Analdrüse
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Definition & Überblick
Als Analdrüsen (lat. Glandulae anales) werden sekretorische Drüsenkomplexe bezeichnet, die im Bereich des Anus oder der perianalen Region zahlreicher Wirbeltierarten lokalisiert sind. Im engeren Sinne unterscheidet man zwischen den eigentlichen Analdrüsen, die in der Schleimhaut des Analkanals (Canalis analis) eingebettet liegen, und den Analbeuteln (Sinus paranales), die als paarige Einstülpungen lateral des Anus münden und ein komplex zusammengesetztes Sekret speichern. Im allgemeinen Sprachgebrauch – insbesondere in der Kleintiermedizin – werden beide Strukturen häufig unter dem Begriff „Analdrüsen" zusammengefasst, obwohl es sich anatomisch um unterschiedliche Bildungen handelt.
Analdrüsen zählen zu den Hautanhangsdrüsen und kommen in unterschiedlicher Ausprägung bei Karnivoren, Musteliden, Viveriden, Nagetieren und weiteren Säugetierordnungen vor. Ihre Funktion reicht von der chemischen Kommunikation über die Reviermarkierung bis hin zur Abwehr von Fressfeinden.
Aufbau & Struktur
Anatomisch lassen sich im Perianalbereich mehrere Drüsenzonen unterscheiden:
- Zirkumanaale Drüsen (Glandulae circumanales): Modifizierte hepatoide Drüsen, die in der haarlosen Haut rund um den Anus liegen. Sie sind beim Hund besonders stark ausgeprägt und ähneln histologisch Leberzellen – daher die Bezeichnung „hepatoid". Diese Drüsen sind nicht-sekretorisch im klassischen Sinne, sondern talgdrüsenartig.
- Analsackdrüsen (Glandulae sinus paranalis): Apokrine Schweißdrüsen und Talgdrüsen (Glandulae sebaceae), die die Innenwand der Analbeutel (Sinus paranales) auskleiden. Ihre Sekrete sammeln sich im Lumen des Analsacks.
- Analdrüsen im engeren Sinne: Drüsen der Zona columnaris des Analkanals, die Schleim produzieren und zur Gleitfähigkeit des Kots beitragen.
Die Analbeutel beim Hund und bei der Katze sind paarig angelegte, etwa erbsen- bis haselnussgroße Hohlräume, die sich auf etwa 4 und 8 Uhr (in Bezug auf den Anus) befinden. Ihre Ausführungsgänge (Ductus sinus paranalis) münden am Anocutaneous Junction, dem Übergang zwischen Analschleimhaut und äußerer Haut. Die Wand der Analbeutel besteht aus einem mehrschichtigen Plattenepithel, das von zahlreichen apokrinen Drüsen durchsetzt ist. Die Entleerung erfolgt physiologisch durch den Druck des Musculus sphincter ani externus während der Defäkation.
Funktion
Das Sekret der Analdrüsen und Analbeutel erfüllt mehrere biologisch bedeutsame Aufgaben:
- Chemische Kommunikation: Das Sekret enthält eine komplexe Mischung aus kurzkettigen Fettsäuren, Trimethylamin, Indol, Skatol und weiteren flüchtigen Verbindungen. Dieses individuelle „Duftprofil" dient der intra- und interspezifischen Erkennung – es ist der Grund, warum sich Hunde gegenseitig am Analbereich beschnuppern.
- Reviermarkierung: Durch Aufbringen des Sekrets auf den Kot oder durch gezieltes Ausspritzen wird das Territorium markiert. Die lipophilen Komponenten sorgen für eine langanhaltende Duftnote.
- Abwehr: Bei Stinktieren (Mephitidae) und einigen Marderartigen dient das Sekret als hochwirksames Verteidigungsmittel, das Angreifer durch seinen extrem unangenehmen Geruch abschreckt.
- Gleitmittel: Die Sekretion der Analschleimhautdrüsen unterstützt die Defäkation durch Befeuchtung des Analkanals.
Die Zusammensetzung des Sekrets wird maßgeblich durch die Bakterienflora innerhalb der Analbeutel beeinflusst. Anaerobe Bakterien metabolisieren Drüsenprodukte und erzeugen dadurch das charakteristische, streng riechende Endprodukt.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Ausprägung der Analdrüsen variiert erheblich zwischen verschiedenen Taxa:
- Hund (Canis lupus familiaris): Gut entwickelte Analbeutel mit dünnflüssigem bis pastösem, grau-bräunlichem Sekret. Die zirkumanalen hepatoiden Drüsen sind androgenabhängig und bei intakten Rüden stärker ausgeprägt.
- Katze (Felis catus): Kleinere Analbeutel als beim Hund, das Sekret ist dünnflüssiger und wird bei Schreck oder Angst reflexartig entleert.
- Stinktiere (Mephitidae): Extrem hypertrophierte Analdrüsen mit großen Reservoiren und eigenständiger quergestreifter Muskulatur, die ein gezieltes Spritzen des Sekrets über Distanzen von bis zu 3–4 Metern ermöglicht. Der Hauptwirkstoff ist Butylmercaptan (Thiol-Verbindungen).
- Marderartige (Mustelidae): Ausgeprägte Analdrüsen, die sowohl der Reviermarkierung als auch der Verteidigung dienen. Beim Hermelin (Mustela erminea) und Iltis (Mustela putorius) ist das Sekret besonders übel riechend.
- Biber (Castor fiber): Verfügt über modifizierte Analdrüsen, die sogenannten Castorbeutel (Castoreum-produzierende Drüsen), deren Sekret zur Fellpflege und Reviermarkierung eingesetzt wird. Castoreum wurde histor