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Kaschmir

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Definition und Überblick

Kaschmir, auch als Cashmere bezeichnet, ist eine der edelsten und teuersten Naturfasern tierischen Ursprungs. Die Faser wird aus dem feinen Unterhaar der Kaschmirziege (Capra hircus laniger) gewonnen, die vorwiegend in den Hochlandregionen Zentralasiens beheimatet ist. Der Name leitet sich von der historischen Region Kaschmir im nördlichen Teil des indischen Subkontinents ab, wo die Verarbeitung dieser Faser eine jahrhundertealte Tradition besitzt. Kaschmirwolle zeichnet sich durch außergewöhnliche Weichheit, geringes Gewicht und hervorragende Wärmeisolation aus und gilt weltweit als Luxusfaser in der Textilindustrie.

Herkunft und Zucht der Kaschmirziege

Die Kaschmirziege ist keine einzelne Rasse, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Ziegenrassen, die das begehrte feine Unterhaar (Duvet) produzieren. Zu den bekanntesten Rassen zählen die Changthangi-Ziege aus Ladakh, die Pashmina-Ziege aus Nepal sowie verschiedene mongolische und chinesische Ziegenrassen. Diese Tiere haben sich über Jahrtausende an extreme klimatische Bedingungen angepasst: bittere Kälte, starke Winde und große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht prägen ihren Lebensraum in Höhenlagen von 3.000 bis über 5.000 Metern.

Die wichtigsten Erzeugerländer sind China (insbesondere die Innere Mongolei), die Mongolei, Iran, Afghanistan und Indien (vor allem die Regionen Ladakh und Kaschmir). China dominiert die weltweite Produktion mit einem Anteil von rund 70 Prozent. Inzwischen werden Kaschmirziegen auch in geringerem Umfang in Australien, Neuseeland, Schottland und den USA gehalten.

Fasergewinnung und Verarbeitung

Das Fell der Kaschmirziege besteht aus zwei Schichten: dem groben, langen Deckhaar (Grannenhaar) und dem darunter liegenden, extrem feinen Unterhaar (Flaumhaar oder Duvet). Nur dieses Unterhaar wird als Kaschmirfaser genutzt. Es bildet sich als natürlicher Kälteschutz im Herbst und wird im Frühjahr beim natürlichen Haarwechsel abgestoßen.

Die Gewinnung erfolgt auf zwei Wegen:

  • Auskämmen: In der traditionellen Methode wird das lose Unterhaar während des Fellwechsels im Frühjahr (März bis Mai) mit speziellen Kämmen vorsichtig aus dem Fell herausgekämmt. Dieses Verfahren ist schonender für das Tier und liefert in der Regel die hochwertigere Faser.
  • Scheren: In einigen Regionen wird das gesamte Fell geschoren und anschließend maschinell enthaart, also das Deckhaar vom Unterhaar getrennt.

Eine einzelne Ziege liefert pro Jahr lediglich 100 bis 200 Gramm verwertbares Unterhaar – ein Bruchteil dessen, was ein Schaf an Wolle produziert. Für einen einzigen Kaschmirpullover werden die Fasern von drei bis fünf Ziegen benötigt. Nach der Gewinnung durchläuft die Rohfaser mehrere Verarbeitungsschritte: Waschen, Enthaaren (Trennung von Grannenhaar und Duvet), Sortieren nach Feinheit und Farbe, Kardieren, Spinnen und schließlich Weben oder Stricken.

Eigenschaften und Qualitätsmerkmale

Die Qualität von Kaschmirfasern wird anhand mehrerer Parameter bestimmt:

  • Faserdurchmesser: Hochwertiges Kaschmir besitzt einen Durchmesser von 14 bis 16 Mikrometern. Der internationale Standard setzt die Obergrenze bei 19 Mikrometern – Fasern darüber gelten nicht als echtes Kaschmir.
  • Faserlänge: Längere Fasern (ab 34 Millimetern) ergeben stabilere und weniger zur Pillingbildung neigende Garne.
  • Farbe: Natürliche Farbtöne reichen von Weiß über Grau und Braun bis Schwarz. Weiße Fasern erzielen die höchsten Preise, da sie sich leichter in beliebige Farben einfärben lassen.
  • Reinheit: Der Anteil an Grannenhaar, Schmutz und pflanzlichen Rückständen beeinflusst die Qualität erheblich.

Im Vergleich zu Schafwolle ist Kaschmirfaser etwa dreimal so isolierend bei deutlich geringerem Gewicht. Sie fühlt sich weicher an als Merinowolle und besitzt eine natürliche Elastizität, die Kleidungsstücken Formstabilität verleiht. Allerdings ist die Faser empfindlicher gegenüber mechanischer Beanspruchung und erfordert sorgfältige Pflege.

Wirtschaftliche Bedeutung und Markt

Die weltweite Jahresproduktion von Rohkaschmir liegt bei geschätzten 15.000 bis 20.000 Tonnen, wobei nach der Verarbeitung nur etwa 6.000 bis 8.000 Tonnen reine Kaschmirfaser übrig bleiben. Diese begrenzte Verfügbarkeit erklärt den hohen Preis: Rohkaschmir kostet ein Vielfaches von Schafwolle, und verarbeitete Kaschmirprodukte zählen zum Luxussegment der Textilindustrie.

Die wichtigsten Verarbeitungszentren befinden sich in China, Italien (insbesondere in Biella und Prato) und Schottland. Traditionelle Pashmina-Weberei in Kaschmir und Nepal, bei der besonders feine Fasern von Hand zu Schals und Tüchern verarbeitet werden, ist von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Tierwohl und ökologische Aspekte

Die steigende globale Nachfrage nach Kaschmirfasern hat in den Erzeugerländern zu einer massiven Aufstockung der Ziegenherden geführt. In der Mongolei etwa hat sich der Ziegenbestand seit den 1990er Jahren vervielfacht. Dies hat schwerwiegende ökologische Folgen: Überweidung und Desertifikation großer Steppengebiete, Verlust von Biodiversität und