Dummytraining
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Definition und Überblick
Dummytraining ist eine Beschäftigungs- und Ausbildungsform für Hunde, die ihren Ursprung in der jagdlichen Arbeit von Retrievern hat. Bei dieser Trainingsmethode werden sogenannte Dummys – mit Kunststoffgranulat oder Sand gefüllte Leinensäckchen – als Apportiergegenstand eingesetzt. Der Hund lernt, diese Dummys auf Kommando zu suchen, aufzunehmen und seinem Hundeführer zuverlässig in die Hand zu bringen. Was ursprünglich als Trainingsersatz für die Arbeit mit Wild entwickelt wurde, hat sich längst zu einer eigenständigen Hundesportart etabliert, die unter dem Namen Dummyarbeit oder Working Test auch wettkampfmäßig betrieben wird.
Im Gegensatz zur echten Jagdarbeit ist Dummytraining unblutig und kann von jedem Hundehalter betrieben werden – unabhängig vom Besitz eines Jagdscheins. Das Training eignet sich grundsätzlich für alle Hunderassen, auch wenn Retriever-Rassen wie Labrador Retriever, Golden Retriever, Flat Coated Retriever und Nova Scotia Duck Tolling Retriever aufgrund ihrer genetischen Veranlagung besonders prädestiniert sind.
Herkunft und Entwicklung
Der Begriff „Dummy" stammt aus dem Englischen und bedeutet Attrappe oder Nachbildung. In Großbritannien wurden Dummys seit Jahrzehnten verwendet, um Jagdhunde außerhalb der Jagdsaison in Übung zu halten. Insbesondere bei der Ausbildung junger Retriever setzte man Leinensäckchen ein, um das Apportieren von geschossenem Federwild zu simulieren, ohne dafür echtes Wild zu benötigen.
In Deutschland gewann die Dummyarbeit ab den 1990er-Jahren zunehmend an Popularität. Der Deutschen Retriever Club (DRC) und andere Rassezuchtvereine organisierten erste Working Tests nach britischem Vorbild. Heute bieten zahlreiche Hundeschulen, Retriever-Vereine und Hundesportverbände Dummytraining als festen Bestandteil ihres Kursprogramms an.
Die drei Grunddisziplinen
Das Dummytraining gliedert sich in drei zentrale Aufgabenbereiche, die unterschiedliche Fähigkeiten von Hund und Mensch fordern:
- Markierung (Marking): Der Hund beobachtet, wie ein oder mehrere Dummys geworfen werden, und prägt sich die Fallstelle ein. Auf ein Signal des Hundeführers hin läuft er zielstrebig zur markierten Stelle und bringt den Dummy zurück. Hier werden Merkfähigkeit, Konzentration und die sogenannte Standruhe geprüft – der Hund muss ruhig neben dem Führer sitzen bleiben, bis er geschickt wird.
- Einweisen (Blind Retrieve / Directed Retrieve): Bei dieser anspruchsvollen Disziplin hat der Hund den Fall des Dummys nicht gesehen. Der Hundeführer leitet den Hund durch Handzeichen, Pfeifensignale und verbale Kommandos an die Stelle, an der der Dummy liegt. Diese Übung erfordert ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Hund und Mensch sowie exakten Gehorsam auf Distanz. Der Hund muss dabei Stopppfiff, Richtungsanweisungen und Rückruf sicher beherrschen.
- Freiverlorensuche (Free Search): In einem definierten Gelände sind mehrere Dummys ausgelegt. Der Hund wird in das Suchgebiet geschickt und soll selbstständig alle Dummys finden und einzeln zurückbringen. Dabei nutzt er vor allem seine Nase und arbeitet weitgehend eigenständig. Diese Disziplin fördert besonders den Jagdinstinkt, die Suchfreude und die Ausdauer des Hundes.
Ausrüstung und Trainingsmaterial
Die Grundausstattung für das Dummytraining ist überschaubar. Standarddummys bestehen aus grünem oder weißem Canvas-Stoff und wiegen in der Regel 500 Gramm, was dem Gewicht eines Fasans entspricht. Daneben gibt es weitere Varianten:
- Welpen-Dummys: Kleinere, leichtere Ausführungen (etwa 250 Gramm) für den Einstieg mit Junghunden
- Wasserdummys: Schwimmfähige Modelle für das Training an Gewässern
- Felldummys: Mit Kaninchen- oder Entenfell überzogene Dummys, die den Kontakt mit echtem Wild simulieren
- Futterdummys: Dummys mit integriertem Futterfach, die den Apportierinstinkt über Futtermotivation aufbauen
Unverzichtbar ist außerdem eine Hundepfeife – meist die weit verbreitete ACME-Pfeife mit definierter Tonhöhe (z. B. 210,5 oder 211,5). Die Pfeife erzeugt einen gleichbleibenden, weithin hörbaren Ton und dient als zentrales Kommunikationsmittel auf Distanz. Gängige Pfeifensignale sind der einfache Pfiff als Stoppsignal, der Doppelpfiff als Rückruf und Trillerpfiffe als Such-Signal.
Trainingsaufbau und Methodik
Der Einstieg ins Dummytraining erfolgt schrittweise. Bereits Welpen können spielerisch an das Aufnehmen und Tragen von Gegenständen herangeführt werden. Dabei steht der Spaß am Apportieren im Vordergrund – Zwang oder Druck sind kontraproduktiv und können die Apportierfreude dauerhaft beeinträchtigen.
Ein strukturierter Trainingsplan umfasst mehrere Phasen: Zunächst wird das zuverlässige Grundgehorsam aufgebaut – Sitz, Bleib, Rückruf und Leinenführigkeit bilden das Fundament. Anschließend folgt das Apportiertraining mit kurzen, einfachen Würfen. Erst wenn der Hund den Dummy freudig und sicher in die Hand des Führers abgibt, werden Entfernung und Komplexität gesteigert.
Parallel dazu wird die Arbeit mit der Pfeife eingeführt. Der Stopppfiff gilt als eines der zentralen Elemente: Der Hund soll auf einen einzelnen Pfiff sofort absitzen und Blickkontakt zum Hundeführer aufnehmen. Dieses Kommando bildet die Grundlage für das spätere Einweisen, da der Hund nur über kontrollierte Stopps auf Distanz gelenkt werden kann.
Fortgeschritt