Gackern
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Definition & Überblick
Als Gackern wird eine rhythmisch wiederholte, stoßartige Lautäußerung bezeichnet, die vorwiegend bei Hühnervögeln (Galliformes) auftritt und in der Ethologie als eine der am besten dokumentierten Formen aviärer Vokalisation gilt. Der Laut besteht aus kurzen, relativ lauten Einzelelementen, die in rascher Folge aneinandergereiht werden und ein charakteristisches „gak-gak-gak" ergeben. In der Lautforschung wird Gackern den sogenannten Stakkato-Rufen zugeordnet – Lautfolgen mit klar abgegrenzten Einzelsilben und kurzen Pausen dazwischen.
Die Bezeichnung „Gackern" ist onomatopoetischen Ursprungs und hat sich im deutschen Sprachraum als feststehender Begriff für diese spezifische Vokalisation etabliert. In der englischsprachigen Fachliteratur entspricht dem Gackern je nach Kontext der Begriff cackling oder clucking, wobei letzterer eher die leiseren, glucksenden Laute beschreibt, während ersterer die lauteren, aufgeregteren Rufe meint.
Biologischer Hintergrund
Die Lautproduktion beim Gackern erfolgt über die Syrinx, das Stimmorgan der Vögel, das sich an der Gabelung der Bronchien befindet. Anders als der Kehlkopf bei Säugetieren ermöglicht die Syrinx eine besonders differenzierte Klangerzeugung. Beim Gackern werden die Membranen der Syrinx in schneller Folge angespannt und entspannt, was die typischen abgehackten Einzellaute erzeugt.
Neurophysiologisch wird das Gackern sowohl durch instinktive Verhaltensmuster als auch durch erfahrungsabhängige Komponenten gesteuert. Das Grundmuster der Lautäußerung ist angeboren und gehört zum artspezifischen Repertoire – bereits junge Hennen zeigen eine rudimentäre Form des Gackerns, ohne es von Artgenossen erlernt zu haben. Gleichzeitig unterliegt die Feinabstimmung des Lautverhaltens einer gewissen Konditionierung: Tiere in unterschiedlichen sozialen Umgebungen entwickeln nachweislich Variationen in Frequenz, Lautstärke und Dauer ihrer Gackerlaute.
Hormonell steht das Gackern in enger Verbindung mit dem Reproduktionszyklus. Östrogen und Progesteron beeinflussen die Häufigkeit und Intensität der Lautäußerung, weshalb legende Hennen deutlich häufiger und lauter gackern als nicht legende Tiere.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Obwohl der Begriff Gackern im allgemeinen Sprachgebrauch nahezu ausschließlich mit dem Haushuhn (Gallus gallus domesticus) assoziiert wird, lassen sich vergleichbare Lautäußerungen bei einer Reihe weiterer Vogelarten und vereinzelt auch bei anderen Wirbeltieren beobachten:
- Haushühner: Die bekanntesten Gackerer. Hennen zeigen das typische Legegackern unmittelbar nach der Eiablage sowie Alarm- und Kontaktgackern in verschiedenen sozialen Situationen.
- Perlhühner (Numididae): Erzeugen ein durchdringendes, metallisch klingendes Gackern, das als Alarmruf und zur Gruppenkoordination dient.
- Truthühner (Meleagris gallopavo): Neben dem bekannten Kollern zeigen besonders weibliche Tiere gackernde Lautäußerungen bei der Kommunikation mit Küken.
- Fasane und Rebhühner: Verwandte Lautmuster, die funktional dem Gackern der Hühner entsprechen, aber akustisch artspezifisch variieren.
- Gänse: Das schnelle, rhythmische Rufen bestimmter Gänsearten wird umgangssprachlich ebenfalls als Gackern bezeichnet, unterscheidet sich akustisch jedoch erheblich.
- Hyänen: Das sogenannte „Lachen" der Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta) wird gelegentlich als Gackern beschrieben, stellt aber eine funktional eigenständige Vokalisation dar.
Auslöser & Funktion
Gackern ist keine einheitliche Lautäußerung, sondern umfasst mehrere funktional unterschiedliche Ruftypen, die sich in Tonhöhe, Rhythmus und Kontext unterscheiden. Die Ethologie unterscheidet beim Haushuhn mindestens vier zentrale Formen:
Legegackern (Egg Song): Die lauteste und auffälligste Variante. Hennen stoßen unmittelbar nach der Eiablage eine Serie lauter, lang anhaltender Gackerrufe aus, die mehrere Minuten andauern können. Die Funktion dieses Verhaltens ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden die Signalisierung der Reproduktionsfähigkeit an potenzielle Partner, die Wiederherstellung des Kontakts zur Gruppe nach der Isolation im Nest sowie eine mögliche Rolle bei der sexuellen Selektion.
Alarmgackern: Kurze, scharfe Lautfolgen, die bei Wahrnehmung eines Feindes oder einer ungewohnten Störung ausgestoßen werden. Dieses Gackern fungiert als Warnsignal innerhalb der Gruppe und löst bei Artgenossen Flucht- oder Erstarrungsverhalten aus. Bemerkenswert ist die Differenzierung: Hühner verwenden nachweislich unterschiedliche Alarmrufe für Boden- und Luftfeinde – ein Befund, der auf ein erstaunlich differenziertes Kommunikationssystem hinweist.
Kontaktgackern: Leise, regelmäßige Gackerlaute, die der Aufrechterhaltung des Gruppenzusammenhalts dienen. Dieses Sozialverhalten ist besonders bei freilaufenden Herden zu beobachten, wo die Tiere beim Scharren und Futtersuchen kontinuierlich leise Laute austauschen.
Futterruf: Ein spezifisches Gackern, mit dem vor allem Glucken ihre Küken auf Futter aufmerksam machen. Dieses Verhalten zeigt eine klare referenzielle Kommunikation – der Laut bezieht sich auf ein externes Objekt und nicht lediglich auf den emotionalen Zustand des Tieres.