Gnu
GTierart – Säugetiere > Huftiere – Antilopen & Gazellen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Connochaetes (Gattung); Streifengnu (Connochaetes taurinus), Weißschwanzgnu (Connochaetes gnou)
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Kuhantilopen (Alcelaphinae)
- Lebensraum: Offene Graslandschaften, Savannen, Buschland im östlichen und südlichen Afrika
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 170–240 cm, Schulterhöhe 115–145 cm
- Gewicht: 140–290 kg (je nach Art und Geschlecht)
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 24 Jahre
Aussehen & Merkmale
Gnus gehören zu den auffälligsten Antilopen Afrikas. Ihr Körperbau wirkt auf den ersten Blick unproportional: Der schwere, breite Kopf mit der stumpfen Schnauze sitzt auf einem kräftigen Hals, der muskulöse Vorderkörper fällt zur schmaleren Hinterhand deutlich ab. Beide Geschlechter tragen nach oben und innen gebogene Hörner, die beim Streifengnu eine typische Klammer- oder Bügelform aufweisen. Beim Weißschwanzgnu sind die Hörner stärker nach vorn und oben geschwungen.
Das Fell des Streifengnus ist schiefergrau bis dunkelbraun gefärbt und zeigt an den Flanken dunkle Querstreifen, die der Art ihren Namen geben. Eine schwarze Mähne verläuft vom Nacken bis zum Widerrist, und ein langer, dunkler Kinnbart ziert die Unterseite des Kopfes. Der Schwanz ist schwarz und erinnert an einen Pferdeschwanz. Das Weißschwanzgnu – auch Schwarzes Gnu genannt – unterscheidet sich durch ein insgesamt dunkleres, fast schwarzbraunes Fell, einen auffällig weißen, buschigen Schwanz und eine aufrechte, helle Mähne.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gnus erstreckt sich über das östliche und südliche Afrika. Das Streifengnu besiedelt ein weites Areal von Kenia und Tansania über Mosambik bis nach Südafrika. Sein bevorzugtes Habitat sind kurzgrasige Savannen, offene Grasebenen und lichte Akazienwälder. Besonders hohe Populationsdichten finden sich im Serengeti-Mara-Ökosystem, wo über 1,5 Millionen Streifengnus leben.
Das Weißschwanzgnu war einst über die Hochebenen Südafrikas – insbesondere das Highveld und die Karoo – weit verbreitet. Durch intensive Bejagung und den Verlust von Grasland an die Landwirtschaft wurde die Art im 19. Jahrhundert beinahe ausgerottet. Heute existieren wieder mehrere Tausend Individuen, die überwiegend auf privaten Farmen und in Schutzgebieten leben.
Ernährung
Gnus sind reine Grasfresser (Graminivoren). Ihre breite Schnauze und die kräftigen Schneidezähne sind optimal an das Abweiden kurzer Gräser angepasst. Sie bevorzugen frische, nährstoffreiche Triebe, die nach Regenfällen sprießen. In der Trockenzeit weichen sie auf trockenere Grasbestände aus oder folgen den Regenfällen über große Distanzen. Der tägliche Wasserbedarf ist hoch; Gnus suchen in der Regel mindestens einmal am Tag eine Wasserstelle auf, was ihre Wanderrouten maßgeblich beeinflusst.
Verhalten & Lebensweise
Gnus sind ausgesprochen gesellige Tiere. Streifengnus bilden Herden, deren Größe von wenigen Dutzend bis zu mehreren Hunderttausend Individuen reichen kann. Innerhalb dieser Herdenverbände halten territoriale Bullen während der Brunftzeit kleine Reviere, die sie durch Markierung mit Kotplätzen und Sekret aus den Voraugendrüsen abgrenzen. Dabei stoßen sie tiefe, nasale Rufe aus – das typische „gnu-gnu", das wahrscheinlich zur Namensgebung beigetragen hat.
Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, fressen vorwiegend in den kühleren Morgen- und Abendstunden und ruhen während der Mittagshitze. Ihre Hauptfeinde sind Löwen, Tüpfelhyänen, Leoparden, Geparde und Afrikanische Wildhunde. Krokodile stellen insbesondere bei Flussüberquerungen eine erhebliche Gefahr dar. Gnus reagieren auf Raubtiere mit schneller Flucht; sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h.
Die Große Wanderung (Great Migration) der Streifengnus in der Serengeti ist eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele der Erde. Jährlich ziehen riesige Herden auf einer annähernd kreisförmigen Route zwischen den südlichen Ebenen der Serengeti und der kenianischen Masai Mara. Ausgelöst wird diese Wanderung durch den Wechsel von Regen- und Trockenzeit und das damit verbundene Nahrungsangebot. Die Tiere legen dabei eine Gesamtstrecke von rund 1.000 bis 3.000 Kilometern pro Jahr zurück.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit der Streifengnus fällt in die Regenzeit, typischerweise zwischen März und Mai. Territoriale Bullen versuchen, durchziehende Weibchen in ihrem Revier zu halten, und konkurrieren dabei intensiv mit Rivalen. Diese Auseinandersetzungen äußern sich in Imponiergehabe, lautem Rufen und gelegentlichen Hornkämpfen.
Nach einer Tragzeit von etwa 8 bis 8,5 Monaten bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt. Die Geburten erfolgen synchron innerhalb weniger Wochen – ein Phänomen, das als „Schwarmgeburt" (predator swamping) bezeichnet wird. Durch die gleichzeitige Anwesenheit tausender Neugeborener sinkt das individuelle Risiko jedes einzelnen Kalbes, einem Raubtier zum Opfer zu fallen. Gnukälber sind Nestflüchter: Sie stehen bereits wenige Minuten nach der Geburt auf und können ihrer Mutter innerhalb einer Stunde folgen. Dies ist in der offenen Savanne,