Bienenfresser
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Merops apiaster
- Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
- Familie: Bienenfresser (Meropidae)
- Gattung: Merops
- Lebensraum: Offene, warme Landschaften mit Steilwänden oder sandigen Abbruchkanten
- Größe: 25–29 cm (Körperlänge), davon entfallen etwa 3–4 cm auf die verlängerten mittleren Schwanzfedern
- Gewicht: 50–70 g
- Lebenserwartung: 5–10 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Bienenfresser gehört zu den farbenprächtigsten Vögeln Europas. Sein Gefieder zeigt eine auffällige Kombination aus kastanienbraunem Rücken und Oberkopf, leuchtend gelbem Kinn und türkisblauem Bauch sowie Schwanzunterseite. Die Flügelunterseiten schimmern kupferfarben bis orangebraun, während die Flügelspitzen dunkel abgesetzt sind. Ein schmales schwarzes Brustband trennt die gelbe Kehle vom blaugrünen Bauchgefieder. Durch das Auge verläuft ein markanter schwarzer Augenstreif, der dem Vogel ein maskenartiges Aussehen verleiht.
Der Schnabel ist schwarz, leicht nach unten gebogen und relativ lang – ein typisches Merkmal insektenjagender Vögel, die ihre Beute im Flug ergreifen. Die Iris ist dunkelrot. Die kurzen Beine und kleinen Füße sind braungrau gefärbt und zeigen die für Rackenvögel charakteristische Syndaktylie: Die mittlere und äußere Vorderzehe sind an der Basis miteinander verwachsen. Die beiden verlängerten mittleren Steuerfedern ragen deutlich über das übrige Schwanzgefieder hinaus und dienen als Erkennungsmerkmal auch in der Flugsilhouette.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich nur geringfügig. Das Weibchen zeigt in der Regel ein etwas matteres Gefieder mit leichtem Grünstich auf dem Rücken, während das Männchen intensivere Rottöne aufweist. Im Jugendkleid sind die Farben insgesamt blasser, die verlängerten Schwanzfedern fehlen, und die Iris ist noch braun.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Merops apiaster erstreckt sich über weite Teile Südeuropas, Nordafrikas, des Nahen Ostens und Zentralasiens. In Europa brütet die Art vor allem im Mittelmeerraum – von der Iberischen Halbinsel über Südfrankreich, Italien und den Balkan bis in die Türkei und nach Südrussland. In den letzten Jahrzehnten hat der Bienenfresser sein Brutareal nach Norden ausgedehnt; inzwischen brüten stabile Populationen auch in Deutschland, vor allem am Oberrhein, in der Kaiserstuhl-Region, an der Saale-Unstrut-Region in Sachsen-Anhalt und in Rheinhessen.
Als Habitat bevorzugt der Bienenfresser offene, trockenwarme Landschaften mit spärlicher Vegetation. Entscheidend für die Ansiedlung sind geeignete Brutwände: Lösssteilwände, Uferabbrüche, Sandgruben oder Kiesabbauflächen, in die der Vogel seine Niströhren graben kann. Die Nähe zu insektenreichen Jagdgebieten wie Feuchtwiesen, Flussauen oder extensiv genutztem Grünland ist ein weiterer standortbestimmender Faktor. Der Bienenfresser ist ein Langstreckenzieher, der südlich der Sahara in West- und Ostafrika überwintert. Die Zugbewegungen erfolgen in Schwärmen, oft entlang traditioneller Zugrouten über das Mittelmeer.
Ernährung
Die Nahrung besteht fast ausschließlich aus Fluginsekten. Entgegen seinem deutschen Namen frisst der Bienenfresser nicht nur Honigbienen, sondern ein breites Spektrum größerer Insekten: Hummeln, Wespen, Hornissen, Libellen, Schmetterlinge, Käfer und Heuschrecken stehen auf dem Speiseplan. Bienen und andere Hautflügler machen je nach Lebensraum und Jahreszeit etwa 20–80 Prozent der Nahrung aus.
Die Jagdtechnik ist charakteristisch: Von einer exponierten Sitzwarte – einem Ast, einer Leitung oder einem Zaunpfahl – aus späht der Vogel nach vorüberfliegenden Insekten und startet zu einem wendigen Verfolgungsflug. Die Beute wird mit dem Schnabel ergriffen und zur Sitzwarte zurückgebracht. Giftige Insekten wie Bienen, Wespen und Hornissen werden dort durch wiederholtes Schlagen gegen die Unterlage getötet und entgiftet: Durch gezieltes Drücken des Hinterleibs gegen den Ast wird der Giftstachel mitsamt einem Teil des Drüsensekrets herausgepresst, bevor das Insekt verschluckt wird.
Verhalten & Lebensweise
Bienenfresser sind ausgesprochen gesellige Vögel und brüten in Kolonien, die von wenigen Paaren bis zu mehreren Hundert Brutröhren umfassen können. Außerhalb der Brutzeit treten sie in Schwärmen auf, die gemeinsam jagen und an Schlafplätzen in Bäumen übernachten. Die Art ist tagaktiv; die Hauptaktivitätsphasen liegen in den Morgen- und Abendstunden, während die Mittagshitze ruhend verbracht wird.
Der Flugruf ist ein weiches, trillerndes „prüüt" oder „krüüp", das häufig im Flug zu hören ist und über große Entfernungen trägt. Die Rufe dienen der Schwarmkommunikation und der Kontakthaltung zwischen Partnern. Während der Balz zeigt das Männchen spezifische Verhaltensweisen: Es überreicht dem Weibchen Beuteinsekten als Brautgeschenk, begleitet von Flugmanövern und auffälligen Körperhaltungen mit gespreiztem Schwanz und gesträubtem Kehlgefieder.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutsaison in Mitteleuropa dauert von Mai bis Juli. Beide Partner graben gemeinsam eine Niströhre in eine sandige oder lehmige Steilwand. Die Röhre verläuft leicht ansteigend und erreicht eine Länge von 1,0 bis 1,5 Metern, in Ausnahmefällen bis zu 2,7