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Elfenbein

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Definition und Überblick

Elfenbein bezeichnet das Zahnbein (Dentin) der Stoßzähne von Elefanten. Im weiteren Sinne wird der Begriff auch auf vergleichbare Materialien anderer Tierarten angewandt, etwa auf die Stoßzähne von Walrossen, Narwalen und Flusspferden oder auf die Zähne von Pottwalen und Wildschweinen. Im engeren und gebräuchlichsten Sinne meint Elfenbein jedoch das Material der Stoßzähne des Afrikanischen und des Asiatischen Elefanten. Es handelt sich um eines der ältesten von Menschen genutzten Tiermaterialien, das seit Jahrtausenden als Werkstoff für Kunstgegenstände, Schmuck und Gebrauchsobjekte dient. Aufgrund der massiven Wilderei und der daraus resultierenden Bedrohung der Elefantenpopulationen unterliegt der Handel mit Elfenbein heute strengen internationalen Verboten.

Zusammensetzung und Eigenschaften

Elfenbein besteht hauptsächlich aus Dentin, einem knochenähnlichen Gewebe, das zu etwa 70 Prozent aus anorganischem Material (überwiegend Hydroxylapatit) und zu rund 20 Prozent aus organischen Substanzen (vor allem Kollagen) aufgebaut ist. Der restliche Anteil entfällt auf Wasser. Diese Zusammensetzung verleiht dem Material seine charakteristische Kombination aus Härte und gleichzeitiger Elastizität.

Typische Eigenschaften von Elfenbein sind:

  • Farbe: Cremeweiß bis gelblich, mit zunehmendem Alter nachdunkelnd (Patina)
  • Härte: Etwa 2,5 bis 3 auf der Mohs-Skala, vergleichbar mit Kalkstein
  • Textur: Feinporig, glatt polierbar, mit charakteristischen sogenannten Schreger-Linien – einem kreuzschraffurähnlichen Muster im Querschnitt, das ausschließlich bei Elefantenstoßzähnen vorkommt und zur Identifikation herangezogen wird
  • Bearbeitbarkeit: Gut schnitzbar, drechselbar und gravierbar

Die Stoßzähne eines Afrikanischen Elefantenbullen können eine Länge von über drei Metern und ein Gewicht von über 100 Kilogramm erreichen. Asiatische Elefanten besitzen in der Regel kleinere Stoßzähne; bei Asiatischen Elefantenkühen fehlen sie häufig ganz.

Historische Nutzung

Die Verwendung von Elfenbein reicht bis in die Altsteinzeit zurück. Bereits vor rund 40.000 Jahren schnitzten Menschen aus Mammutelfenbein Tierfiguren und Schmuck – die berühmte Venus vom Hohlefels aus der Schwäbischen Alb zählt zu den ältesten bekannten Kunstwerken der Menschheit. In der Antike verarbeiteten ägyptische, griechische und römische Handwerker Elfenbein zu Möbeleinlagen, Statuetten und rituellen Gegenständen. Die chryselephantine Technik – die Kombination von Gold und Elfenbein – kam bei monumentalen Tempelstatuen wie der Zeus-Statue von Olympia zum Einsatz.

Im Mittelalter entstanden in Europa aufwendige Elfenbeinschnitzereien für kirchliche Zwecke: Buchdeckel, Reliquiare und liturgische Geräte. Ab dem 17. und 18. Jahrhundert wurde Elfenbein verstärkt für profane Luxusgüter genutzt – Klaviertasten, Billardkugeln, Fächer, Schachfiguren und Messergriffe. Der Bedarf stieg im 19. Jahrhundert während der Kolonialzeit drastisch an. Der Elfenbeinhandel war eng mit dem Sklavenhandel in Ost- und Zentralafrika verknüpft, da versklavte Menschen die schweren Stoßzähne zu den Küstenhäfen tragen mussten.

Elfenbeinhandel und ökologische Folgen

Die industrielle Nachfrage nach Elfenbein führte zu einer verheerenden Dezimierung der Elefantenpopulationen. Schätzungen zufolge lebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch mehrere Millionen Afrikanische Elefanten; bis in die 1980er Jahre sank ihre Zahl auf unter 600.000. Jährlich wurden in Spitzenzeiten bis zu 100.000 Elefanten für ihre Stoßzähne getötet. Die Wilderei richtete sich bevorzugt gegen Tiere mit besonders großen Stoßzähnen, was durch selektive Entnahme langfristig die genetische Zusammensetzung ganzer Populationen veränderte. In stark bejagten Gebieten stieg der Anteil stoßzahnloser Elefanten messbar an – ein Phänomen, das Biologen als evolutionäre Reaktion auf den Jagddruck werten.

Auch Asiatische Elefanten sind betroffen. Da bei dieser Art vorwiegend Bullen Stoßzähne tragen, führte die Bejagung zu einem verzerrten Geschlechterverhältnis, das die Fortpflanzungsfähigkeit der Herden beeinträchtigte.

Rechtliche Regelungen und Artenschutz

1989 stufte das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) den Afrikanischen Elefanten in Anhang I ein und verbot damit den internationalen kommerziellen Handel mit Elfenbein weitgehend. Einzelne Länder des südlichen Afrikas (Botswana, Namibia, Simbabwe, Südafrika) erhielten zeitweise Ausnahmegenehmigungen für kontrollierte Verkäufe aus staatlichen Lagerbeständen – zuletzt 2008, als rund 100 Tonnen Elfenbein an Japan und China verkauft wurden. Diese Einmalverkäufe sind unter Artenschützern umstritten, da sie nach Einschätzung vieler Experten die Nachfrage erneut anheizten und illegalen Handel begünstigten.

Zahlreiche Länder verschärften ihre nationalen Gesetze in den Folgejahren. China schloss 2017 seinen legalen Inlandsmarkt für Elfenbein, Großbritannien verabschiedete 2018 eines der striktesten Elfenbeinhandelsverbote weltweit, und auch innerhalb der EU gelten seit 2022 verschärfte Handelsbeschränkungen, die den Verkauf von Rohelfenbein vollständig untersagen.

Trotz dieser Maßnahmen bleibt die illegale Wilderei ein ernstes Problem. Interpol und nationale Ermittlungsbehörden beschlagnahmen regelmäßig große Mengen geschmuggeltes Elfenbein, wobei Hauptabsatzmärkte in Südostasien und Teilen Afrikas liegen. Moderne Methoden wie DNA-Analysen