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Karmin

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Definition und Überblick

Karmin ist ein natürlicher roter Farbstoff tierischen Ursprungs, der aus den Körpern weiblicher Schildläuse der Art Dactylopius coccus gewonnen wird. Diese Insekten, auch als Cochenilleschildläuse oder Cochenilleläuse bekannt, leben als Parasiten auf Feigenkakteen (Opuntien) in Mittel- und Südamerika. Der Farbstoff wird seit Jahrhunderten zur Färbung von Textilien, Lebensmitteln, Kosmetika und pharmazeutischen Produkten verwendet. In der Lebensmittelindustrie ist Karmin unter der europäischen Zusatzstoffnummer E 120 zugelassen und zählt zu den ältesten bekannten Farbstoffen der Welt.

Herkunft und Geschichte

Die Nutzung von Cochenille reicht bis in die vorkolumbische Zeit zurück. Bereits die Azteken und Maya züchteten die Schildläuse systematisch auf Nopalfeldern und verwendeten den daraus gewonnenen Farbstoff zum Färben von Stoffen, Körperbemalung und rituellen Zwecken. Nach der spanischen Eroberung Mexikos im 16. Jahrhundert gelangte Cochenille als begehrtes Handelsgut nach Europa, wo der Farbstoff schnell den bis dahin verwendeten Kermes verdrängte. Karmin wurde zeitweise so wertvoll gehandelt, dass es nach Gold und Silber das drittwichtigste Exportgut Mexikos darstellte.

Mit der Erfindung synthetischer Anilinfarben im 19. Jahrhundert verlor Karmin in der Textilindustrie an Bedeutung. In der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie erlebte der Naturfarbstoff jedoch eine Renaissance, da synthetische Farbstoffe zunehmend in die Kritik gerieten und Verbraucher natürliche Alternativen bevorzugten.

Gewinnung und Herstellung

Die Gewinnung von Karmin beginnt mit der Zucht der Cochenilleschildläuse auf Feigenkakteen. Die Hauptanbaugebiete befinden sich heute in Peru, das etwa 80–85 Prozent der weltweiten Produktion abdeckt, sowie in Mexiko, den Kanarischen Inseln, Chile und Bolivien. Die weiblichen Schildläuse, die einen Durchmesser von etwa fünf Millimetern erreichen, produzieren die farbgebende Substanz Karminsäure als Abwehrstoff gegen Fressfeinde.

Der Herstellungsprozess umfasst mehrere Schritte:

  • Ernte: Die weiblichen Schildläuse werden von Hand oder mit speziellen Bürsten von den Kakteen abgesammelt. Dies geschieht etwa drei Monate nach dem Befall der Pflanze, wenn die Insekten ihren maximalen Farbstoffgehalt erreicht haben.
  • Trocknung: Die gesammelten Läuse werden durch Sonnentrocknung, Heißluft oder Dampfbehandlung abgetötet und getrocknet. Durch die Trocknung verlieren sie etwa zwei Drittel ihres Körpergewichts.
  • Extraktion: Die getrockneten Insektenkörper werden zerkleinert und mit heißem Wasser oder einer Alkohol-Wasser-Mischung ausgekocht. Dabei löst sich die Karminsäure heraus.
  • Fällung: Durch Zugabe von Aluminiumsalzen entsteht ein Aluminium-Karminsäure-Komplex, der als eigentlicher Karminfarbstoff ausgefällt wird. Dieses sogenannte Karminlack-Pigment ist wasserunlöslich und besonders farbintensiv.

Für die Herstellung von einem Kilogramm Karminpulver werden etwa 100.000 bis 150.000 getrocknete Schildläuse benötigt. Der Gehalt an Karminsäure in den getrockneten Insekten liegt bei etwa 19 bis 24 Prozent.

Chemische Eigenschaften

Der farbgebende Bestandteil von Karmin ist die Karminsäure (C₂₂H₂₀O₁₃), ein Anthrachinon-Derivat. In reiner Form bildet sie dunkelrote Kristalle. Die Farbintensität variiert je nach pH-Wert der Umgebung: In saurer Lösung erscheint Karmin orangegelb, bei neutralem pH-Wert leuchtend rot und in alkalischer Umgebung violett. Diese pH-Abhängigkeit macht den Farbstoff vielseitig einsetzbar, erfordert jedoch eine sorgfältige Abstimmung bei der Anwendung.

Karmin zeichnet sich durch eine hohe Licht- und Hitzestabilität aus und ist gegenüber Oxidation weitgehend beständig. Diese Eigenschaften machen den Farbstoff für industrielle Anwendungen besonders geeignet, da er seine Farbe auch bei der Verarbeitung und Lagerung von Produkten zuverlässig behält.

Verwendung

Karmin findet in zahlreichen Bereichen Anwendung:

  • Lebensmittelindustrie: Als E 120 wird Karmin zur Färbung von Süßwaren, Joghurt, Fruchtsäften, Wurstwaren, Marmeladen, Gelees und Limonaden eingesetzt. Besonders in Campari war Karmin bis 2006 der klassische Farbgeber.
  • Kosmetik: Lippenstifte, Rouge, Lidschatten und Nagellack enthalten häufig Karmin als rotes Pigment. In der internationalen Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe wird es als CI 75470 geführt.
  • Pharmazie: Tabletten, Kapseln und Sirup werden mit Karmin eingefärbt.
  • Kunst und Textil: In der Malerei dient Karmin als Pigment, und historisch spielte es in der Textilfärbung eine zentrale Rolle.

Kennzeichnung und Kontroversen

In der Europäischen Union unterliegt Karmin als Lebensmittelzusatzstoff der Kennzeichnungspflicht. Es muss als „E 120", „Karmin", „Cochenille" oder „echtes Karmin" auf der Zutatenliste aufgeführt werden. Für Veganer, Vegetarier und Menschen, die aus religiösen Gründen tierische Produkte meiden, ist diese Kennzeichnung von großer Bedeutung, da der tierische Ursprung des Farbstoffs nicht offensichtlich ist.

In seltenen Fällen kann Karmin allergische Reaktionen auslösen, die von Hautausschlägen bis hin zu anaphylaktischen Schocks reichen. Auslöser sind dabei Protein