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Erdchamäleon

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Tierart – Reptilien > Echsen – Eidechsen & Chamäleons

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Brookesia (Gattung), diverse Arten, z. B. Brookesia superciliaris, Brookesia thieli, Brookesia minima
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Leguanartige (Iguania)
  • Familie: Chamäleons (Chamaeleonidae)
  • Gattung: Brookesia
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder, Laubstreuschicht, bodennahe Vegetation – fast ausschließlich Madagaskar
  • Größe: Je nach Art 2,5–11 cm Gesamtlänge
  • Gewicht: 0,2–20 g
  • Lebenserwartung: 2–5 Jahre (artabhängig, in Gefangenschaft teils länger)

Aussehen & Merkmale

Erdchamäleons unterscheiden sich äußerlich deutlich von den bekannten Baumchamäleons. Ihr Körperbau ist gedrungen, der Schwanz kurz und nur eingeschränkt zum Greifen geeignet. Anders als bei vielen Vertretern der Familie Chamaeleonidae fehlt ein ausgeprägter Greifschwanz fast vollständig – ein Hinweis auf die überwiegend terrestrische Lebensweise. Die Beine sind im Verhältnis zum Körper kurz und kräftig, die für Chamäleons typischen Greiffüße mit je zwei gegenüberliegenden Zehengruppen (Zygodactylie) sind jedoch beibehalten.

Die Schuppen der Erdchamäleons sind klein und oft mit dornartigen Fortsätzen, Höckern oder Leisten versehen, die der Tarnung in der Laubstreu dienen. Die Grundfärbung reicht von verschiedenen Braun- und Grautönen bis hin zu rötlichen Nuancen und imitiert trockenes Laub, Rinde oder Moos. Die Fähigkeit zum Farbwechsel ist im Vergleich zu baumbewohnenden Chamäleons deutlich eingeschränkt, aber vorhanden – sie dient vor allem der Thermoregulation und innerartlichen Kommunikation.

Die unabhängig voneinander beweglichen Augen, ein Kennzeichen aller Chamäleons, besitzen auch die Erdchamäleons. Der Kopf trägt bei einigen Arten kleine Augenbrauenfortsätze oder knöcherne Kämme, ist aber insgesamt weniger auffällig geschmückt als bei vielen Baumchamäleons.

Die kleinsten Vertreter der Gattung – etwa Brookesia micra und Brookesia nana – zählen zu den kleinsten bekannten Reptilien überhaupt. Brookesia nana, erst 2021 wissenschaftlich beschrieben, erreicht eine Gesamtlänge von nur rund 22 mm beim Männchen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Brookesia beschränkt sich nahezu vollständig auf Madagaskar. Einige wenige Arten der nah verwandten Gattung Rhampholeon und Rieppeleon, die ebenfalls als Erdchamäleons oder Stummelschwanzchamäleons bezeichnet werden, kommen in Ost- und Zentralafrika vor.

Das bevorzugte Habitat sind tropische und subtropische Regenwälder sowie Trockenwälder im Westen Madagaskars. Erdchamäleons besiedeln dort die Laubstreuschicht und die unterste Vegetationsschicht bis etwa einen Meter Höhe. Einige Arten sind an sehr eng begrenzte Biotope gebunden – einzelne Kalksteinmassive (Tsingy), bestimmte Berghänge oder kleine Waldinseln. Diese Mikroendemismen machen viele Arten besonders anfällig gegenüber Habitatverlust.

Tagsüber halten sich Erdchamäleons am Waldboden auf, wo sie zwischen Falllaub, Moos und niedrigen Pflanzen kaum auszumachen sind. Zum Schlafen klettern manche Arten abends auf niedrige Zweige oder Grashalme – vermutlich als Schutz vor bodenbewohnenden Prädatoren.

Ernährung

Erdchamäleons ernähren sich ausschließlich karnivor. Ihre Beute besteht aus kleinen Wirbellosen: Ameisen, Springschwänze, Milben, kleine Käfer, Fliegen und deren Larven. Die Nahrungsaufnahme erfolgt wie bei allen Chamäleons über die Schleuderzunge, die in Sekundenbruchteilen auf die Beute geschossen wird. Angesichts der geringen Körpergröße vieler Arten ist das Beutespektrum auf entsprechend kleine Arthropoden begrenzt. Die Jagd findet überwiegend tagsüber statt, wobei Erdchamäleons sich langsam und bedächtig durch die Laubstreu bewegen und ihre Beute visuell über die unabhängig beweglichen Augen orten.

Verhalten & Lebensweise

Erdchamäleons sind tagaktiv und einzelgängerisch. Es gibt keine Revierverteidigung im engeren Sinne, allerdings reagieren Männchen bei Begegnungen mit Artgenossen mit Drohgebärden: Sie flachen den Körper seitlich ab, öffnen das Maul und nehmen eine dunklere Färbung an. Direkte Kämpfe sind selten.

Die Fortbewegung ist langsam und bedächtig, mit dem für Chamäleons typischen wiegenden Gang, bei dem der Körper vor und zurück geschaukelt wird. Dieses Verhalten wird als Blattmimikry gedeutet, da es die Bewegung eines im Wind schwankenden Blattes imitiert. Bei Bedrohung lassen sich Erdchamäleons häufig einfach vom Ast oder Halm fallen, rollen sich zusammen und verharren reglos – eine Schreckstarre, die dem Todstellen ähnelt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung erfolgt ovipar. Nach der Paarung, die bei manchen Arten von einer kurzen Balz mit Kopfnicken und Farbsignalen eingeleitet wird, legt das Weibchen je nach Art zwischen zwei und sechs Eier in den feuchten Waldboden oder unter Laub. Die Eier sind im Verhältnis zur Körpergröße des Weibchens groß.

Die Inkubationszeit variiert stark und liegt zwischen 30 und 90 Tagen, bei einigen Arten sogar mehrere Monate. Die Jungtiere schlüpfen vollständig entwickelt und sind sofort selbstständig. Eine Brutpflege findet nicht statt. Die