Fang
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Definition & Überblick
Der Begriff Fang bezeichnet in der veterinäranatomischen und jagdlichen Fachsprache die Maulpartie bei Raubtieren, insbesondere bei Hunden (Canis lupus familiaris) und hundeartigen Wildtieren. Im engeren Sinne umfasst der Fang die gesamte Schnauzenregion einschließlich Ober- und Unterkiefer (Maxilla und Mandibula), der Lefzen (Labia oris), der Maulhöhle (Cavum oris), der Zähne (Dentes) und der Zunge (Lingua). Im weiteren Sinne wird der Ausdruck auch auf die Fangzähne (Dentes canini) allein bezogen, jene kräftigen Eckzähne, die für das Ergreifen und Festhalten von Beute charakteristisch sind. In der Jägersprache wird „Fang" darüber hinaus als Synonym für das gesamte Maul von Haarraubwild wie Fuchs, Wolf, Dachs oder Marder verwendet.
Vom allgemeinsprachlichen Begriff „Maul" oder „Schnauze" unterscheidet sich der Fachausdruck durch seine enge Bindung an die karnivore Funktion: Der Fang ist morphologisch auf das Zupacken, Halten und Zerkleinern von Nahrung tierischen Ursprungs ausgerichtet. Er stellt damit eine funktionelle Einheit dar, deren Einzelkomponenten in ihrer Gesamtheit betrachtet werden müssen.
Aufbau & Struktur
Der knöcherne Rahmen des Fangs wird durch den Oberkiefer (Maxilla, Os incisivum) und den Unterkiefer (Mandibula) gebildet. Beide Kieferknochen tragen die Zahnfächer (Alveoli dentales), in denen die Zähne über den Zahnhalteapparat (Periodontium) verankert sind. Das Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis) ermöglicht beim Karnivoren vorwiegend eine Scharnierbewegung (Öffnen und Schließen), während seitliche Mahlbewegungen – anders als bei Herbivoren – kaum möglich sind. Diese Konstruktion begünstigt eine enorme Schließkraft, die sogenannte Beißkraft.
Die Bezahnung des Fangs folgt bei Karnivoren einem typischen Muster:
- Schneidezähne (Dentes incisivi) – klein und meißelförmig, dienen dem Abknabbern und der Fellpflege
- Fangzähne / Eckzähne (Dentes canini) – lang, konisch, leicht gebogen; dienen dem Zupacken, Festhalten und Töten der Beute
- Prämolaren (Dentes praemolares) – scharfkantig, zum Zerteilen von Fleisch und Sehnen
- Reißzähne (Dens sectorius; P4 im Oberkiefer, M1 im Unterkiefer) – die funktionell wichtigsten Zähne des Karnivoren; sie wirken scherenförmig gegeneinander und zerschneiden Gewebe
- Molaren (Dentes molares) – bei spezialisierten Fleischfressern reduziert, bei omnivoren Karnivoren stärker ausgeprägt
Die Lefzen (Labia oris) bilden den äußeren Weichteilabschluss des Fangs. Ihre Ausprägung variiert rassebedingt erheblich – von straff anliegend beim Deutschen Schäferhund bis stark herabhängend beim Bloodhound. Die Lefzenspalte (Rima oris) bestimmt die maximale Maulöffnung. Innerhalb der Maulhöhle befinden sich die Zunge als muskulöses Organ, die Speicheldrüsen (Glandulae salivales) – darunter Glandula parotis, Glandula mandibularis und Glandula sublingualis – sowie der harte und weiche Gaumen (Palatum durum und Palatum molle).
Die Kaumuskulatur umfasst vor allem den Musculus masseter, den Musculus temporalis und den Musculus pterygoideus medialis, die zusammen eine je nach Rasse und Art unterschiedliche Beißkraft von mehreren hundert Newton erzeugen können.
Funktion
Der Fang erfüllt bei Karnivoren eine Vielzahl lebenswichtiger Funktionen. An erster Stelle steht die Nahrungsaufnahme: Das Ergreifen, Festhalten, Töten und mechanische Zerkleinern der Beute erfolgt ausschließlich über den Fang. Die scherenförmig arbeitenden Reißzähne (Brechschere) sind dabei das zentrale funktionelle Element.
Darüber hinaus dient der Fang als Greiforgan und Werkzeug. Hunde tragen Gegenstände, graben, zerreißen Material und transportieren ihre Welpen mit dem Fang. Auch bei der sozialen Kommunikation spielt er eine zentrale Rolle: Das Zeigen der Fangzähne, das Lefzenanheben und das Maulaufreißen sind differenzierte Ausdrucksmittel im innerartlichen Sozialverhalten.
Über die reich innervierte Maulschleimhaut und die Zunge erfolgt zudem eine taktile und gustatorische Sinneswahrnehmung. Die Thermoregulation wird beim Hund durch Hecheln unterstützt, wobei Verdunstungskühle über die Maulschleimhaut und Zunge abgegeben wird.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Morphologie des Fangs variiert erheblich innerhalb der Ordnung der Raubtiere (Carnivora). Beim Wolf (Canis lupus) ist der Fang lang und kräftig gebaut, mit einer Beißkraft von bis zu 400 PSI, optimiert für die Jagd auf Großwild. Beim Haushund reicht die Variation von extrem brachyzephalen (kurzköpfigen) Rassen wie Mops und Bulldogge bis hin zu dolichozephalen (langköpfigen) Rassen wie dem Barsoi, was erhebliche funktionelle Unterschiede mit sich bringt.
Beim Fuchs (