Erlenzeisig
ETierart – Vögel > Singvögel – Finken & Ammern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Spinus spinus (früher Carduelis spinus)
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Finken (Fringillidae)
- Gattung: Spinus
- Lebensraum: Nadel- und Mischwälder, bevorzugt mit Fichten und Erlen
- Größe: 11–12,5 cm
- Gewicht: 10–14 g
- Flügelspannweite: 20–23 cm
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn, in Einzelfällen bis 11 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Erlenzeisig ist ein kleiner, kompakter Finkenvogel mit einem relativ kurzen, spitzen Schnabel und einem deutlich gegabelten Schwanz. Das Gefieder zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen trägt eine schwarze Kopfplatte und einen kleinen schwarzen Kehlfleck. Oberkopf und Rücken sind gelbgrün gefärbt, die Brust leuchtend gelb mit feinen dunklen Strichelungen an den Flanken. Die Flügel sind dunkel mit einer auffälligen gelben Flügelbinde, die im Flug gut sichtbar ist. Der Bürzel ist ebenfalls gelbgrün.
Das Weibchen ist insgesamt matter gefärbt. Ihm fehlen die schwarze Kopfplatte und der Kehlfleck. Die Oberseite wirkt graugrün, die Unterseite ist weißlich mit deutlicher Strichelung. Jungvögel ähneln dem Weibchen, sind jedoch noch stärker gestrichelt und insgesamt bräunlicher. In allen Kleidern zeigen sich die gelben Felder an Schwanzbasis und Flügeln als verlässliches Erkennungsmerkmal. Der feine, spitze Schnabel ist an das Herauslösen kleiner Samen aus Zapfen und Fruchtständen angepasst.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Erlenzeisigs erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Er brütet von Irland und Großbritannien über ganz Nord- und Mitteleuropa bis nach Ostasien, einschließlich Japan. In Europa bilden die borealen Nadelwälder Skandinaviens und Russlands einen Verbreitungsschwerpunkt. In Mitteleuropa besiedelt er vor allem montane und submontane Fichtenwälder der Mittelgebirge und Alpen.
Sein bevorzugtes Habitat sind Nadelwälder und Mischwälder mit hohem Fichtenanteil. Außerhalb der Brutzeit sucht er gezielt Auwälder, Flussufer und feuchte Niederungen auf, in denen Erlen und Birken wachsen – Baumarten, deren Samen eine zentrale Nahrungsquelle darstellen. Auch in Parks, Gärten und an Futterstellen tritt er im Winter regelmäßig auf. Der Erlenzeisig ist ein Teilzieher und Invasionsvogel: Je nach Nahrungsangebot im Brutgebiet ziehen unterschiedlich große Populationen im Herbst nach Süd- und Westeuropa. In manchen Jahren kommt es zu regelrechten Invasionen, bei denen große Schwärme in Regionen auftreten, in denen die Art sonst nur spärlich vertreten ist.
Ernährung
Der Erlenzeisig ernährt sich überwiegend von Samen. Während der Brutzeit stehen Fichtensamen im Vordergrund, die er geschickt aus den Zapfen löst. Ab dem Spätsommer und im Winter bilden die Samen von Erlen und Birken die Hauptnahrung. Dabei hängt er oft kopfüber an den Fruchtzäpfchen der Schwarzerle oder Grauerle – ein typisches Bild an Gewässerrändern im Winterhalbjahr.
Ergänzend frisst er Samen von Löwenzahn, Disteln, Beifuß und anderen krautigen Pflanzen. Während der Jungenaufzucht steigt der Anteil tierischer Nahrung deutlich an: Blattläuse, kleine Raupen und Spinnen liefern das für das Wachstum der Nestlinge nötige Protein. An Futterstellen nimmt der Erlenzeisig gern Sonnenblumenkerne, Hanfsaat und Nyjer-Samen an. Er gehört zu den häufigsten Gästen an Futtersilos und Futterhäuschen im ländlichen wie städtischen Raum.
Verhalten & Lebensweise
Erlenzeisige sind tagaktive Vögel mit einem ausgesprochen geselligen Naturell. Außerhalb der Brutzeit bilden sie Schwärme von oft mehreren hundert Individuen, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Diese Trupps sind häufig mit Birkenzeisigen, Stieglitzen oder Grünfinken vergesellschaftet. Die Schwärme ziehen nomadenhaft umher und folgen dem jeweiligen Nahrungsangebot.
Der Gesang des Männchens ist ein langes, zwitscherndes und trillerndes Lied, durchsetzt mit nasalen und knirschenden Elementen. Es wird häufig im Singflug vorgetragen, bei dem das Männchen mit langsamen, schmetterlingsartigen Flügelschlägen über den Baumkronen kreist. Der typische Flugruf ist ein ansteigendes „dji-i" oder „tschii-ii", das innerhalb eines Schwarms ständig zu hören ist. Während der Balz singt das Männchen intensiv, spreizt die Flügel leicht ab und dreht sich vor dem Weibchen.
Gegenüber Artgenossen zeigen Erlenzeisige an Nahrungsquellen eine auffällige soziale Hierarchie: Männchen dominieren in der Regel gegenüber Weibchen, ältere Vögel gegenüber jüngeren. Ein festes Revier wird nur im unmittelbaren Nestbereich verteidigt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt je nach Region und Witterung zwischen März und Mai. Bei günstiger Nahrungslage – etwa nach einer guten Fichtenmast – sind zwei Bruten pro Saison möglich, selten sogar drei. Das Nest wird vom Weibchen gebaut und befindet sich meist hoch in Nadelbäumen, bevorzugt in Fichten, oft am Ende eines Seitenastes. Es ist ein kleiner, gut getarnter Napf aus feinen Zweigen, Moos, Flechten und Pflanzenfasern, innen mit Haaren und Federn ausgekleidet.
Das Gelege umfasst in der Regel 4–6 Eier, die blass blauweiss sind und spärliche rötlichbraune Flec