Sandeidechse
STierart – Reptilien > Echsen – Eidechsen & Chamäleons
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lacerta agilis
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Familie: Echte Eidechsen (Lacertidae)
- Gattung: Lacerta
- Lebensraum: Heiden, Trockenrasen, Waldränder, Dünen, Bahndämme
- Größe: 18–24 cm (Gesamtlänge inkl. Schwanz)
- Gewicht: 8–15 g
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre in freier Wildbahn, in Ausnahmefällen bis 12 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Sandeidechse ist eine kräftig gebaute, relativ gedrungene Eidechse mit kurzem Kopf und vergleichsweise kurzen Gliedmaßen. Ihr Körper wirkt insgesamt kompakter als der der nah verwandten Zauneidechse – wobei beide Namen in der Praxis synonym für dieselbe Art verwendet werden. Der Schwanz macht etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Gesamtlänge aus.
Die Grundfärbung der Schuppen variiert je nach Geschlecht, Alter und Unterart erheblich. Männchen zeigen zur Paarungszeit eine auffällige grüne Färbung an den Flanken und teils auch an der Kehle, die durch Einlagerung von Pigmenten in die Hautschichten entsteht. Weibchen und Jungtiere sind dagegen überwiegend braun bis graubraun gefärbt. Beide Geschlechter tragen ein charakteristisches Muster aus dunklen Flecken und hellen Augenflecken (Ocellen) auf dem Rücken und an den Seiten. Die Bauchseite ist bei Männchen grünlich, bei Weibchen gelblich bis weißlich und zeigt häufig dunkle Flecken.
Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Waldeidechse (Zootoca vivipara) ist neben der Größe die Kopfform: Die Sandeidechse besitzt einen breiteren, stumpferen Kopf. Zudem sind ihre Rückenschuppen deutlich gekielt, also mit einem feinen Längsgrat versehen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Sandeidechse erstreckt sich von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. In Europa reicht das Areal von Südengland und Frankreich im Westen bis zum Baikalsee im Osten. Nördlich kommt die Art bis nach Südschweden vor, südlich bis in den Norden der Balkanhalbinsel. In Deutschland ist sie in allen Bundesländern nachgewiesen, allerdings mit deutlichen regionalen Verbreitungslücken.
Als typisches Habitat bevorzugt Lacerta agilis offene bis halboffene, trockenwarme Biotope mit lockerem, sandigem oder lehmigem Boden. Solche Bedingungen findet sie an Heiden, Trockenrasen, Dünen, Waldlichtungen, Böschungen, Bahndämmen und Steinbrüchen. Entscheidend für die Eignung eines Lebensraums sind ausreichend Sonnenplätze, Versteckmöglichkeiten unter Steinen, Totholz oder in der Vegetation sowie grabfähiges Substrat für die Eiablage. Dichte, geschlossene Wälder und intensiv bewirtschaftetes Grünland werden gemieden.
Innerhalb ihres Verbreitungsgebiets werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter Lacerta agilis agilis in Mitteleuropa und Lacerta agilis exigua in Osteuropa und Asien.
Ernährung
Die Sandeidechse ernährt sich fast ausschließlich von Wirbellosen. Zu ihren Beutetieren zählen Insekten wie Käfer, Heuschrecken, Fliegen und Schmetterlingsraupen sowie Spinnen, Asseln und Regenwürmer. Die Jagd erfolgt als aktive Suche im Bodenbereich und in der niedrigen Vegetation. Die Echse nähert sich potenzieller Beute langsam und schnappt dann mit einer schnellen Kopfbewegung zu. Größere Beutetiere werden durch seitliches Kauen zerkleinert. Gelegentlich nehmen Sandeidechsen auch reife Beeren oder andere pflanzliche Nahrung auf, was jedoch einen untergeordneten Anteil der Ernährung darstellt.
Verhalten & Lebensweise
Die Sandeidechse ist tagaktiv und stark an Sonneneinstrahlung gebunden. Als ektothermes Reptil reguliert sie ihre Körpertemperatur durch gezieltes Sonnen (Thermoregulation). Morgens sucht sie exponierte Plätze auf Steinen, Totholz oder offenem Boden auf, um sich aufzuwärmen, bevor sie auf Nahrungssuche geht. An heißen Sommertagen zieht sie sich in den Mittagsstunden in den Schatten oder in Erdhöhlen zurück.
Sandeidechsen sind standorttreu und nutzen ein relativ kleines Revier, das sie jedoch nicht aggressiv gegen Artgenossen verteidigen – mit Ausnahme der Paarungszeit, in der Männchen untereinander ritualisierte Kommentkämpfe austragen. Bei Gefahr flüchten die Tiere blitzschnell in die nächste Deckung. Wie viele Lacertiden beherrschen sie die Autotomie: Bei Ergreifen durch einen Fressfeind kann der Schwanz an vorgebildeten Bruchstellen abgeworfen werden und zuckt danach noch einige Minuten, um den Angreifer abzulenken. Der Schwanz regeneriert sich anschließend, erreicht jedoch nicht mehr die Länge und Struktur des Originals.
Die Winterruhe beginnt je nach Region zwischen September und Oktober und endet im März oder April. Die Tiere überwintern in frostfreien Erdhöhlen, Spalten oder Nagerbauten, wobei Männchen in der Regel früher aus der Winterruhe erwachen als Weibchen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit (Balz) fällt in Mitteleuropa auf die Monate April bis Juni. Männchen zeigen in dieser Phase ihre intensivste Grünfärbung und suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen. Die Balz umfasst Verfolgungsjagden und Nackenbisse, mit denen das Männchen das Weibchen festhält. Rivalisierende Männchen drohen einander mit seitlich abgeflachtem Körper und beißen sich gelegentlich in die Flanken.
Die Sandeidechse ist ovipar – sie legt also Eier, im Gegensatz zur ovoviviparen Wald