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Glucken

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Tierlaute > Tierlaute & Lautäußerungen

Definition & Überblick

Als Glucken wird eine charakteristische, leise und rhythmisch wiederholte Lautäußerung bezeichnet, die vor allem bei Hühnervögeln (Galliformes) auftritt. Der Begriff leitet sich vom onomatopoetischen Klangbild des Lautes ab – ein tiefes, kehliges „gluck-gluck-gluck" –, das in kurzen Intervallen wiederholt wird. In der Ethologie zählt das Glucken zu den sogenannten Kontaktrufen und dient primär der akustischen Kommunikation zwischen dem Muttertier und seinen Küken. Darüber hinaus wird der Ausdruck im übertragenen Sinne auch auf das gesamte Brutpflegeverhalten einer Henne angewendet: Eine Henne, die auf ihrem Gelege sitzt und dieses bebrütet, wird umgangssprachlich als „Glucke" bezeichnet, und der Vorgang des Brütens selbst heißt „glucken" oder „gluckig werden".

Das Glucken ist damit sowohl ein spezifischer Tierlaut als auch ein Sammelbegriff für einen ganzen Komplex aus Lautgebung und damit verbundenem Brutpflegeverhalten. In der wissenschaftlichen Literatur wird zwischen dem eigentlichen Glucklaut (clucking call) und dem Brutverhalten (broodiness) differenziert, wobei beide Phänomene funktionell eng miteinander verknüpft sind.

Biologischer Hintergrund

Die Lautproduktion beim Glucken erfolgt im Syrinx, dem Stimmorgan der Vögel, das sich an der Verzweigung der Trachea in die beiden Hauptbronchien befindet. Im Gegensatz zu vielen Singvogellauten, die hohe Frequenzen und komplexe Modulationen aufweisen, ist das Glucken durch niedrige Grundfrequenzen (typischerweise zwischen 200 und 500 Hz), kurze Einzellaute und geringe Lautstärke gekennzeichnet. Diese akustischen Eigenschaften sind funktionell bedeutsam: Tiefe Frequenzen werden in bodennaher Vegetation weniger stark absorbiert und sind für die Küken in unmittelbarer Nähe gut wahrnehmbar, ohne gleichzeitig weitreichend genug zu sein, um Prädatoren auf die Gruppe aufmerksam zu machen.

Hormonell wird das Glucken maßgeblich durch Prolaktin gesteuert, ein Hormon der Hypophyse, das gleichzeitig das Brutverhalten, die Rückbildung der Eierstockaktivität und die mütterliche Fürsorge reguliert. Ein erhöhter Prolaktinspiegel führt bei Hennen zum Einstellen der Legetätigkeit, zum Aufsuchen und Verteidigen eines Nistplatzes sowie zur Produktion der typischen Glucklaute. Diese hormonelle Kopplung zeigt, dass es sich beim Glucken nicht um ein isoliertes Lautphänomen handelt, sondern um einen Bestandteil eines umfassenden, instinktgesteuerten Verhaltensprogramms.

Neurobiologische Studien haben gezeigt, dass die Küken bereits im Ei – etwa zwei bis drei Tage vor dem Schlupf – auf die Glucklaute der Mutter reagieren. Diese pränatale akustische Prägung stellt sicher, dass die Küken nach dem Schlupf sofort auf die Stimme der eigenen Mutter ansprechen und ihr folgen. Es handelt sich hierbei um ein klassisches Beispiel für eine Prägung im Sinne von Konrad Lorenz, die in einer sensiblen Phase stattfindet und weitgehend irreversibel ist.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Das Glucken im engeren Sinne ist vor allem bei folgenden Tiergruppen dokumentiert:

  • Haushühner (Gallus gallus domesticus): Die bekannteste und am besten erforschte Art. Hennen zeigen ein breites Repertoire an Glucklauten, die je nach Kontext variieren – vom leisen Kontaktglucken über das rhythmische Futter-Glucken bis zum eindringlichen Sammelruf.
  • Truthühner (Meleagris gallopavo): Truthennen zeigen ein dem Haushuhn vergleichbares Glucken während der Brutpflege und Kükenführung.
  • Perlhühner (Numididae): Auch bei Perlhühnern sind glucksende Kontaktrufe zwischen Henne und Küken beschrieben, wenngleich das Lautrepertoire dieser Art insgesamt stärker von lauten, schrillen Alarmrufen dominiert wird.
  • Wachteln (Coturnix coturnix): Bei Wachteln existieren leise, glucksähnliche Laute im Rahmen der Kükenführung, die jedoch klanglich etwas höher und schneller getaktet sind.
  • Fasane und Rebhühner: Verschiedene Arten der Familie Phasianidae produzieren funktionell analoge Laute während der Brutpflege.

Im weiteren Sinne werden glucksähnliche Laute gelegentlich auch bei anderen Vogelgruppen beschrieben, etwa bei bestimmten Taubenarten oder Rallen. Die funktionelle Analogie – leise, rhythmische Kontaktrufe zur Kükenführung – tritt bei zahlreichen Nestflüchtern auf, deren Jungtiere unmittelbar nach dem Schlupf mobil sind und akustisch geführt werden müssen.

Auslöser & Funktion

Das Glucken erfüllt mehrere zentrale Funktionen im Sozialverhalten und in der Kommunikation zwischen Mutter und Nachwuchs:

  • Kontakthalten: Der häufigste Auslöser ist die Bewegung der Kükengruppe. Die Glucke gibt kontinuierlich leise Glucklaute ab, die den Küken als akustischer Anker dienen. Entfernt sich ein Küken zu weit, intensiviert die Henne ihre Rufe.
  • Futterverweis: Ein spezifischer Glucklaut, oft als food call bezeichnet, wird ausgestoßen, wenn die Henne Futter entdeckt. Dieser Laut ist typischerweise schneller getaktet als der Kontaktruf und wird von einem charakteristischen Pickverhalten begleitet. Die Küken lernen durch diese Form der sozialen Konditionierung, geeignete Nahrung zu identifizieren.
  • Wärme- und Sammelruf: Bei sinkenden Temperaturen oder Einbruch der Dämmerung fordert die Glucke ihre Küken mit einem spezifischen, etwas tieferen Glucklaut auf, sich unter ihrem Gefieder zu versammeln (brooding call).
  • Alarmreaktion: Bei Bedrohung wechselt die