Hardun
HTierart – Reptilien > Echsen – Agamen & Leguane
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Laudakia stellio (Synonym: Stellagama stellio)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Echsen (Lacertilia)
- Familie: Agamen (Agamidae)
- Gattung: Laudakia bzw. Stellagama
- Lebensraum: Felsige Trockengebiete, Mauern, Ruinen, lichte Wälder im östlichen Mittelmeerraum
- Größe: 25–35 cm Gesamtlänge (Kopf-Rumpf-Länge ca. 12–15 cm)
- Gewicht: 40–80 g
- Lebenserwartung: ca. 8–12 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Hardun ist eine kräftig gebaute Agame mit abgeflachtem Körper und einem breiten, dreieckigen Kopf. Die Grundfärbung variiert je nach Unterart und Herkunftsgebiet von graubraun über olivgrün bis hin zu fast schwarzen Tönen. Über Rücken und Flanken ziehen sich unregelmäßige helle und dunkle Flecken oder rautenförmige Muster, die eine gute Tarnung auf Felsuntergrund bieten.
Charakteristisch sind die stark gekielten, stacheligen Schuppen, die vor allem an Kopf, Nacken, Rücken und Schwanz deutlich hervortreten und dem Tier ein wehrhaftes Erscheinungsbild verleihen. Der Schwanz ist lang, leicht abgeflacht und macht etwa zwei Drittel der Gesamtlänge aus. Anders als bei vielen anderen Echsen kann der Hardun seinen Schwanz nicht abwerfen (Autotomie fehlt weitgehend). Die Zehen tragen scharfe Krallen, mit denen sich das Tier mühelos an senkrechten Fels- und Mauerflächen festhalten kann.
Männchen sind in der Regel etwas größer als Weibchen und zeigen zur Paarungszeit eine intensivere Färbung, insbesondere an der Kehle, die dann kräftig blau, orange oder gelb erscheinen kann. Ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus zeigt sich zudem in den breiteren Köpfen und den stärker ausgebildeten Femoralporen der Männchen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Harduns erstreckt sich über den östlichen Mittelmeerraum. Die Art kommt in Griechenland (einschließlich zahlreicher Ägäis-Inseln), der Türkei, Zypern, Syrien, dem Libanon, Israel, Jordanien und Teilen Ägyptens vor. Eingeschleppte Populationen existieren zudem auf einigen griechischen Inseln sowie auf Korfu, wo sie sich seit dem 20. Jahrhundert etabliert haben.
Als Habitat bevorzugt der Hardun trockene, felsige Biotope mit ausreichend Spalten und Versteckmöglichkeiten. Typische Lebensräume sind Felswände, Steinmauern, antike Ruinen, Olivenhaine und trockene Macchia-Landschaften. In menschlichen Siedlungen besiedelt die Art bereitwillig Hauswände, Zäune und Gartenmauern – eine Eigenschaft, die ihm den Ruf eines Kulturfolgers eingetragen hat. Der Hardun bewohnt Höhenlagen vom Meeresniveau bis auf über 1.500 Meter.
Ernährung
Der Hardun ist ein Allesfresser (Omnivore) mit einer Präferenz für tierische Kost. Den Hauptanteil seiner Nahrung bilden Insekten wie Käfer, Heuschrecken, Ameisen, Fliegen und deren Larven. Daneben erbeutet er Spinnen, kleine Schnecken und gelegentlich auch kleinere Eidechsen oder Geckos. Ergänzend frisst der Hardun Blüten, Blätter, weiche Früchte und Beeren, wobei der pflanzliche Anteil je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot schwankt. Jungtiere ernähren sich fast ausschließlich von kleinen Arthropoden.
Die Jagd erfolgt überwiegend als Lauerjäger: Der Hardun verharrt auf einem erhöhten Sonnenplatz und stürzt sich bei Sichtkontakt mit schnellen Sprints auf vorbeiwandernde Beutetiere.
Verhalten & Lebensweise
Der Hardun ist tagaktiv und stark an Sonneneinstrahlung gebunden. Morgens sucht er exponierte Stellen zum Aufwärmen auf, wobei er sich durch Abflachen des Körpers vergrößert, um möglichst viel Wärmestrahlung aufzunehmen – ein typisches Thermoregulationsverhalten ektothermer Reptilien. Bei Überhitzung zieht er sich in Felsspalten oder schattige Bereiche zurück.
Männchen sind ausgeprägt territorial und verteidigen ihr Revier energisch gegen Rivalen. Typische Drohgebärden umfassen rhythmisches Kopfnicken (sogenanntes „Head-Bobbing"), seitliches Abflachen des Körpers zur optischen Vergrößerung und das Aufreißen des Mauls, wobei die kontrastreich gefärbte Maulschleimhaut sichtbar wird. Kommt es zum Kampf, beißen sich die Männchen gegenseitig in Kopf und Nacken. Weibchen werden in der Regel innerhalb des Männchenreviers geduldet.
In den kühleren Wintermonaten hält der Hardun eine Winterruhe, die je nach Region von November bis Februar oder März andauern kann. In dieser Phase zieht er sich in tiefe Felsspalten oder unterirdische Hohlräume zurück und reduziert seinen Stoffwechsel erheblich.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe, meist im April oder Mai. Die Balz des Männchens umfasst intensives Kopfnicken, Körperaufrichtung und das Zeigen der leuchtend gefärbten Kehle. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen etwa sechs bis zehn Wochen später ein Gelege von 5 bis 16 Eiern in eine selbst gegrabene Mulde in lockerem, sandigem Substrat oder zwischen Steine ab. Pro Saison sind ein bis zwei Gelege möglich.
Die Inkubationszeit beträgt je nach Umgebungstemperatur 50 bis 80 Tage. Die Schlüpflinge messen etwa 7–9 cm Gesamtlänge und sind sofort selbstständ