Bergeidechse
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Zootoca vivipara
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Familie: Echte Eidechsen (Lacertidae)
- Gattung: Zootoca
- Lebensraum: Moore, Heiden, Waldränder, alpine Matten – von der Ebene bis über 3.000 m Höhe
- Größe: 12–18 cm Gesamtlänge (Kopf-Rumpf-Länge ca. 5–7 cm)
- Gewicht: 3–8 g
- Lebenserwartung: 5–10 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Bergeidechse ist eine vergleichsweise kleine, zierlich gebaute Eidechse mit kurzem Kopf und relativ kurzen Beinen. Ihre Grundfärbung variiert stark je nach Population und Geschlecht: Oberseits zeigen sich Braun-, Grau- oder Olivtöne, die von einem dunklen Vertebralstreifen entlang der Rückenmitte durchzogen werden. Seitlich verläuft je ein breites, dunkles Band, das von helleren Längsstreifen begrenzt wird. Die Bauchseite der Männchen ist im Frühjahr leuchtend orange bis gelblich gefärbt und häufig schwarz gefleckt, während die Weibchen eine blassere, gelblich-weiße Unterseite aufweisen.
Die Schuppen sind glatt bis leicht gekielt und in regelmäßigen Längsreihen angeordnet. Der Schwanz macht etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Gesamtlänge aus und kann bei Bedrohung durch Autotomie abgeworfen werden. Regenerierte Schwänze sind kürzer, gleichmäßig gefärbt und mit knorpeligem Ersatzgewebe statt Wirbeln versehen. Im Vergleich zur Waldeidechse – unter diesem Namen wird die Art in der älteren Literatur ebenfalls geführt – oder zur Zauneidechse (Lacerta agilis) wirkt die Bergeidechse insgesamt schlanker und weniger kräftig.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Bergeidechse ist das größte aller Reptilienarten. Es erstreckt sich von Irland und der Iberischen Halbinsel quer durch Europa und Nordasien bis nach Sachalin und Japan. In Europa kommt sie vom Tiefland Skandinaviens bis in die Hochgebirge der Alpen, Pyrenäen und Karpaten vor. In den Alpen besiedelt sie Habitate bis über 3.000 m Höhe und zählt damit zu den am höchsten vorkommenden Reptilien Europas.
Typische Biotope sind feuchte bis mäßig feuchte Lebensräume: Hochmoore, Niedermoore, Feuchtwiesen, Heiden, Waldlichtungen, Kahlschläge und subalpine Zwergstrauchheiden. Anders als die wärmeliebende Zauneidechse bevorzugt die Bergeidechse kühlere, niederschlagsreichere Gebiete. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein dichter Bodenvegetation als Deckung, besonnter Flächen zum Thermoregulieren und einer ausreichend hohen Bodenfeuchtigkeit.
Ernährung
Bergeidechsen ernähren sich ausschließlich von kleinen Wirbellosen. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Spinnen, Fliegen, Blattläuse, kleine Käfer, Heuschrecken, Zikaden und Raupen. Die Beute wird visuell geortet und in einem schnellen Vorstoß erbeutet. Da die Bergeidechse kühle Habitate besiedelt, in denen Insekten weniger zahlreich sind, nutzt sie ein breites Nahrungsspektrum und ist wenig spezialisiert. Die Jagd erfolgt tagaktiv, überwiegend in den Vormittags- und frühen Nachmittagsstunden, wenn die Körpertemperatur durch vorheriges Sonnen eine ausreichende Höhe erreicht hat.
Verhalten & Lebensweise
Bergeidechsen sind tagaktive Reptilien, die ihren Tagesrhythmus stark an die Sonneneinstrahlung koppeln. Am Morgen suchen sie exponierte Stellen – flache Steine, Totholz oder niedrige Vegetation – zum Aufwärmen auf. Erst nach Erreichen einer Körpertemperatur von etwa 30 °C beginnen sie mit der aktiven Nahrungssuche. An kühlen oder bewölkten Tagen kann die Aktivitätsphase stark verkürzt sein.
Die Tiere sind einzelgängerisch und verteidigen keine festen Reviere im engeren Sinn, zeigen aber eine hohe Ortstreue. Ihre Aktionsräume sind mit wenigen Quadratmetern relativ klein. Bei Gefahr flüchten sie in dichter Vegetation oder Spalten. Im Herbst, je nach Höhenlage zwischen September und November, ziehen sich Bergeidechsen in frostfreie Winterquartiere zurück – Erdlöcher, Steinspalten oder Wurzelwerk. Die Winterruhe kann in Hochlagen sechs bis sieben Monate dauern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Bergeidechse verdankt ihren wissenschaftlichen Artnamen vivipara (lateinisch: „lebendgebärend") ihrer ungewöhnlichen Fortpflanzungsbiologie. In weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets bringen die Weibchen lebende Jungtiere zur Welt – eine Anpassung an kalte Lebensräume, in der die Embryonalentwicklung durch das Thermoregulationsverhalten der Mutter beschleunigt wird. Die Paarung findet im Frühjahr kurz nach dem Erwachen aus der Winterruhe statt. Die Männchen zeigen ein kurzes Balzverhalten, bei dem sie das Weibchen mit Bissen in die Flanke fixieren.
Nach einer Tragzeit von zwei bis drei Monaten bringt das Weibchen zwischen drei und zwölf Jungtiere zur Welt, die noch von einer dünnen Eihülle umgeben sind und sich innerhalb weniger Minuten daraus befreien. In einigen Populationen am südlichen Arealrand – etwa in Nordspanien, Südfrankreich und dem nördlichen Italien – legen die Weibchen hingegen Eier (Oviparie). Diese Populationen werden teilweise als eigenständige Art Zootoca louislantzi diskutiert. Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa 3–4 cm lang, selbstständig und erhalten keine elterliche Fürsorge. Die Geschlechtsreife tritt nach zwei bis drei Jahren ein.
Bedrohung & Schutzstatus
Auf der Roten Liste der IUC