Dorkasgazelle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gazella dorcas
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
- Gattung: Gazellen (Gazella)
- Lebensraum: Wüsten, Halbwüsten und trockene Steppen Nordafrikas und des Nahen Ostens
- Körperlänge: 90–110 cm
- Schulterhöhe: 55–65 cm
- Gewicht: 15–20 kg
- Lebenserwartung: 12–15 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 20 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Die Dorkasgazelle zählt zu den kleinsten Vertretern der Gattung Gazella. Ihr schlanker, leichtfüßiger Körperbau ist eine Anpassung an das Leben in offenen, trockenen Landschaften. Das kurze, glatte Fell zeigt auf der Oberseite eine sandbraune bis hellbeige Färbung, die zur Unterseite hin in reines Weiß übergeht. Zwischen diesen beiden Zonen verläuft ein schmaler, rotbrauner Seitenstreifen, der beim Erkennen der Art im Feld hilfreich ist. Das Gesicht trägt eine typische Gazellenzeichnung mit zwei weißen Streifen, die von den Augen zur Nase verlaufen, sowie dunklen, tränenstreifenartigen Linien unterhalb der großen, dunkelbraunen Augen.
Beide Geschlechter tragen Hörner, wobei sich diese deutlich unterscheiden. Die Hörner der Böcke sind kräftiger, leierförmig geschwungen und erreichen eine Länge von 25–38 cm. Bei den Weibchen sind sie kürzer, dünner und oft weniger stark gebogen. Die Ohren sind lang und schmal, die Hufe klein und hart – eine Anpassung an das Laufen auf steinigem und sandigem Untergrund.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Dorkasgazelle erstreckt sich über weite Teile Nordafrikas, von Marokko und der Westsahara im Westen über Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten bis zum Sudan. Darüber hinaus kommt die Art auf der Sinai-Halbinsel sowie in Teilen des Nahen Ostens vor, darunter Israel und Jordanien. Historisch war ihr Areal wesentlich größer; heute ist es stark fragmentiert.
Als Habitat bevorzugt die Dorkasgazelle aride Landschaften: Steinwüsten, sandige Halbwüsten, trockene Wadis und Steppengebiete mit spärlicher Vegetation. Sie besiedelt sowohl flache Ebenen als auch hügeliges Gelände und dringt gelegentlich in die Randzonen der Sahara vor. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist das Vorhandensein von Sträuchern und Gräsern, die als Nahrungsquelle und Deckung dienen.
Es werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter Gazella dorcas dorcas in Nordafrika und Gazella dorcas pelzelni am Horn von Afrika. Die taxonomische Zuordnung einiger Populationen wird in der Fachliteratur noch diskutiert.
Ernährung
Die Dorkasgazelle ist ein Mischäser, der sich sowohl von Gräsern als auch von Blättern, Trieben und Blüten verschiedener Wüstenpflanzen ernährt. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören Akazienblätter, sukkulente Pflanzen und verschiedene krautige Gewächse. In der Regenzeit, wenn frische Gräser verfügbar sind, nimmt der Anteil an Grasnahrung zu. In Trockenzeiten weicht sie verstärkt auf Laub, Samen und Wurzeln aus.
Eine herausragende physiologische Eigenschaft ist ihre Fähigkeit, über lange Zeiträume ohne direkte Wasserzufuhr zu überleben. Den Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs deckt sie über die Feuchtigkeit der aufgenommenen Pflanzennahrung. Steht offenes Wasser zur Verfügung, trinkt sie durchaus, doch sie ist nicht darauf angewiesen. Ihre Nieren sind in der Lage, den Urin stark zu konzentrieren, wodurch der Wasserverlust minimiert wird.
Verhalten & Lebensweise
Dorkasgazellen leben in kleinen Gruppen von drei bis zehn Tieren, bestehend aus einem Bock, mehreren Weibchen und deren Jungtieren. Außerhalb der Paarungszeit bilden sich gelegentlich auch reine Junggesellengruppen aus jungen Böcken. Ältere, dominante Männchen verteidigen ein Revier, das sie mit Kot und dem Sekret ihrer Voraugendrüsen markieren.
Die Aktivitätsmuster richten sich stark nach der Temperatur. In den heißen Sommermonaten sind Dorkasgazellen vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, um der extremen Mittagshitze zu entgehen. In kühleren Jahreszeiten verlagert sich die Aktivität in die Morgen- und Nachmittagsstunden. Tagsüber ruhen die Tiere im Schatten von Büschen oder Felsvorsprüngen.
Bei Gefahr durch Raubtiere wie Geparde, Schakale, Wüstenluchse oder Adler verlassen sich Dorkasgazellen auf ihre Schnelligkeit. Sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und vollführen beim Fliehen charakteristische hohe Sprünge – ein Verhalten, das als „Pronking" oder „Stotting" bezeichnet wird und vermutlich dem Raubtier die eigene Fitness signalisiert.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in Nordafrika meist in die Monate September bis November. In dieser Phase zeigen die Böcke ein ausgeprägtes Balzverhalten: Sie verfolgen die Weibchen mit vorgestrecktem Hals, trommeln mit den Vorderläufen auf den Boden und stoßen leise, nasale Laute aus. Rivalisierende Böcke tragen Kommentkämpfe aus, bei denen sie die Hörner ineinander verhaken und durch Schieben und Drehen die Kraft des Gegners testen.
Nach einer Tragzeit von etwa 180 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, seltener Zwillinge. Das Kalb wiegt bei der Geburt r