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Anolis

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Tierart – Reptilien > Echsen – Agamen & Leguane

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Anolis (Gattung); Typusart: Anolis carolinensis (Rotkehlanolis)
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Leguanartige (Iguania)
  • Familie: Dactyloidae (früher den Polychrotidae oder Iguanidae zugeordnet)
  • Gattung: Anolis – mit über 400 beschriebenen Arten die artenreichste Gattung unter den Amnioten
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Buschland, Gärten, urbane Gebiete in der Neotropis
  • Größe: 12–22 cm Gesamtlänge (je nach Art); einige Arten unter 10 cm, wenige über 50 cm
  • Gewicht: 2–15 g (bei kleineren Arten); bis zu 100 g bei großen Vertretern wie Anolis equestris
  • Lebenserwartung: 3–8 Jahre (artabhängig; in Gefangenschaft teils länger)

Aussehen & Merkmale

Anolis-Echsen besitzen einen schlanken, seitlich leicht abgeflachten Körper mit einem vergleichsweise großen Kopf und langen, dünnen Gliedmaßen. Der Schwanz macht bei den meisten Arten etwa zwei Drittel der Gesamtlänge aus und kann bei Bedrohung abgeworfen werden (Autotomie), wächst allerdings nur unvollständig nach. Die Haut ist mit feinen, gleichmäßig angeordneten Schuppen bedeckt. Viele Arten besitzen Haftlamellen an den Zehenunterseiten – verbreiterte Schuppenstrukturen, die durch mikroskopisch feine Rillen eine hohe Adhäsion auf glatten Oberflächen ermöglichen.

Das auffälligste Merkmal der Gattung ist der sogenannte Kehlsack (Dewlap), eine dehnbare Hautfalte an der Kehle, die vor allem von Männchen aufgestellt wird. Dieser Dewlap ist je nach Art unterschiedlich gefärbt – von leuchtend rot über orange und gelb bis hin zu blau oder weiß – und dient als Signalstruktur in der innerartlichen Kommunikation. Die Grundfärbung des Körpers variiert stark: Viele Arten zeigen Grün-, Braun- oder Grautöne. Einige Vertreter, insbesondere Anolis carolinensis, können ihre Körperfarbe aktiv verändern, weshalb sie im englischen Sprachraum gelegentlich als „American Chameleon" bezeichnet werden – obwohl sie taxonomisch nicht mit den echten Chamäleons verwandt sind.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Anolis erstreckt sich von den südöstlichen USA über Mexiko und Mittelamerika bis nach Südamerika, einschließlich Teilen Brasiliens und Boliviens. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt auf den Karibischen Inseln, wo eine außergewöhnlich hohe Artendiversität zu beobachten ist. Allein auf den Großen Antillen – Kuba, Hispaniola, Jamaika und Puerto Rico – kommen jeweils Dutzende endemischer Arten vor.

Anolis besiedeln eine Vielzahl von Habitaten: tropische Regenwälder, montane Nebelwälder, trockenes Buschland, Mangroven und anthropogen geprägte Biotope wie Parks und Hausgärten. Die einzelnen Arten nutzen dabei unterschiedliche ökologische Nischen innerhalb desselben Lebensraums. Dieses Phänomen wurde von dem Ökologen Jonathan Losos und Kollegen als „Ökomorphen-System" beschrieben: Auf verschiedenen Karibikinseln haben sich unabhängig voneinander Arten mit ähnlicher Körperform und Habitatpräferenz entwickelt – etwa kronenbewohnende, stammbewohnende oder bodenbewohnende Typen. Diese konvergente Evolution gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele adaptiver Radiation bei Wirbeltieren.

Ernährung

Anolis sind überwiegend insektivor. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Wirbellosen wie Fliegen, Ameisen, Käfern, Spinnen, Motten und deren Larven. Die Beute wird visuell geortet und durch einen schnellen Vorstoß erbeutet. Größere Arten wie der Ritteranolis (Anolis equestris) fressen gelegentlich auch kleinere Echsen, Frösche oder weiche Früchte. Einige Arten lecken darüber hinaus Nektar oder reife Beeren, was sie zu Omnivoren im weiteren Sinne macht. In Gefangenschaft werden Anolis meist mit Grillen, Heimchen und Fruchtfliegen gefüttert, ergänzt durch Vitamin- und Kalziumpräparate.

Verhalten & Lebensweise

Die meisten Anolis-Arten sind tagaktiv und verbringen einen Großteil des Tages mit Sonnenbaden, Nahrungssuche und Revierverteidigung. Männchen besetzen feste Territorien, die sie durch charakteristische Verhaltensweisen markieren: Sie spreizen den farbigen Kehlsack und führen rhythmische Kopfnickbewegungen (sogenannte Push-ups) aus, um Rivalen abzuschrecken und Weibchen anzulocken. Diese Displaymuster sind artspezifisch und ermöglichen selbst sympatrisch vorkommenden Arten eine sichere gegenseitige Erkennung.

Anolis sind geschickte Kletterer. Je nach Ökomorph halten sie sich bevorzugt auf Baumstämmen, in der Kronenregion, auf dünnen Zweigen oder am Boden auf. Ihre Haftlamellen erlauben ihnen, selbst glatte Blattoberflächen und Glasscheiben zu erklimmen. Bei Gefahr flüchten sie rasch in höhere Vegetation oder verbergen sich auf der abgewandten Seite eines Astes. Einige Arten, etwa Anolis aquaticus, tauchen ins Wasser ab und können dort unter Zuhilfenahme einer an der Schnauze haftenden Luftblase für mehrere Minuten unter Wasser atmen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung beginnt mit der Balz des Männchens, das durch Kehlsackdisplay und Kopfnicken um ein Weibchen wirbt. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen in der Regel einzelne Eier in regelmäßigen Abständen von ein bis zwei Wochen ab – ein Muster, das als „Einzeleiablage" oder „single-egg