Drüse
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Definition & Überblick
Eine Drüse (lat. Glandula, Pl. Glandulae) ist ein aus spezialisierten Epithelzellen aufgebautes Organ oder Gewebe, dessen Hauptaufgabe in der Synthese und Abgabe spezifischer Sekrete besteht. Drüsen gehören zu den funktionell vielseitigsten Strukturen im tierischen Organismus: Sie regulieren den Stoffwechsel, schützen Schleimhäute, ermöglichen die Verdauung, steuern die Fortpflanzung und tragen zur Thermoregulation bei. Grundsätzlich unterscheidet man exokrine Drüsen (Glandulae exocrinae), die ihr Sekret über einen Ausführungsgang an innere oder äußere Körperoberflächen abgeben, von endokrinen Drüsen (Glandulae endocrinae), die Hormone direkt in die Blutbahn sezernieren. Eine Sonderstellung nehmen gemischte Drüsen ein, die sowohl exokrine als auch endokrine Anteile besitzen – das klassische Beispiel ist das Pankreas (Bauchspeicheldrüse).
Aufbau & Struktur
Der histologische Grundbauplan aller Drüsen umfasst ein Parenchym (funktionelles Drüsengewebe) und ein Stroma (bindegewebiges Stützgerüst). Das Parenchym besteht aus den sekretorischen Endstücken, die je nach Form als tubulös (schlauchförmig), azinös (beerenförmig) oder alveolär (bläschenförmig) klassifiziert werden. Mischformen wie tubuloazinöse oder tubuloalveoläre Drüsen kommen häufig vor, etwa in den großen Speicheldrüsen (Glandula parotis, Glandula mandibularis, Glandula sublingualis).
Exokrine Drüsen besitzen ein Gangsystem (Ductus), das aus Schalt- und Streifenstücken sowie zunehmend größeren Ausführungsgängen aufgebaut ist. Einzellige Drüsen wie die Becherzellen (Cellulae caliciformes) im Darmepithel stellen die einfachste Organisationsform dar. Vielzellige Drüsen werden nach dem Verzweigungsgrad ihres Gangsystems in einfache (unverzweigte) und zusammengesetzte (verzweigte) Drüsen unterteilt.
Der Sekretionsmechanismus bestimmt maßgeblich die Drüsenmorphologie:
- Merokrin (ekkrin): Sekretabgabe durch Exozytose ohne Zellsubstanzverlust – typisch für die meisten Schweißdrüsen und das exokrine Pankreas.
- Apokrin: Abschnürung apikaler Zellteile mitsamt dem Sekret – charakteristisch für bestimmte Schweißdrüsen und die laktierende Milchdrüse (Glandula mammaria).
- Holokrin: Vollständiger Zerfall der Drüsenzelle zur Sekretfreisetzung – klassisches Beispiel sind die Talgdrüsen (Glandulae sebaceae).
Endokrine Drüsen wie Schilddrüse (Glandula thyroidea), Nebenniere (Glandula suprarenalis) und Hypophyse (Glandula pituitaria) besitzen kein Gangsystem, sondern sind von einem dichten Kapillarnetz durchzogen, das die rasche Hormonabgabe in den Blutkreislauf ermöglicht.
Funktion
Die funktionelle Bandbreite der Drüsen ist enorm. Exokrine Drüsen der Verdauungsorgane – darunter Speicheldrüsen, Magendrüsen (Glandulae gastricae), Brunner-Drüsen (Glandulae duodenales) und Lieberkühn-Krypten (Glandulae intestinales) – produzieren Enzyme, Salzsäure, Schleim und Bikarbonat. Die Leber (Hepar), die größte Drüse des Körpers, synthetisiert Galle und erfüllt gleichzeitig zentrale Stoffwechselfunktionen.
Endokrine Drüsen steuern über Hormone nahezu alle physiologischen Prozesse: Die Schilddrüse reguliert den Grundumsatz, die Nebennieren kontrollieren Stressantwort und Elektrolythaushalt, und die Gonaden (Ovarien, Hoden) steuern Fortpflanzung und Sexualverhalten. Die Hypophyse als übergeordnete Steuerdrüse koordiniert das gesamte endokrine System über die hypothalamisch-hypophysäre Achse.
Hautdrüsen übernehmen Schutz- und Kommunikationsfunktionen. Talgdrüsen fetten Haut und Haare ein, Schweißdrüsen tragen zur Thermoregulation bei, und spezialisierte Duftdrüsen dienen der intraspezifischen Kommunikation.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die vergleichende Anatomie der Drüsen offenbart erhebliche Speziesunterschiede. Beim Pferd überwiegt in der Glandula parotis das seröse Drüsengewebe, das ein dünnflüssiges, enzymreiches Sekret für die Vorverdauung großer Raufuttermengen liefert. Wiederkäuer besitzen besonders voluminöse Speicheldrüsen, die täglich bis zu 150 Liter Speichel produzieren – unverzichtbar als Puffer für das saure Pansenmilieu.
Die Milchdrüse zeigt artspezifische Ausprägungen: Beim Rind als Euter mit vier Vierteln und Zitzen ausgebildet, bei der Hündin als thorakoabdominale Milchleiste mit in der Regel fünf Komplexen pro Seite, beim Schwein als Gesäuge mit sechs bis acht Zitzenpaaren.
Die Bürzeldrüse (Glandula uropygialis) beim Geflügel ist eine hochspezialisierte holokrine Talgdrüse am Schwanzansatz, deren fetthaltiges Sekret zur Gefiederpflege und Wasserabweisung dient. Hunde besitzen Analdrüsen