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Gewöhnlicher Krake

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Kopffüßer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Octopus vulgaris (Cuvier, 1797)
  • Ordnung: Kraken (Octopoda)
  • Familie: Echte Kraken (Octopodidae)
  • Gattung: Octopus
  • Lebensraum: Küstennahe Meeresgebiete, Felsenriffe, Korallenriffe, Seegraswiesen; bevorzugt temperierte und tropische Gewässer
  • Größe: Mantel bis 25 cm Länge, Armspannweite bis 130 cm
  • Gewicht: 3–10 kg, in Einzelfällen bis 12 kg
  • Lebenserwartung: 1–2 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Gewöhnliche Krake besitzt den für Kopffüßer (Cephalopoda) typischen Körperbau: Einen sackförmigen Mantel, in dem die inneren Organe untergebracht sind, einen großen Kopf mit auffälligen, hoch entwickelten Linsenaugen und acht muskulöse Arme. Die Arme tragen jeweils zwei Reihen von Saugnäpfen, die sowohl als Tast- als auch als Greiforgane dienen und einen außergewöhnlich feinen Geschmackssinn besitzen. Anders als bei Kalmaren oder Sepien fehlen dem Kraken die zusätzlichen Fangtentakel – er verfügt ausschließlich über acht Arme, weshalb die Ordnung Octopoda (griechisch: „achtfüßig") ihren Namen trägt.

Das Tier besitzt kein Skelett – weder eine äußere Schale noch ein inneres Stützgerüst wie die Schulpe der Tintenfische (Sepiida). Der gesamte Körper ist extrem verformbar, sodass sich der Krake durch engste Spalten zwängen kann, solange sein Schnabel – die einzige harte Struktur des Körpers – hindurchpasst. Dieser chitinöse Schnabel ähnelt einem Papageienschnabel und sitzt im Zentrum des Armkranzes.

Die Haut des Gewöhnlichen Kraken enthält mehrere Schichten spezialisierter Zellen: Chromatophoren ermöglichen blitzschnelle Farbwechsel, Iridophoren erzeugen schillernde Reflexionen, und Papillen können die Hauttextur verändern, sodass das Tier Algen, Steine oder Korallen täuschend echt nachahmt. Die Grundfärbung variiert zwischen Braun, Grau, Rötlich und Gelblich, abhängig von Stimmung, Umgebung und physiologischem Zustand.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Octopus vulgaris erstreckt sich über weite Teile des Atlantischen Ozeans, des Mittelmeers und angrenzender Meeresgebiete. Die Art kommt von den Küsten Südenglands über Westafrika bis nach Brasilien vor und besiedelt zudem Teile des westlichen Indischen Ozeans. Neuere genetische Studien deuten darauf hin, dass unter dem Namen Octopus vulgaris möglicherweise ein Komplex mehrerer kryptischer Arten zusammengefasst wird, deren genaue taxonomische Abgrenzung noch Gegenstand laufender Forschung ist.

Als Habitat bevorzugt der Gewöhnliche Krake küstennahe Zonen bis in Tiefen von etwa 200 Metern. Felsige Untergründe mit Höhlen, Spalten und Überhängen bieten ideale Rückzugsorte. Das Biotop umfasst aber auch Seegraswiesen, Sandböden und Korallenriffe, sofern ausreichend Versteckmöglichkeiten vorhanden sind. In der Nähe des Unterschlupfs sammeln manche Individuen Steine und Muschelschalen zu regelrechten Barrikaden an – ein Verhalten, das als „Gartenbau" bezeichnet wird.

Ernährung

Der Gewöhnliche Krake ist ein aktiver Räuber mit einem breiten Nahrungsspektrum. Zu seiner Beute zählen vor allem Krebstiere wie Krabben, Garnelen und Langusten, daneben Muscheln, Schnecken und kleinere Fische. Die Jagd findet überwiegend in der Dämmerung und nachts statt – der Krake gilt als vorwiegend nachtaktiv, zeigt aber je nach Region und Nahrungsverfügbarkeit auch tagaktives Verhalten.

Die Erbeutung von Schalentieren erfolgt auf mehreren Wegen: Der Krake kann Muscheln mit roher Armkraft aufziehen, mit seinem Schnabel aufbrechen oder ein Loch in die Schale bohren und ein lähmendes Sekret der hinteren Speicheldrüsen injizieren. Dieses Sekret enthält eine Mischung von Enzymen und Giftstoffen, die das Beutetier immobilisieren und die Muskulatur auflösen. Anschließend wird das verflüssigte Gewebe aufgesaugt. Reste der Mahlzeiten – leere Schalen und Panzer – häufen sich oft vor dem Versteck des Kraken an und dienen Forschern als Hinweis auf die Anwesenheit eines Tieres.

Verhalten & Lebensweise

Octopus vulgaris lebt als Einzelgänger und verteidigt ein lockeres Revier rund um seine Höhle. Begegnungen mit Artgenossen außerhalb der Paarungszeit verlaufen meist aggressiv und werden durch Farbsignale, Körperhaltung und direkte Konfrontation geregelt. Die Tiere zeigen ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten und gelten unter Wirbellosen als kognitiv besonders leistungsfähig. In Laborexperimenten lernen Gewöhnliche Kraken, Schraubverschlüsse zu öffnen, durch Labyrinthe zu navigieren und Problemlösungen durch Beobachtung von Artgenossen zu übernehmen.

Zur Fortbewegung nutzt der Krake sowohl das Kriechen über den Meeresboden mithilfe seiner Arme als auch den Rückstoßantrieb: Durch das Ausstoßen von Wasser aus dem Trichter (Siphon) kann er sich ruckartig vom Boden abstoßen und schnell fliehen. Bei Bedrohung setzt er zudem eine Wolke dunkler Tinte frei, die den Angreifer irritiert und dem Kraken die Flucht ermöglicht.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung des Gewöhnlichen Kraken verläuft artgemäß: Das Männchen überträgt mit einem spezialisierten Arm, dem Hectocotylus, Spermatophoren in die Mantelhöhle des Weibch