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Gabelbock

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Antilopen & Gazellen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Antilocapra americana
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Gabelhornträger (Antilocapridae)
  • Gattung: Antilocapra
  • Lebensraum: Offene Grasländer, Prärien und Halbwüsten Nordamerikas
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 100–150 cm, Schulterhöhe 80–104 cm
  • Gewicht: 36–70 kg (Böcke schwerer als Weibchen)
  • Lebenserwartung: 7–10 Jahre in freier Wildbahn, bis 12 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Gabelbock ist ein mittelgroßes, schlankes Huftier mit einem auffällig gezeichneten Fell. Die Oberseite des Körpers ist sandbraun bis rötlich-braun gefärbt, während Bauch, Brust, Innenseiten der Beine und das Hinterteil leuchtend weiß sind. Besonders markant ist der große weiße Spiegel am Hinterteil, dessen Haare bei Gefahr aufgestellt werden können und als Warnsignal für Artgenossen dienen. Am Hals tragen beide Geschlechter weiße Querstreifen, die von dunkelbraunen Bändern unterbrochen werden.

Das namensgebende Merkmal sind die Hörner, die bei Böcken 25–45 cm lang werden und etwa auf halber Höhe einen nach vorn gerichteten Zinken – die sogenannte Gabel – tragen. Weibchen besitzen deutlich kleinere Hörner, die selten über 10 cm hinausgehen und meist keinen sichtbaren Zinken ausbilden. Eine taxonomische Besonderheit: Die Hörner bestehen aus einem knöchernen Zapfen, der von einer Hornscheide umgeben ist. Diese Hornscheide wird jährlich abgeworfen und neu gebildet – ein Merkmal, das den Gabelbock von allen echten Antilopen und Gazellen unterscheidet und seine Sonderstellung innerhalb der Huftiere unterstreicht.

Die Augen des Gabelbocks sind auffallend groß und seitlich am Kopf positioniert, was ihm ein Gesichtsfeld von nahezu 320 Grad ermöglicht. Die Hufe sind gepolstert und besitzen keine Afterklauen, eine Anpassung an das schnelle Laufen über festen Prärieboden.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Gabelbocks erstreckt sich über weite Teile des westlichen Nordamerikas – von den südlichen Prärieprovinzen Kanadas (Alberta, Saskatchewan) über die Great Plains und das Große Becken der USA bis in den Norden Mexikos. Sein bevorzugtes Habitat sind offene, baumlose oder baumarme Landschaften: Kurzgrasprärien, Salbeisteppen, Halbwüsten und alpine Hochflächen bis etwa 3.500 m Höhe. Dicht bewaldete Gebiete meidet er konsequent, da seine Überlebensstrategie auf freie Sicht und schnelle Flucht über offenes Gelände ausgelegt ist.

Vor der europäischen Besiedlung Nordamerikas besiedelten Gabelböcke ein weit größeres Biotop. Die Bestände wurden im 19. Jahrhundert durch Jagd und Lebensraumverlust von geschätzten 35 Millionen auf unter 20.000 Tiere dezimiert. Heute leben durch intensive Schutzmaßnahmen wieder rund 700.000 bis eine Million Gabelböcke in Nordamerika.

Ernährung

Der Gabelbock ist ein Pflanzenfresser mit einer gemischten Ernährungsstrategie. Je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit frisst er Gräser, Kräuter, Sträucher und Kakteen. In den Wintermonaten bilden Salbeigewächse (vor allem Beifuß, Artemisia tridentata) einen Hauptbestandteil seiner Nahrung. Im Frühjahr und Sommer bevorzugt er frische Triebe, Wildblumen und krautige Pflanzen. Als Wiederkäuer besitzt er einen vierkammerigen Magen, der die effiziente Verwertung auch faserreicher Pflanzennahrung ermöglicht. Seinen Wasserbedarf deckt der Gabelbock zu großen Teilen über die aufgenommene Pflanzennahrung, kann aber bei Verfügbarkeit auch offene Wasserstellen aufsuchen.

Verhalten & Lebensweise

Gabelböcke sind überwiegend tagaktiv, mit Aktivitätsspitzen in den Morgen- und Abendstunden. Sie leben in Gruppen, deren Zusammensetzung jahreszeitlich stark variiert. Im Winter finden sich häufig gemischte Herden aus beiden Geschlechtern und Jungtieren zusammen, die mehrere hundert Individuen umfassen können. Im Sommer lösen sich diese Herden auf: Weibchen bilden kleinere Verbände, während die Böcke Reviere beanspruchen und diese gegenüber Rivalen verteidigen.

Die herausragendste Eigenschaft des Gabelbocks ist seine Geschwindigkeit. Er gilt als das schnellste Landsäugetier der westlichen Hemisphäre und erreicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 88 km/h. Noch eindrucksvoller ist seine Ausdauer: Über längere Distanzen hält er Geschwindigkeiten von 60–70 km/h aufrecht – eine Fähigkeit, die kein anderes Landsäugetier der Erde in vergleichbarer Form besitzt. Diese extreme Laufleistung erklärt sich vermutlich als evolutionäre Anpassung an inzwischen ausgestorbene Raubtiere der nordamerikanischen Prärie, darunter der Amerikanische Gepard (Miracinonyx).

Bei Gefahr stellen Gabelböcke die weißen Haare ihres Hinterspiegels auf, wodurch ein weithin sichtbares Warnsignal entsteht. Gleichzeitig sondern Duftdrüsen in diesem Bereich Duftstoffe ab, die andere Herdenmitglieder alarmieren.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit (Brunft) erstreckt sich von September bis Oktober. Während der Brunft markieren die Böcke ihr Revier mit Duftmarken aus speziellen Wangendrüsen und verteidigen es energisch. Die Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Böcken bestehen aus Imponiergehabe, parallelem Laufen und gelegentlichen Hornkämpfen, die jedoch selten zu ernsthaften Verletzungen führen.

Nach einer Tragzeit von etwa 235–250 Tagen bringt das Weibchen im späten Frü