Girlitz
GTierart – Vögel > Singvögel – Finken & Ammern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Serinus serinus
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Finken (Fringillidae)
- Gattung: Girlitze (Serinus)
- Lebensraum: Offene und halboffene Landschaften, Parks, Gärten, Obstwiesen, Friedhöfe, Waldränder
- Größe: 11–12 cm (Körperlänge)
- Gewicht: 10–14 g
- Lebenserwartung: Bis zu 9 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft gelegentlich darüber
Aussehen & Merkmale
Der Girlitz ist der kleinste europäische Vertreter der Familie der Finken und wirkt insgesamt kompakt und rundlich. Das Männchen zeigt im Prachtkleid eine leuchtend gelbe Stirn, Überaugenstreif, Kehle und Brust. Die Oberseite ist grünlichgelb mit deutlichen dunklen Schaftstrichen, die Flanken tragen eine bräunliche Strichelung. Der Bürzel ist intensiv gelb gefärbt – ein gutes Erkennungsmerkmal im Flug.
Das Weibchen ist insgesamt matter gefärbt, das Gelb ist weniger kräftig und stärker mit Brauntönen durchsetzt. Die Strichelung auf Brust und Flanken fällt deutlicher aus als beim Männchen. Jungvögel ähneln dem Weibchen, zeigen jedoch noch weniger Gelbanteile im Gefieder.
Charakteristisch für den Girlitz ist der kurze, kräftige und kegelförmige Schnabel, der typisch für Körnerfresser aus der Finkenfamilie ist. Die dunklen Augen werden von einem hellen Augenring umgeben. Die Beine und Füße sind fleischfarben bis bräunlich. Die Flügelspannweite beträgt etwa 20–23 cm. Im Vergleich zum nahe verwandten Kanarengirlitz (Serinus canaria), dem Stammvater des domestizierten Kanarienvogels, ist der Girlitz kleiner und schlanker.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Girlitzes erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas und Kleinasiens. In Europa reicht das Areal von der Iberischen Halbinsel und dem Mittelmeerraum nordwärts bis Südskandinavien und ostwärts bis in den Kaukasus. In Mitteleuropa ist die Art weit verbreitet, wobei die Populationsdichte von Süden nach Norden abnimmt.
Der Girlitz ist ein Kulturfolger, der urbane und suburbane Lebensräume besiedelt. Sein bevorzugtes Habitat umfasst Parks, Friedhöfe, Kleingärten, Obstwiesen, Baumschulen und locker bebaute Siedlungsränder. Entscheidend sind das Vorhandensein von niedrigem Bewuchs und Staudenfluren als Nahrungsquelle sowie Bäume und Sträucher als Nistplätze. Geschlossene Wälder meidet die Art, nutzt jedoch Lichtungen und Waldränder als Biotop.
In den südlichen Teilen des Verbreitungsgebietes ist der Girlitz ein Standvogel. Populationen aus nördlicheren und östlicheren Regionen ziehen im Herbst in den Mittelmeerraum – sie sind damit Teilzieher. Die Zugbewegungen erfolgen meist über kurze Distanzen. Im 19. und 20. Jahrhundert hat der Girlitz sein Areal erheblich nach Norden und Nordwesten ausgedehnt, was vermutlich mit Klimaveränderungen und der Zunahme geeigneter Siedlungshabitate zusammenhängt.
Ernährung
Der Girlitz ernährt sich überwiegend pflanzlich. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Samen und Knospen verschiedener Wildkräuter und Stauden. Besonders geschätzt werden die Samen von Löwenzahn, Hirtentäschel, Vogelmiere, Beifuß und Wegerich. Auch Samen von Birken, Erlen und verschiedenen Gräsern werden aufgenommen.
Während der Brutzeit ergänzen Insekten und deren Larven den Speiseplan, da die Nestlinge in den ersten Lebenstagen proteinreiche Nahrung benötigen. Allerdings ist der tierische Nahrungsanteil im Vergleich zu vielen anderen Singvogelarten gering. Die Nestlinge werden überwiegend mit vorverdauten und im Kropf aufgeweichten Sämereien gefüttert.
Bei der Nahrungssuche hält sich der Girlitz vorwiegend am Boden oder in der niedrigen Krautschicht auf. Er pickt Samen direkt von Fruchtständen ab oder sammelt sie vom Erdboden. Im Winter sucht er gelegentlich Futterstellen in Gärten auf.
Verhalten & Lebensweise
Der Girlitz ist tagaktiv und außerhalb der Brutzeit gesellig. Im Winterhalbjahr bilden sich kleine Trupps, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen und oft mit anderen Finkenvögeln wie Stieglitzen oder Hänflingen vergesellschaftet sind.
Der Gesang des Girlitzes ist ein auffällig hohes, klirrend-sirrendes Lied, das aus rasch aneinandergereihten Tönen besteht und an das Geräusch eines zersplitternden Glases erinnert. Er wird häufig im Singflug vorgetragen, bei dem das Männchen von einer exponierten Warte aus mit flatternden, schmetterlingsartigen Flügelschlägen aufsteigt und dabei ununterbrochen singt. Diese Balzflüge dienen der Reviermarkierung und der Weibchenanwerbung. Die Gesangsperiode erstreckt sich von Februar bis Juli.
Während der Brutzeit beanspruchen die Männchen ein Revier, das sie durch ihren Gesang verteidigen. Die Reviergröße ist vergleichsweise klein, sodass mehrere Paare in enger Nachbarschaft brüten können.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutsaison beginnt in Mitteleuropa ab Ende März und kann sich bis in den Juli erstrecken. In der Regel werden zwei, seltener drei Bruten pro Jahr durchgeführt. Die Balz umfasst neben dem Singflug ein ritualisiertes Verhalten, bei dem das Männchen das Weibchen mit gesträubtem Gefieder und gesenkten Flügeln umwirbt.
Das Nest wird vom Weibchen allein gebaut. Es ist ein kleiner, napfförmiger Bau aus feinen Halmen, Wur