfärbung mit gelbem Bauch und Gesicht auffällt. Das in Australien heimische Bennett-Baumkänguru (Dendrolagus bennettianus) ist dagegen eher unauffällig dunkelbraun gefärbt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Dendrolagus erstreckt sich über zwei getrennte Regionen: den Großteil der Insel Neuguinea sowie ein kleines Areal im tropischen Nordosten Australiens. Auf Neuguinea besiedeln die meisten Arten montane Regenwälder in Höhenlagen zwischen 600 und 3.000 Metern. Einzelne Arten wie das Grizzly-Baumkänguru (Dendrolagus inustus) kommen auch in Tieflandregenwäldern vor.
In Australien sind lediglich zwei Arten vertreten: das Bennett-Baumkänguru und das Lumholtz-Baumkänguru (Dendrolagus lumholtzi). Beide bewohnen die feuchten tropischen Regenwälder des Atherton Tablelands und angrenzender Gebirgsregionen in Queensland. Ihr Habitat umfasst dichte, von Epiphyten bewachsene Wälder mit geschlossenem Kronendach, das sowohl Nahrung als auch Schutz vor Fressfeinden bietet.
Die isolierte Verbreitung in Australien und Neuguinea lässt sich erdgeschichtlich erklären: Beide Landmassen waren während pleistozäner Kaltzeiten über eine Landbrücke verbunden, was eine Ausbreitung der Vorfahren ermöglichte.
Ernährung
Baumkängurus sind überwiegend Pflanzenfresser (Herbivore). Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Blättern verschiedener Baumarten, wobei sie sowohl junge als auch reife Blätter verzehren. Ergänzt wird der Speiseplan durch Früchte, Blüten, Farne, Rinde und gelegentlich Getreide aus angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen. Einige Arten nehmen in geringem Umfang auch tierische Kost zu sich, etwa Insekten oder Vogeleier.
Der Magen der Baumkängurus weist eine sacciforme (beutelartige) Struktur auf, die eine mikrobielle Fermentation der schwer verdaulichen Blattnahrung ermöglicht – ein Prinzip, das funktionell dem Wiederkäuermagen ähnelt, aber evolutionär unabhängig entstanden ist.
Verhalten & Lebensweise
Baumkängurus sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in Astgabeln oder auf breiten Ästen, häufig zusammengerollt und mit dem Schwanz über dem Körper. Ihre Fortbewegung in den Bäumen ist langsam und bedächtig; sie klettern mit abwechselndem Griff der Vorder- und Hinterpfoten. Bei Gefahr können sie jedoch erstaunlich schnell reagieren und aus Höhen von bis zu 18 Metern auf den Waldboden springen, ohne sich zu verletzen.
Die meisten Arten leben einzelgängerisch. Territoriale Überlappungen werden toleriert, wobei Männchen größere Reviere beanspruchen als Weibchen. Direkte Konfrontationen zwischen Männchen kommen vor allem während der Paarungszeit vor und äußern sich durch Drohgebärden, Kratzen und gelegentliche Boxkämpfe mit den Vorderpfoten. Die Kommunikation erfolgt über Lautäußerungen – leise Klicklaute und glucksende Rufe – sowie über Duftmarkierungen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Wie alle Beuteltiere bringen Baumkängurus nach einer kurzen Tragzeit von etwa 30 bis 45 Tagen ein einzelnes, wenig entwickeltes Jungtier zur Welt. Das Neugeborene wiegt nur wenige Gramm, ist nackt und blind. Es klettert selbstständig durch das Fell der Mutter in den nach vorne geöffneten Beutel und heftet sich dort an eine der vier Zitzen. Im Beutel verbringt das Jungtier etwa acht bis