Antenne
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Definition & Überblick
Als Antennen (Singular: Antenna; lateinisch auch Antennae) bezeichnet man die gegliederten, paarig angelegten Kopfanhänge bei Gliederfüßern (Arthropoda), die primär als Sinnesorgane dienen. Sie gehören zu den charakteristischsten Strukturen des Arthropodenkopfes und sind morphologisch als umgewandelte Extremitäten der vorderen Kopfsegmente zu verstehen. Antennen treten bei Insekten (Insecta), Krebstieren (Crustacea), Tausendfüßern (Myriapoda) und Hundertfüßern (Chilopoda) auf, fehlen jedoch bei Spinnentieren (Arachnida), die stattdessen über Pedipalpen verfügen.
In der vergleichenden Anatomie nehmen die Antennen eine Sonderstellung ein, da sie eine außerordentliche Formenvielfalt aufweisen und in ihrer Gestalt eng an die jeweilige Lebensweise der Tierart angepasst sind. Funktionell vereinen sie mehrere Sinnesmodalitäten – von der Chemorezeption über die Mechanorezeption bis hin zur Thermorezeption – in einem einzigen Organ.
Aufbau & Struktur
Der Grundbauplan einer Insektenantenne gliedert sich in drei morphologisch klar abgrenzbare Abschnitte:
- Scapus (Basalglied): Das erste und meist kräftigste Glied, das direkt in der Antennengrube (Torulus) des Kopfes eingelenkt ist. Der Scapus wird über den sogenannten Antennenmuskelapparat bewegt und artikuliert mit der Kopfkapsel über eine Gelenkpfanne (Antennifer).
- Pedicellus (Wendeglied): Das zweite Glied, das über ein Gelenk mit dem Scapus verbunden ist. Im Pedicellus befindet sich bei vielen Insekten das Johnstonsche Organ, ein hochempfindliches Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Vibrationen, Luftströmungen und bei einigen Arten auch Schall.
- Flagellum (Geißel): Der distale, oft vielgliedrige Abschnitt, der je nach Art aus wenigen bis zu über hundert Gliedern (Flagellomere) bestehen kann. Das Flagellum trägt die Mehrzahl der sensorischen Strukturen und ist im Gegensatz zu Scapus und Pedicellus in der Regel nicht eigenständig bemuskelt – seine Bewegung erfolgt passiv durch die Muskulatur der Basisglieder.
Die Oberfläche der Antennen ist dicht mit verschiedenen Typen von Sensillen besetzt. Zu den wichtigsten gehören Sensilla trichodea (Haarsensilien zur Chemorezeption), Sensilla basiconica (zapfenförmige Sensilien), Sensilla placodea (Plattensensilien bei Hymenopteren) und Sensilla coeloconica (Grubensensilien zur Hygroreception und Thermorezeption). Die Gesamtzahl der Sensillen kann bei einzelnen Arten mehrere Hunderttausend betragen.
Funktion
Die Antenne ist das zentrale multimodale Sinnesorgan der Arthropoden. Ihre wichtigsten Funktionen umfassen:
- Chemorezeption: Die Wahrnehmung chemischer Substanzen – sowohl als Geruchssinn (Olfaktion, Ferndetektion flüchtiger Moleküle) als auch als Geschmackssinn (Kontaktchemorezeption). Pheromone, Nahrungsgerüche und Alarmstoffe werden über Antennen detektiert.
- Mechanorezeption: Die Erfassung mechanischer Reize wie Berührung, Luftbewegung, Vibration und bei wasserlebenden Arten Strömungen. Das Johnstonsche Organ im Pedicellus dient vielen Dipteren zur Wahrnehmung von Schallwellen.
- Thermorezeption und Hygroreception: Spezialisierte Sensillen registrieren Temperaturunterschiede und Luftfeuchtigkeit, was unter anderem bei der Wahl von Eiablageplätzen eine wesentliche Rolle spielt.
- Kommunikation: Bei sozialen Insekten wie Ameisen (Formicidae) und Honigbienen (Apis mellifera) dienen Antennen als taktiles Kommunikationsinstrument bei der Trophallaxie und beim Schwänzeltanz.
Die nervale Versorgung erfolgt über den Nervus antennalis, der die sensorischen Informationen zum Deutocerebrum – dem mittleren Abschnitt des Oberschlundganglions – leitet, wo die primäre Verarbeitung olfaktorischer Reize in den Glomeruli der Antennalloben stattfindet.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die morphologische Vielfalt der Antennen ist enorm und bildet ein wichtiges taxonomisches Merkmal:
- Insecta: Insekten besitzen stets ein Paar Antennen (Erstantennen, Antennae I). Die Formenvielfalt reicht von fadenförmig (filiform, z. B. Schaben), borstenförmig (setiform, z. B. Libellen), keulenförmig (clavat, z. B. Tagfalter), gesägt (serrat, z. B. Schnellkäfer), gekämmt (pectinat, z. B. männliche Nachtfalter) bis hin zu gekniet (geniculat, z. B. Ameisen und Rüsselkäfer).
- Crustacea: Krebstiere sind die einzige Arthropodengruppe mit zwei Antennenpaaren – den Antennulae (Erstantennen, innerviert vom Deutocerebrum) und den eigentlichen Antennen (Zweitantennen, innerviert vom Tritocerebrum). Die Zweitantennen können bei manchen Arten zu Schwimmorganen oder Greifwerkzeugen umgebildet sein.
- Myriapoda: Tausendfüßer und Hundertfüßer besitzen ein Paar einfacher, meist fadenförmiger Antennen. Bei Hundertfüßern (Chilopoda) sind sie besonders lang und dienen der Orientierung bei der räuberischen Lebensweise.