T Tierlexikon.net
← Lexikon

Blauring-Oktopus

B

Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Kopffüßer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hapalochlaena (Gattung mit vier beschriebenen Arten, u. a. Hapalochlaena lunulata – Großer Blauring-Oktopus, Hapalochlaena maculosa – Südlicher Blauring-Oktopus)
  • Ordnung: Kraken (Octopoda)
  • Familie: Echte Kraken (Octopodidae)
  • Lebensraum: Flache Küstengewässer, Gezeitenzonen, Korallenriffe und Felspools im Indopazifik
  • Größe: Mantel ca. 4–6 cm, Gesamtlänge mit Armen ca. 10–20 cm
  • Gewicht: 10–100 g je nach Art
  • Lebenserwartung: Etwa 1,5–2 Jahre

Aussehen & Merkmale

Blauring-Oktopusse gehören zu den kleinsten Vertretern der Ordnung Octopoda. Ihr weicher, sackförmiger Mantel erreicht je nach Art nur wenige Zentimeter Länge. Die acht Arme sind relativ kurz und mit zwei Reihen von Saugnäpfen besetzt. Die Grundfärbung der Haut variiert zwischen blassgelb, sandfarben und bräunlich – eine Tarnung, die im Ruhezustand nahezu perfekt mit dem Untergrund verschmilzt.

Das namensgebende Merkmal sind die leuchtend blauen bis blaugrünen Ringe, die über Mantel und Arme verteilt sind. Diese Ringe entstehen durch spezialisierte Hautzellen: Chromatophoren und darunter liegende reflektierende Iridophoren erzeugen das intensive Blau. Im entspannten Zustand sind die Ringe kaum sichtbar, da die darüberliegenden Chromatophoren kontrahiert sind und die Farbe verdecken. Bei Erregung oder Bedrohung entspannen sich diese Zellen innerhalb von Sekundenbruchteilen, sodass die Ringe in voller Intensität aufleuchten – ein klassisches Warnsignal, das als Aposematismus bezeichnet wird.

Die Augen sind proportional groß und gut entwickelt, typisch für Kopffüßer (Cephalopoda). Wie bei allen Kraken fehlt eine äußere Schale vollständig; ein Relikt davon existiert auch intern nicht, anders als etwa bei Sepien.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Hapalochlaena erstreckt sich über den Indopazifik, von den Küsten Japans über die Philippinen und Indonesien bis nach Australien. Besonders gut dokumentiert sind Vorkommen entlang der australischen Küste, wo H. maculosa in den Gezeitenzonen Südaustraliens und H. lunulata in tropischen Riffen Nordaustraliens lebt.

Als Habitat bevorzugen diese Tiere flache Küstengewässer bis etwa 50 Meter Tiefe. Typische Biotope sind Felspools in der Gezeitenzone, Korallenriffe, Seegraswiesen und sandige Böden mit ausreichend Versteckmöglichkeiten. Blauring-Oktopusse nutzen leere Muschelschalen, Spalten im Riff, verlassene Schneckenhäuser und selbst menschlichen Abfall wie Dosen oder Flaschen als Unterschlupf. Sie sind standorttreu und halten sich bevorzugt in einem begrenzten Revier auf, das sie selten über größere Distanzen verlassen.

Ernährung

Die Nahrung besteht vorwiegend aus kleinen Krebstieren, insbesondere Garnelen und Einsiedlerkrebsen, sowie aus kleinen Fischen. Blauring-Oktopusse sind aktive Jäger, die ihre Beute mit den Armen ergreifen und durch einen Biss mit dem papageienartigen Schnabel (dem sogenannten Chitinschnabel) überwältigen. Beim Biss wird Speichel injiziert, der das hochwirksame Nervengift Tetrodotoxin (TTX) enthält. Dieses Toxin lähmt die Beute innerhalb von Sekunden, indem es die Natriumkanäle der Nervenzellen blockiert und so die neuromuskuläre Signalübertragung unterbricht. Die vorverdauende Wirkung des Speichels erleichtert anschließend die Nahrungsaufnahme: Der Oktopus saugt das aufgelöste Gewebe aus der Beute.

Verhalten & Lebensweise

Blauring-Oktopusse sind überwiegend tagaktiv, gehen aber auch in der Dämmerung auf Nahrungssuche. Sie leben einzelgängerisch und meiden den Kontakt zu Artgenossen außerhalb der Paarungszeit. Ihre Fortbewegung erfolgt kriechend über den Untergrund mittels der Arme oder durch Rückstoßschwimmen, bei dem Wasser aus der Mantelhöhle durch den Trichter (Siphon) ausgestoßen wird.

Das Verhalten bei Bedrohung folgt einem gestuften Muster: Zunächst versucht das Tier, durch seine kryptische Färbung unsichtbar zu bleiben. Wird es dennoch gestört, bläht es den Körper leicht auf und aktiviert die leuchtenden Blauringe als Warnsignal. Erst wenn auch diese Drohgebärde nicht wirkt, setzt es als letztes Mittel seinen giftigen Biss ein. Für den Menschen kann ein solcher Biss tödlich verlaufen – das injizierte Tetrodotoxin kann innerhalb von Minuten zu Atemlähmung führen. Ein spezifisches Gegengift existiert nicht; die einzige wirksame Notfallmaßnahme ist künstliche Beatmung bis zum Abbau des Toxins durch den Körper.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung erfolgt in der Regel einmal im Leben, da Blauring-Oktopusse wie die meisten Krakenarten semelpar sind – sie sterben nach der ersten Reproduktion. Bei der Balz nähert sich das Männchen dem Weibchen vorsichtig und überträgt mithilfe eines spezialisierten Arms, des sogenannten Hectocotylus, Spermatophoren in die Mantelhöhle des Weibchens.

Das Weibchen legt etwa 50 bis 100 Eier, die es in einer geschützten Höhle an der Unterseite seiner Arme trägt. Während der Brutpflege, die je nach Art und Wassertemperatur vier bis sechs Wochen dauert, nimmt das Weibchen keine Nahrung mehr zu sich. Es belüftet die Eier kontinuierlich durch Wasserbewegung und schützt