T Tierlexikon.net
← Lexikon

Bindegewebe

B

Anatomie & Körperbau > Körperbau – allgemein

Definition & Überblick

Das Bindegewebe (Textus connectivus) gehört zu den vier Grundgewebearten des tierischen Organismus und stellt die am weitesten verbreitete Gewebeart im Körper dar. Es bildet das strukturelle Gerüst, das Organe, Muskeln, Nerven und Gefäße miteinander verbindet, umhüllt und stützt. Im Gegensatz zu Epithel-, Muskel- und Nervengewebe zeichnet sich Bindegewebe durch einen hohen Anteil an Interzellularsubstanz (Extrazellulärmatrix) aus, die von spezialisierten Zellen – vorwiegend Fibroblasten (Fibrozyten) – produziert wird. Zum Bindegewebe im weiteren Sinne zählen neben dem Bindegewebe im engeren Sinne auch Knorpelgewebe (Textus cartilagineus), Knochengewebe (Textus osseus), Fettgewebe (Textus adiposus) und Blut als flüssiges Bindegewebe. Es entwickelt sich embryonal aus dem Mesenchym, dem embryonalen Bindegewebe mesodermalen Ursprungs.

Aufbau & Struktur

Bindegewebe besteht grundsätzlich aus drei Komponenten: Zellen, Fasern und Grundsubstanz. Das Mengenverhältnis dieser Bestandteile variiert je nach Bindegewebstyp erheblich und bestimmt dessen mechanische Eigenschaften.

Zellen des Bindegewebes:

  • Fibroblasten/Fibrozyten: Die häufigsten ortständigen Zellen. Sie synthetisieren Kollagen, Elastin und Proteoglykane. Fibroblasten bezeichnen die aktive, Fibrozyten die ruhende Zellform.
  • Mastzellen (Mastozyten): Enthalten Granula mit Histamin und Heparin; spielen eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen und der Immunabwehr.
  • Makrophagen (Histiozyten): Ortsständige Fresszellen, die aus Monozyten des Blutes hervorgehen und der Phagozytose von Fremdkörpern und Zelltrümmern dienen.
  • Adipozyten: Fettspeichernde Zellen, die im Fettgewebe dominieren.
  • Freie Zellen: Eingewanderte Lymphozyten, Plasmazellen und Granulozyten, die vorwiegend Immunfunktionen übernehmen.

Fasertypen:

  • Kollagene Fasern (Fibrae collagenosae): Zugfeste, wenig dehnbare Fasern aus Kollagen, dem mengenmäßig häufigsten Protein im Tierkörper. Es existieren über 20 verschiedene Kollagentypen, wobei Kollagen Typ I, II und III die größte Bedeutung besitzen.
  • Elastische Fasern (Fibrae elasticae): Bestehen aus Elastin und Fibrillin. Sie verleihen dem Gewebe Rückstellkraft und Dehnbarkeit, etwa in Gefäßwänden und Ligamenten.
  • Retikuläre Fasern (Fibrae reticulares): Feine, netzartig angeordnete Fasern aus Kollagen Typ III, die das Stützgerüst lymphatischer Organe und des Knochenmarks bilden.

Die Grundsubstanz (amorphe Interzellularsubstanz) füllt den Raum zwischen Zellen und Fasern. Sie besteht aus Glykosaminoglykanen (z. B. Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat), Proteoglykanen und Glykoproteinen. Ihre gelartige Konsistenz reguliert den Wasser- und Nährstofftransport sowie die Diffusion von Stoffwechselprodukten.

Nach morphologischen und funktionellen Kriterien unterscheidet man lockeres Bindegewebe (Textus connectivus laxus), straffes Bindegewebe – geflechtartig oder parallel angeordnet (Textus connectivus compactus) – sowie die Sonderformen retikuläres, gallertiges und spinozelluläres Bindegewebe.

Funktion

Die Funktionen des Bindegewebes sind außerordentlich vielfältig und lassen sich in mechanische, metabolische und immunologische Aufgaben gliedern:

  • Stütz- und Haltefunktion: Faszien, Sehnen (Tendines), Bänder (Ligamenta) und Gelenkkapseln bestehen aus straffem Bindegewebe und gewährleisten die mechanische Stabilität des Bewegungsapparates.
  • Hüllen- und Gleitfunktion: Lockeres Bindegewebe umgibt Organe, Muskeln, Nerven und Gefäße als verschiebliche Hüllschicht und ermöglicht die gegenseitige Beweglichkeit benachbarter Strukturen.
  • Speicherfunktion: Fettgewebe dient als Energie- und Wärmespeicher. Die Grundsubstanz bindet Wasser und fungiert als Elektrolytreservoir.
  • Wundheilung und Regeneration: Fibroblasten proliferieren bei Gewebeschäden und bilden Narbengewebe (Granulationsgewebe), das den Defekt verschließt.
  • Abwehr und Immunregulation: Makrophagen, Mastzellen und eingewanderte Immunzellen bilden einen wichtigen Teil des unspezifischen und spezifischen Immunsystems.
  • Stofftransport: Die Grundsubstanz vermittelt die Diffusion von Sauerstoff, Nährstoffen und Metaboliten zwischen Blutkapillaren und Parenchymzellen.

Unterschiede zwischen Tierarten

Obwohl der Grundaufbau des Bindegewebes bei allen Säugetieren, Vögeln und Reptilien prinzipiell gleich ist, existieren erhebliche tierartliche Unterschiede in Menge, Verteilung und mechanischen Eigenschaften.

Beim Pferd ist das Bindegewebe der distalen Gliedmaße besonders dicht und straff ausgebildet. Die Faszien und das Fesseltrageapparat-System weisen einen hohen Anteil elastischer Fasern auf, was die Federung beim Galoppieren ermöglicht. Subkutanes Fettgewebe ist beim Pferd vergleichsweise spärlich vorhanden.

Beim Rind zeigt sich eine auffällig dicke, kollagen