Brummen
BTierlaute > Tierlaute & Lautäußerungen
Definition & Überblick
Als Brummen wird eine tieffrequente, meist kontinuierliche Lautäußerung bezeichnet, die von verschiedenen Tierarten zur intraspezifischen und gelegentlich auch interspezifischen Kommunikation eingesetzt wird. Der Laut entsteht in der Regel durch Vibrationen der Stimmlippen, des Kehlkopfes oder – bei Insekten – durch Schwingungen von Flügeln und Thoraxmuskulatur. In der Ethologie wird das Brummen den sogenannten tonalen Vokalisationen zugeordnet, also Lauten mit relativ gleichmäßiger Frequenz und geringem Anteil an Obertönen. Die Frequenzbereiche liegen typischerweise zwischen 20 und 500 Hertz, können aber artspezifisch stark variieren.
Vom verwandten Knurren, das häufig agonistisch konnotiert ist, unterscheidet sich das Brummen durch seinen weniger rauen Klangcharakter und seine oft affiliative oder explorative Funktion. Auch gegenüber dem Schnurren der Katzen, das einen eigenen Mechanismus besitzt, muss das Brummen klar abgegrenzt werden, obwohl Übergänge fließend sein können.
Biologischer Hintergrund
Die Erzeugung brummender Laute ist an unterschiedliche anatomische Strukturen gebunden. Bei Säugetieren erfolgt die Lautproduktion überwiegend laryngal: Luft wird aus den Lungen über die Stimmlippen im Kehlkopf geleitet, die in niederfrequente Schwingungen versetzt werden. Entscheidend für die tiefe Tonlage sind die Masse und Länge der Stimmlippen sowie der subglottische Druck. Große Tiere mit langen Stimmlippen – etwa Bären oder Rinder – erzeugen daher besonders tiefes Brummen.
Bei Insekten wie Hummeln und bestimmten Käferarten entsteht das Brummen durch schnelle Kontraktionen der indirekten Flugmuskulatur im Thorax. Die Flügel können dabei entkoppelt sein, sodass der Laut auch ohne Flugbewegung erzeugt wird – ein Phänomen, das als Buzz Pollination (Vibrationsbestäubung) bekannt ist und eine doppelte Funktion aus Fortbewegung und Nahrungserwerb erfüllt.
Neurophysiologisch wird das Brummen bei Säugetieren vom periaquäduktalen Grau im Mittelhirn gesteuert, einer Region, die emotionale Vokalisationen koordiniert. Hormonelle Einflüsse – insbesondere Testosteron bei männlichen Tieren während der Brunft – können Frequenz, Dauer und Intensität des Brummens modulieren.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Brummen ist als Lautäußerung im Tierreich weit verbreitet. Zu den bekanntesten Vertretern gehören:
- Braunbären und Schwarzbären: Brummen als Kontaktlaut zwischen Muttertier und Jungtieren sowie als Ausdruck von Behaglichkeit bei der Nahrungsaufnahme.
- Rinder und Bisons: Tiefes Brummen dient der Kontaktpflege innerhalb der Herde und spielt eine Rolle bei der Mutter-Kalb-Bindung.
- Alligatoren und Krokodile: Männliche Tiere erzeugen infrasonisches Brummen, das die Wasseroberfläche in Vibration versetzt – ein eindrucksvolles Balzritual, das als Water Dance bezeichnet wird.
- Hummeln (Bombus): Das charakteristische Brummen entsteht durch Thoraxvibrationen und dient neben der Flugsteuerung auch dem Lösen von Pollen aus poriciden Antheren.
- Kaninchen: Ein leises Brummen tritt im Kontext des Sexualverhaltens auf, häufig begleitet von Umkreisen des Partners.
- Elefanten: Elefanten erzeugen brummende Infraschalllaute im Bereich von 14 bis 35 Hertz, die über Distanzen von mehreren Kilometern zur Fernkommunikation genutzt werden.
- Katzen: Neben dem Schnurren zeigen einige Katzen ein tiefes Brummen, das sich vom Schnurrmechanismus unterscheidet und häufig Unbehagen oder Frustration signalisiert.
- Meerschweinchen: Das sogenannte „Brommseln" ist ein tiefes Brummen, das männliche Tiere bei der Balz einsetzen, oft kombiniert mit einem wiegenden Gang.
Auslöser & Funktion
Die Auslöser für brummende Laute sind kontextabhängig und lassen sich in mehrere funktionale Kategorien einteilen:
- Soziale Kommunikation: In vielen Arten dient Brummen als Kontaktlaut, der den Zusammenhalt in Familienverbänden oder Herden stärkt. Bei Elefanten synchronisiert das tieffrequente Brummen die Bewegungsmuster der Gruppe über große Distanzen.
- Reproduktionsverhalten: Während der Brunft setzen männliche Tiere – etwa Hirsche, Bisons oder Meerschweinchen – Brummen als Werbungslaut ein. Die Frequenz und Dauer können dem Weibchen Informationen über Körpergröße und Fitness des Männchens vermitteln (ehrliches Signal).
- Territoriale Funktion: Bei Krokodilen und einigen Bärenarten markiert das Brummen den Anspruch auf ein Territorium und warnt Rivalen vor einer Annäherung.
- Emotionaler Ausdruck: Brummen kann Behaglichkeit, Frustration oder leichte Erregung anzeigen. Es ist häufig an spezifische Motivationslagen gebunden, die durch den jeweiligen Kontext entschlüsselt werden müssen.
Aus ethologischer Sicht ist Brummen sowohl als angeborenes Verhalten (Instinkt) als auch in seiner kontextabhängigen Feinjustierung durch Konditionierung und individuelle Erfahrung beeinflusst. Jungtiere erlernen durch soziale Interaktion, in welchen Situationen Brummen eine angemessene Reaktion darstellt.
Bedeutung für die Haltung
Für die Haltung von Haus- und Nutztieren ist das Verständnis brummender Lautäußerungen von praktischer Bedeutung. Bei Kaninchen signalisiert Brummen sexuelle Motivation und