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Oktopus

O

Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Kopffüßer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Octopoda (Ordnung); bekannteste Gattung: Octopus, z. B. Gemeiner Krake (Octopus vulgaris)
  • Klasse: Kopffüßer (Cephalopoda)
  • Unterklasse: Coleoidea (Tintenfische im weiteren Sinn)
  • Ordnung: Octopoda (Achtarmige Tintenfische)
  • Familien: u. a. Octopodidae (Echte Kraken), Argonautidae (Papierboote), Amphitretidae
  • Lebensraum: Meeresböden aller Ozeane, von der Gezeitenzone bis zur Tiefsee
  • Größe: Artenabhängig von wenigen Zentimetern (Octopus wolfi, ca. 2,5 cm Spannweite) bis über 5 Meter Armspannweite (Pazifischer Riesenkrake, Enteroctopus dofleini)
  • Gewicht: Wenige Gramm bis etwa 70 kg
  • Lebenserwartung: Je nach Art 1–5 Jahre; die meisten Arten leben nur 1–2 Jahre

Aussehen & Merkmale

Oktopusse besitzen einen sackförmigen, weichen Körper ohne jede innere oder äußere Schale – ein Merkmal, das sie von Nautilus und den meisten fossilen Kopffüßern unterscheidet. Der Mantel umhüllt die inneren Organe und kann durch rhythmisches Zusammenziehen Wasser aus dem Trichter (Siphon) pressen, was eine rückstoßartige Fortbewegung ermöglicht. Am Kopf sitzen acht gleichlange Arme, die mit zwei Reihen von Saugnäpfen besetzt sind. Im Gegensatz zu Kalmaren und Sepien fehlen Oktopussen die beiden zusätzlichen Fangtentakel.

Die Haut enthält drei Schichten spezialisierter Zellen: Chromatophoren (Farbzellen), Iridophoren (reflektierende Zellen) und Leucophoren (weiß streuende Zellen). Durch deren muskuläre Steuerung kann ein Oktopus binnen Millisekunden Farbe, Muster und sogar die Oberflächentextur seiner Haut verändern. Die Augen sind hoch entwickelt und verfügen über eine Linse mit Scharfstellung – ein Fall konvergenter Evolution zu den Wirbeltieraugen. Allerdings besitzen Oktopusse nur einen einzigen Fotorezeptortyp und sind daher farbenblind; sie nehmen die Polarisation von Licht wahr.

Das Blut ist aufgrund des Sauerstofftransporters Hämocyanin (kupferhaltig) bläulich gefärbt. Oktopusse besitzen drei Herzen: ein systemisches Herz für den Körperkreislauf und zwei Kiemenherzen, die das Blut durch die Kiemen pumpen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Oktopoda erstreckt sich über sämtliche Weltmeere, von tropischen Korallenriffen bis zu den kalten Gewässern der Antarktis. Ihr bevorzugtes Habitat sind felsige Küstengebiete, Riffzonen und Seegraswiesen, in denen sie Höhlen und Spalten als Unterschlupf nutzen. Einige Arten leben pelagisch in der offenen Wassersäule, andere besiedeln die Tiefsee in Tiefen jenseits von 4.000 Metern, etwa Vertreter der Familie Stauroteuthidae. Der Gemeine Krake (Octopus vulgaris) kommt im Mittelmeer, im östlichen Atlantik und in Teilen des westlichen Pazifiks vor und zählt zu den am besten erforschten Arten. Das Biotop wird stets so gewählt, dass genügend Versteckmöglichkeiten vorhanden sind – ein leerer Lebensraum wird gemieden.

Ernährung

Oktopusse sind Raubtiere und ernähren sich vorwiegend von Krebstieren, Muscheln, Schnecken und kleinen Fischen. Die Jagdstrategie variiert je nach Beute: Krabben werden mit den Armen gegriffen und durch einen Biss mit dem chitinösen Schnabel getötet. Der Speichel enthält Giftstoffe, die Beutetiere lähmen. Bei hartschaligen Muscheln bohren manche Arten mit der Radula (Raspelzunge) ein Loch in die Schale und injizieren ein lähmendes Sekret, das den Schließmuskel erschlaffen lässt. Der Blaugeringelte Oktopus (Hapalochlaena spp.) produziert Tetrodotoxin, das auch für Menschen tödlich sein kann. Die Nahrungssuche erfolgt bei den meisten Arten vorwiegend in der Dämmerung und nachts – Oktopusse gelten daher als überwiegend nachtaktiv.

Verhalten & Lebensweise

Oktopusse sind Einzelgänger ohne festes Revier. Sie besetzen eine Höhle oder schaffen sich aus Steinen, Muschelschalen und menschlichem Abfall regelrechte Bauten, die sie regelmäßig wechseln. Nach der Nahrungsaufnahme werden Beutereste vor dem Eingang abgelegt – an solchen Abfallhaufen (Middens) lassen sich bewohnte Höhlen erkennen.

Die kognitive Leistungsfähigkeit von Oktopussen ist unter Wirbellosen außergewöhnlich hoch. In Laborversuchen öffnen sie Schraubverschlüsse, durchqueren Labyrinthe und lösen komplexe Aufgaben durch Versuch-und-Irrtum-Lernen sowie Beobachtungslernen. Ihr Nervensystem umfasst rund 500 Millionen Neuronen, von denen etwa zwei Drittel in den Armen sitzen. Jeder Arm kann daher teils autonom agieren und lokale Reflexe ausführen, während das zentrale Gehirn übergeordnete Entscheidungen trifft.

Bei Bedrohung setzen Oktopusse eine Tintenwolke aus dem Tintenbeutel frei, die den Angreifer visuell und olfaktorisch verwirrt. Zusätzlich nutzen sie Tarnmuster, Mimikry (etwa der Mimik-Oktopus Thaumoctopus mimicus, der die Gestalt von Seeschlangen oder Plattfischen nachahmt) und Autotomie – das Abwerfen eines Arms, der nachwächst.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung ist bei Oktopussen ein riskantes Unterfangen, da