Blauracke
BTierart – Vögel > Spechte & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Coracias garrulus
- Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
- Familie: Racken (Coraciidae)
- Gattung: Coracias
- Lebensraum: Offene, warme Landschaften mit altem Baumbestand, Steppen, Waldränder
- Größe: 30–32 cm Körperlänge, Flügelspannweite ca. 52–58 cm
- Gewicht: 120–190 g
- Lebenserwartung: Bis zu 9 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Blauracke gehört zu den farbenprächtigsten Vögeln Europas. Kopf, Hals und Unterseite sind leuchtend türkisblau gefärbt, der Rücken zeigt ein warmes Kastanienbraun. Die Flügel weisen im Flug ein auffälliges Muster aus dunkelblauen und hellblauen Feldern auf, das besonders bei den akrobatischen Balzflügen zur Geltung kommt. Der kräftige, leicht nach unten gebogene Schnabel ist schwarz und erinnert in seiner Form an den eines Würgers. Die Beine sind kurz und gelblich-braun.
Das Gefieder beider Geschlechter ist nahezu identisch, ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus fehlt. Jungvögel sind insgesamt matter gefärbt und zeigen statt des leuchtenden Türkis eher ein stumpfes Grünblau. In der Größe entspricht die Blauracke etwa einer Dohle, wirkt jedoch durch den großen Kopf und den gedrungenen Körperbau kompakter. Im Sitzen fällt vor allem der braune Rücken auf; erst im Flug entfaltet der Vogel seine ganze Farbenpracht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Blauracke erstreckt sich von Südwesteuropa über den Mittelmeerraum und Osteuropa bis nach Zentralasien. In Mitteleuropa war die Art einst weit verbreitet, doch seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist sie aus weiten Teilen ihres ehemaligen Areals verschwunden. In Deutschland gilt die Blauracke als Brutvogel seit den 1990er-Jahren als ausgestorben. Letzte regelmäßige Brutvorkommen bestanden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. In Österreich und Ungarn existieren noch kleine, teils gefährdete Populationen.
Als Habitat bevorzugt die Blauracke offene, warme Landschaften mit lockerem Baumbestand. Typische Biotope sind Streuobstwiesen, lichte Kiefernwälder, Steppen mit einzelnen alten Bäumen sowie extensiv genutzte Kulturlandschaften. Entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Bruthöhlen in alten Bäumen oder Steilwänden. Die Art ist ein ausgeprägter Langstreckenzieher und überwintert im tropischen und südlichen Afrika, wo sie Savanngebiete und offenes Buschland aufsucht.
Ernährung
Die Blauracke ernährt sich vorwiegend von größeren Insekten. Käfer, Heuschrecken, Grillen und Libellen bilden den Hauptteil der Nahrung. Ergänzend werden kleine Wirbeltiere wie Eidechsen, Frösche und gelegentlich Mäuse erbeutet. Die Jagdstrategie entspricht der eines Ansitzjägers: Von einer erhöhten Warte aus – einem Zaunpfahl, einer Telefonleitung oder einem exponierten Ast – beobachtet der Vogel den Boden und stößt bei Sichtung einer Beute im Sturzflug herab. Die Beute wird am Boden ergriffen und häufig gegen eine harte Unterlage geschlagen, bevor sie verschlungen wird. In Gebieten mit hohem Heuschreckenaufkommen kann die Blauracke auch kurze Verfolgungsflüge in der Luft unternehmen.
Verhalten & Lebensweise
Die Blauracke ist tagaktiv und lebt außerhalb der Brutzeit einzelgängerisch. Während der Brutzeit beanspruchen Paare ein Revier, das sie gegen Artgenossen verteidigen. Der Name „Racke" leitet sich vom rauen, krächzenden Ruf ab, der entfernt an ein hartes „rack-rack" erinnert und vor allem während der Balzzeit zu hören ist.
Besonders spektakulär sind die Balzflüge der Männchen. Bei diesen Schauflügen steigt der Vogel steil auf und lässt sich dann unter rollenden, taumelnden Bewegungen – den namensgebenden „Purzelbäumen" – fallen. Diese akrobatischen Flugmanöver dienen sowohl der Reviermarkierung als auch der Partnerwerbung. Der englische Name „European Roller" bezieht sich genau auf dieses Verhalten.
Der Herbstzug in die afrikanischen Winterquartiere beginnt im August und September. Der Frühjahrszug zurück in die europäischen Brutgebiete erfolgt zwischen April und Mai. Auf dem Zug nutzen Blauracken bevorzugt östliche Routen über den Bosporus und den Nahen Osten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Blauracke ist ein Höhlenbrüter, der auf vorhandene Baumhöhlen angewiesen ist – meist alte Spechthöhlen, insbesondere solche des Schwarzspechts oder des Grünspechts. Gelegentlich werden auch Hohlräume in Steilwänden, Gebäudenischen oder spezielle Nistkästen angenommen. Ein eigenes Anlegen von Höhlen erfolgt nicht.
Das Gelege umfasst in der Regel vier bis sechs weiße, nahezu runde Eier, die ab Ende Mai gelegt werden. Beide Elternvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 17 bis 19 Tagen. Die Nestlinge sind Nesthocker und werden von beiden Eltern mit Insekten gefüttert. Nach etwa 25 bis 30 Tagen verlassen die Jungvögel die Bruthöhle, werden aber noch einige Tage von den Altvögeln versorgt. Pro Jahr findet nur eine Brut statt.
Bedrohung & Schutzstatus
Die IUCN stuft die Blauracke global als „Least Concern" (nicht gefährdet) ein, da die Art in Teilen ihres Verbreitungsgebiets – etwa in der Türkei, Russland und Kasachstan – noch in größeren Beständen vorkommt. Regional sieht die Lage jedoch deutlich anders aus: In we