Bart
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Definition & Überblick
Als Bart (auch Bartfedern, Barthaare oder Bartzotten, je nach Tierart) werden bei verschiedenen Wirbeltiergruppen auffällige, am Kopf – insbesondere im Bereich von Kinn, Kehle und Unterkiefer – lokalisierte Hautanhangsgebilde bezeichnet. Der Begriff ist in der vergleichenden Veterinäranatomie kein einheitlich definierter Terminus, sondern beschreibt funktionell und morphologisch unterschiedliche Strukturen, die artspezifisch aus Haaren (Pili), Federn (Pennae) oder Hautlappen (Paleae, Carunculae) bestehen können. Vom Bart zu unterscheiden sind die echten Tasthaare (Vibrissae, Sinushaare), die eine eigenständige anatomische und funktionelle Kategorie darstellen, auch wenn sie umgangssprachlich häufig als „Bart" bezeichnet werden.
Je nach Tierart übernimmt der Bart Funktionen im Bereich der intraspezifischen Kommunikation, des Sexualdimorphismus, der Thermoregulation oder der mechanischen Sensorik. Besonders ausgeprägte Bartstrukturen finden sich bei Ziegenartigen (Caprinae), bei Truthühnern (Meleagris gallopavo), bei bestimmten Hühnerrassen und bei einigen Primatenspezies.
Aufbau & Struktur
Der morphologische Aufbau des Bartes variiert erheblich zwischen den Wirbeltierklassen:
- Bei Säugetieren (Mammalia): Der Bart besteht aus verlängerten Deckhaaren (Pili primarii), die im Bereich des Kinns (Mentum), der Kehle (Regio intermandibularis) und gelegentlich der Wangen (Regio buccalis) entspringen. Jedes Haar ist in einem Haarfollikel (Folliculus pili) verankert, der von einer bindegewebigen Wurzelscheide (Vagina radicularis) umgeben ist. Im Gegensatz zu Vibrissae fehlt den Barthaaren der typische Blutsinus (Sinus venosus). Die Talgdrüsen (Glandulae sebaceae) und Haarbalgmuskeln (Musculi arrectores pilorum) sind jedoch regulär ausgebildet. Bei männlichen Ziegen erreichen die Barthaare Längen von über 20 cm, wobei das Haarwachstum androgenabhängig ist und durch Testosteron stimuliert wird.
- Bei Vögeln (Aves): Der Bart kann aus modifizierten Konturfedern (Pennae contourae) bestehen, die am Unterkiefer verlängert und oft nach ventral gerichtet sind, oder – wie beim Truthahn – aus einem fadenförmigen Hautanhang aus keratinisiertem Gewebe (sogenannter Brustbart oder beard), der an der Brusthaut ansetzt. Dieser Hautanhang besteht aus borstenartigen, modifizierten Federfollikeln ohne typische Federverzweigung und wächst lebenslang.
- Bei Fischen (Pisces): Als „Barteln" (Barbae, Cirri) bezeichnete Strukturen am Maul bestimmter Fischarten (z. B. Karpfenartige, Cyprinidae; Welse, Siluridae) sind keine Haare, sondern Hautausstülpungen des Integuments, die reich an Geschmacksknospen (Caliculi gustatorii) und freien Nervenendungen innerviert sind.
Funktion
Die funktionelle Bedeutung des Bartes ist vielschichtig und artabhängig:
- Sexualselektion und Imponierverhalten: Bei vielen Arten ist der Bart ein sekundäres Geschlechtsmerkmal. Bei der Hausziege (Capra aegagrus hircus) tragen vorwiegend Böcke einen ausgeprägten Kinnbart, der als visuelles Signal im Rahmen der Partnerwahl und der Rangordnung innerhalb der Herde dient. Gleiches gilt für den Brustbart des Truthahns, dessen Länge mit dem Reproduktionserfolg korreliert.
- Thermoregulation: Bei Bergziegenarten und dem Alpensteinbock (Capra ibex) bietet die dichte Kinnbehaarung zusätzlichen Schutz gegen Kälte und Wind im Bereich der ventral exponierten Kehlregion.
- Sensorische Funktion: Bei Fischen dienen die Barteln der Chemorezeption und Mechanorezeption. Sie ermöglichen das Aufspüren von Nahrung in trübem Wasser oder am Gewässergrund und stellen damit ein hochspezialisiertes Sinnesorgan dar.
- Tarnfunktion: Einige Vogelarten (z. B. der Bartgeier, Gypaetus barbatus) tragen borstige Federn am Schnabelgrund, die möglicherweise UV-Licht reflektieren und im sozialen Kontext eine Signalfunktion übernehmen.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die vergleichende Betrachtung zeigt die enorme morphologische Bandbreite bartähnlicher Strukturen. Bei Ziegen handelt es sich um echte Haare mit typischer Keratinstruktur (α-Keratin), beim Truthahn um modifizierte Federfollikel (β-Keratin), bei Welsen um drüsenreiche Hautausstülpungen mit nervaler Innervation. Der Sexualdimorphismus ist besonders bei Caprinae und Meleagrididae ausgeprägt: Weibliche Tiere zeigen den Bart entweder gar nicht oder nur rudimentär. Bei bestimmten Hühnerrassen wie dem Antwerpener Bartzwerg oder dem Faverolles tragen hingegen beide Geschlechter einen ausgeprägten Bart aus seitlich abstehenden Konturfedern, der im Bereich der Ohrregion und Kehle lokalisiert ist.
Beim Bartaffen (Mandrillus sphinx) und verschiedenen Tamarin-Arten (Callitrichidae) ist die verlängerte Gesichtsbehaarung in die soziale Kommunikation eingebunden und dient der individuellen Erkennung innerhalb der Gruppe.
Besonderheiten
Der Bart des Bartgeiers verdient besondere Erwähnung: Die namensgebenden borstenartigen Federn (Setae) am