Diapause
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Definition & Überblick
Die Diapause bezeichnet eine genetisch festgelegte Phase der Entwicklungshemmung oder Ruhepause bei Wirbellosen und Reptilien, die unabhängig von aktuell herrschenden Umweltbedingungen eintritt. Sie dient der Überbrückung ungünstiger Jahreszeiten – etwa extremer Hitze, Kälte oder Trockenheit – und ist ein wesentlicher Bestandteil des natürlichen Lebenszyklus vieler in der Terraristik gepflegter Arten. Im Unterschied zur Quieszenz, die eine direkte, reversible Reaktion auf widrige Bedingungen darstellt, wird die Diapause durch innere hormonelle Prozesse und saisonale Auslöser wie Tageslänge oder Temperaturveränderungen gesteuert.
In der Terraristik begegnet man der Diapause vor allem bei der Haltung von Wirbellosen (Gottesanbeterinnen, Käfer, Schmetterlingen, Asseln), bei bestimmten Reptilienarten im Zusammenhang mit einer Winterruhe sowie bei Futtertieren wie Heimchen oder Grillen. Wer solche Tiere artgerecht halten möchte, muss die Diapause verstehen, respektieren und im Terrarium oder Aufzuchtbehälter korrekt simulieren können. Sie ist kein optionaler Luxus, sondern eine biologische Notwendigkeit, die Gesundheit, Fortpflanzung und Lebenserwartung der Tiere maßgeblich beeinflusst.
Grundlagen & Voraussetzungen
Die Diapause lässt sich in verschiedene Typen unterteilen:
- Obligatorische Diapause: Sie tritt zwingend in einem bestimmten Entwicklungsstadium auf, unabhängig von den äußeren Bedingungen. Viele Mantiden-Ootheken aus gemäßigten Breiten müssen beispielsweise eine Kälteperiode durchlaufen, bevor die Nymphen schlüpfen.
- Fakultative Diapause: Sie wird nur bei bestimmten Umweltreizen ausgelöst, etwa bei abnehmender Tageslänge oder sinkenden Temperaturen. Manche Käferarten treten nur dann in Diapause, wenn die Bedingungen dies signalisieren.
Die Diapause kann je nach Art in unterschiedlichen Stadien auftreten – als Ei-Diapause, Larven-Diapause, Puppen-Diapause oder Imaginal-Diapause (bei erwachsenen Tieren). Im Körper des Tieres wird die Ruhephase durch Hormone gesteuert, insbesondere durch das Juvenilhormon und Ecdysteroide. Der Stoffwechsel wird dabei drastisch heruntergefahren, Energiereserven wie Fettgewebe werden nur minimal verbraucht.
Für die korrekte Simulation im Gehege oder Aufzuchtbehälter müssen folgende Parameter bekannt sein:
- Die natürliche Herkunft und das Klima des Verbreitungsgebiets der Art
- Das Entwicklungsstadium, in dem die Diapause eintritt
- Die erforderliche Dauer der Ruhephase (oft 8–16 Wochen)
- Die benötigten Temperaturen (häufig zwischen 4 und 15 °C)
- Die Feuchtigkeitsbedingungen während der Ruhephase
Praktische Umsetzung
Die konkrete Umsetzung der Diapause hängt stark von der gehaltenen Art ab. Am Beispiel einer europäischen Gottesanbeterin (Mantis religiosa) lässt sich das Vorgehen gut illustrieren:
Im Herbst legt das Weibchen eine Oothek (Eipaket) ab, die in der Natur den Winter über niedrigen Temperaturen ausgesetzt ist. In der Terraristik wird die Oothek in einem belüfteten Behälter auf leicht feuchtem Substrat platziert und für etwa 8–12 Wochen bei Temperaturen zwischen 5 und 10 °C gelagert – beispielsweise in einem separaten Kühlschrank oder einem kühlen Kellerraum. Die Luftfeuchtigkeit sollte regelmäßig kontrolliert werden, um Schimmelbildung oder Austrocknung zu vermeiden. Nach der Kälteperiode wird die Oothek schrittweise auf Zimmertemperatur gebracht, woraufhin die Nymphen innerhalb weniger Wochen schlüpfen.
Bei Käfern wie dem Rosenkäfer (Cetonia aurata) durchlaufen die adulten Tiere häufig eine Imaginal-Diapause. Hier empfiehlt es sich, das Gehege in einen kühlen Raum zu stellen und die Beleuchtung auf kurze Tageslichtphasen zu reduzieren, um den natürlichen Jahreszyklus nachzuahmen. Futter und Wasser werden nur minimal angeboten.
Auch bei manchen Reptilien, etwa europäischen Landschildkröten, wird der Begriff Diapause gelegentlich verwendet, obwohl hier streng genommen von einer Winterstarre oder Hibernation gesprochen wird. Die Prinzipien überlappen sich jedoch: Eine kontrollierte Absenkung von Temperatur und Licht ist entscheidend für den Hormonhaushalt und die Fortpflanzungsbereitschaft im Frühjahr.
Häufige Fehler
- Diapause überspringen: Der häufigste und schwerwiegendste Fehler. Ohne Kälteperiode schlüpfen bei obligatorischer Diapause keine Jungtiere, oder adulte Tiere zeigen Verhaltensstörungen, verminderte Fruchtbarkeit und eine verkürzte Lebensdauer. Dies ist aus Tierschutz-Perspektive problematisch.
- Falsche Temperaturen: Zu warme Bedingungen verhindern die vollständige Diapause. Zu kalte Temperaturen können Gewebe schädigen oder zum Tod führen, besonders bei tropischen Arten, die keine echte Kältediapause benötigen.
- Zu kurze Dauer: Eine verkürzte Ruhephase führt häufig zu Fehlentwicklungen oder asynchronem Schlupf. Artspezifische Mindestzeiten müssen unbedingt eingehalten werden.
- Vernachlässigung der Feuchtigkeit: Ootheken, Puppen oder ruhende Tiere trocknen in beheizten Wohnräumen oder schlecht belüfteten Behältern schnell aus. Gleichzeitig fördert Staunässe Schimmel und Pilzbefall.
- Abrupter Temperaturwechsel: Das plötzliche Überführen von Kälte in