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Gerenuk

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Antilopen & Gazellen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Litocranius walleri
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hornträger (Bovidae)
  • Unterfamilie: Antilopinae
  • Gattung: Litocranius
  • Lebensraum: Trockene Dornbuschsavannen und Halbwüsten Ostafrikas
  • Größe: Schulterhöhe 90–105 cm, Kopf-Rumpf-Länge 140–160 cm
  • Gewicht: 28–52 kg (Männchen schwerer als Weibchen)
  • Lebenserwartung: 10–12 Jahre in freier Wildbahn, bis 13 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Das Gerenuk, auch als Giraffengazelle bekannt, gehört zu den unverkennbarsten Antilopen Afrikas. Seinen deutschen Trivialnamen verdankt es dem auffällig langen, schlanken Hals, der an eine Miniaturausgabe einer Giraffe erinnert. Der Name „Gerenuk" stammt aus der somalischen Sprache und bedeutet „giraffenhalsig" (gaar-a-nuug).

Der Körperbau ist insgesamt schlank und hochbeinig. Die Beine sind lang und dünn, die Hufe schmal. Der Kopf wirkt im Verhältnis zum Hals klein und ist keilförmig mit großen, rundlichen Ohren und auffallend großen Augen. Das Fell ist kurz und glatt. Die Oberseite des Körpers zeigt eine rotbraune bis zimtfarbene Tönung, die Flanken sind heller, und die Unterseite sowie die Innenseiten der Beine sind weißlich. Entlang der Flanken verläuft eine deutliche Farbgrenze zwischen der dunklen Oberseite und der hellen Unterseite. Im Nacken zieht sich ein dunkler Streifen vom Hinterkopf bis zum Rücken.

Nur Männchen tragen Hörner. Diese sind kräftig, leierförmig geschwungen und mit ringartigen Wülsten versehen. Sie erreichen eine Länge von 25–44 cm. Die präorbitalen Drüsen vor den Augen sind bei beiden Geschlechtern gut entwickelt und dienen der Duftmarkierung.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Gerenuks erstreckt sich über das östliche Afrika. Die Art kommt in Äthiopien, Somalia, Dschibuti, Kenia und dem nordöstlichen Tansania vor. Ihr bevorzugtes Habitat sind trockene Dornbuschsavannen, Akaziensteppen und halbwüstenartige Landschaften mit dichtem Buschwerk. Offene Grasländer meidet das Gerenuk, ebenso wie dicht bewaldete Gebiete. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein von strauchiger und baumartiger Vegetation, die als Nahrungsquelle dient. Das Biotop liegt überwiegend in Tieflandregionen, kann aber bis in Höhenlagen von etwa 1.800 Metern reichen.

Es werden zwei Unterarten unterschieden: Litocranius walleri walleri im südlichen Teil des Verbreitungsgebiets (Kenia, Tansania) und Litocranius walleri sclateri im nördlichen Teil (Somalia, Äthiopien, Dschibuti).

Ernährung

Das Gerenuk ist ein reiner Laubfresser (Browser). Anders als viele Gazellen und Antilopen, die überwiegend Gras fressen, ernährt es sich ausschließlich von Blättern, Trieben, Blüten, Knospen und Früchten von Büschen und Bäumen. Zu den bevorzugten Nahrungspflanzen gehören verschiedene Akazienarten, Commiphora-Sträucher und andere Dornbuschgewächse.

Die wohl auffälligste Verhaltensweise des Gerenuks ist das Fressen im aufrechten Stand auf den Hinterbeinen. Dabei stützt es sich häufig mit den Vorderbeinen an Ästen ab und reckt den langen Hals, um Blätter in Höhen von bis zu zwei Metern zu erreichen. Diese Nahrungsnische ist unter Antilopen einzigartig und reduziert die Konkurrenz mit anderen Pflanzenfressern im selben Lebensraum. Dank der wasserspeichernden Nahrung ist das Gerenuk weitgehend unabhängig von freiem Trinkwasser und kann auch in extrem trockenen Gebieten überleben, in denen andere Huftiere nicht bestehen können.

Verhalten & Lebensweise

Gerenuks sind überwiegend tagaktiv, wobei die Hauptaktivitätsphasen in den kühleren Morgen- und Abendstunden liegen. Während der Mittagshitze ruhen die Tiere im Schatten von Büschen.

Die Sozialstruktur ist wenig komplex. Gerenuks leben einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen von zwei bis sechs Tieren. Typische Gruppenkonstellationen sind Weibchen mit ihrem Nachwuchs oder kleine Weibchengruppen. Erwachsene Männchen sind meist Einzelgänger und verteidigen ein Revier, das sie mit dem Sekret ihrer Voraugendrüsen an Zweigen und Ästen markieren. Dabei reiben sie die Drüsen gezielt an Pflanzenteilen. Zusätzlich markieren Männchen ihr Territorium durch Kotplätze, die regelmäßig aufgesucht werden.

Konflikte zwischen Männchen werden durch ritualisierte Kämpfe ausgetragen, bei denen die Kontrahenten ihre Hörner ineinanderhaken und die Kräfte messen. Ernsthafte Verletzungen sind selten. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Leoparden, Geparden, Löwen, Afrikanische Wildhunde und Hyänen. Bei Gefahr erstarren Gerenuks zunächst reglos, um durch ihre Körperfärbung mit der Umgebung zu verschmelzen. Erst bei unmittelbarer Bedrohung flüchten sie in schnellem Trab, wobei sie den Hals waagerecht nach vorn strecken.

Fortpflanzung & Aufzucht

Gerenuks pflanzen sich ganzjährig fort, wobei in manchen Regionen saisonale Häufungen beobachtet werden. Vor der Paarung prüft das Männchen die Paarungsbereitschaft des Weibchens durch Beschnuppern des Urins (Flehmen). Die Tragzeit beträgt etwa 165 Tage (rund 5,5 Monate). In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren, Zwillingsgeburten sind selten