Buckelwal
BTierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Megaptera novaeangliae
- Ordnung: Wale (Cetacea)
- Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
- Familie: Furchenwale (Balaenopteridae)
- Gattung: Megaptera
- Lebensraum: Alle Ozeane, von polaren Gewässern bis zu tropischen Küsten
- Größe: 12–16 Meter, selten bis 18 Meter
- Gewicht: 25.000–35.000 kg
- Lebenserwartung: 40–60 Jahre, in Einzelfällen bis 80 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Buckelwal ist ein kräftig gebauter Bartenwal mit einem gedrungenen Körper und einem im Verhältnis zur Körperlänge großen Kopf. Seinen deutschen Namen verdankt er der Art, wie er beim Abtauchen den Rücken wölbt – ein ausgeprägter Buckel wird dabei vor der kleinen, auf einem Höcker sitzenden Rückenflosse sichtbar. Die Körperfärbung ist oberseits dunkelgrau bis schwarz, die Unterseite variiert von weiß bis gefleckt. Diese individuelle Zeichnung, insbesondere an der Unterseite der Schwanzflosse (Fluke), dient Forschern als natürliches Erkennungsmerkmal und ermöglicht die Identifikation einzelner Tiere über Fotoidentifikation.
Das auffälligste Merkmal des Buckelwals sind seine extrem langen Brustflossen (Flipper), die bis zu einem Drittel der Gesamtkörperlänge erreichen können – ein Alleinstellungsmerkmal unter allen Walarten, das sich auch im Gattungsnamen Megaptera (griechisch für „großer Flügel") widerspiegelt. Die Flipper sind an der Vorderkante mit unregelmäßigen Knubbeln (Tuberkeln) besetzt, die jeweils ein einzelnes Sinushaar tragen. Ähnliche Tuberkel befinden sich auf der Oberseite des Kopfes. Die Barten bestehen aus bis zu 400 Paaren dunkelgrauer Hornplatten, die von den Oberkieferrändern herabhängen und als Filterapparat dienen.
An der Unterseite von Kopf und Rumpf verlaufen 14 bis 22 tiefe Kehlfalten (Ventralfurchen), die sich beim Fressen wie ein Akkordeon ausdehnen und ein enormes Wasservolumen aufnehmen können.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Buckelwals umfasst sämtliche Ozeane der Erde. Die Art unternimmt eine der längsten bekannten Wanderungen im Tierreich: Im Sommer halten sich die Tiere in den nahrungsreichen, kühlen bis polaren Gewässern der hohen Breiten auf – etwa vor Alaska, in der Antarktis, vor Norwegen oder Island. Zum Winter ziehen sie in tropische und subtropische Regionen, wo sie sich paaren und ihre Jungen zur Welt bringen. Dokumentierte Wanderstrecken betragen bis zu 8.000 Kilometer pro Strecke.
Typische Winterhabitate sind die Gewässer um Hawaii, die Karibik, die Kapverdischen Inseln, Madagaskar, Tonga und die Küsten Zentralamerikas. In ihren Sommerhabitaten bevorzugen Buckelwale küstennahe, flachere Schelfgebiete mit hoher Planktonproduktivität. Dabei existieren mehrere weitgehend getrennte Populationen auf der Nord- und Südhalbkugel, die sich wegen der jahreszeitlichen Verschiebung nur selten begegnen.
Ernährung
Buckelwale ernähren sich überwiegend in den Sommermonaten und zehren während der Winterwanderung und in den Fortpflanzungsgebieten größtenteils von ihren Fettreserven (Blubber). Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Krill (Euphausia superba und verwandte Arten) sowie kleinen Schwarmfischen wie Heringen, Sandaalen, Makrelen und Lodden.
Beim Fressen setzen Buckelwale verschiedene Techniken ein. Die bekannteste ist das sogenannte Bubble-Net-Feeding (Blasennetzjagd): Dabei taucht ein Wal oder eine Gruppe unter einen Fischschwarm und stößt beim spiralförmigen Aufsteigen gezielt Luftblasen aus. Diese bilden ein zylindrisches „Netz" aus Blasen, das die Beute zusammentreibt und nach oben konzentriert. Anschließend durchstoßen die Wale die Wasseroberfläche mit geöffnetem Maul und nehmen große Mengen Wasser samt Beute auf. Das Wasser wird durch die Barten gefiltert und seitlich wieder hinausgepresst. Ein einzelner Buckelwal kann pro Tag bis zu 1.500 Kilogramm Nahrung aufnehmen.
Verhalten & Lebensweise
Buckelwale sind keine ausgesprochen geselligen Tiere, bilden aber lose, wechselnde Gruppen von zwei bis fünf Individuen. Feste Sozialverbände existieren nicht; die einzige dauerhafte Bindung besteht zwischen Mutter und Kalb. In den Nahrungsgebieten finden sich gelegentlich größere Ansammlungen von bis zu 20 Tieren, die gemeinsam fressen.
Bekannt ist die Art für ihr spektakuläres Oberflächenverhalten: Buckelwale springen häufig vollständig aus dem Wasser (Breaching), schlagen mit den Flippern oder der Fluke auf die Oberfläche und rollen sich an der Wasseroberfläche. Über die Funktion dieses Verhaltens wird diskutiert – mögliche Erklärungen reichen von Kommunikation über Parasitenentfernung bis zur Reviermarkierung gegenüber Artgenossen.
Die Gesänge der Buckelwal-Männchen gehören zu den komplexesten Lautäußerungen im Tierreich. Ein Gesang besteht aus hierarchisch aufgebauten Themen, Phrasen und Einzellauten und kann bis zu 30 Minuten dauern, bevor er wiederholt wird. Alle Männchen einer Population singen zu einem gegebenen Zeitpunkt weitgehend denselben Gesang, der sich jedoch über Monate und Jahre kontinuierlich verändert. Die Laute sind über Distanzen von mehreren hundert Kilometern hörbar und dienen vermutlich der Balz sowie der Rivalität zwischen Männchen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in den tropischen Winterquartieren statt. Mehrere Männchen