Fettgewebe
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Definition & Überblick
Fettgewebe (Textus adiposus) ist eine spezialisierte Form des Bindegewebes, deren Hauptbestandteil fettbeladene Zellen – die Adipozyten – sind. Es gehört zu den am weitesten verbreiteten Gewebearten im Tierkörper und erfüllt wesentliche Funktionen in Energiespeicherung, Wärmeregulation, mechanischem Schutz und endokriner Signalgebung. In der vergleichenden Veterinäranatomie wird zwischen weißem Fettgewebe (Textus adiposus albus) und braunem Fettgewebe (Textus adiposus fuscus) unterschieden. Beide Formen kommen bei Säugetieren vor, ihre quantitative Verteilung und funktionelle Bedeutung variiert jedoch erheblich zwischen den Tierarten.
Aufbau & Struktur
Das weiße Fettgewebe besteht aus großen, univakuolären Adipozyten mit einem Durchmesser von 50–150 µm. Jede Zelle enthält einen einzigen, großen Lipidtropfen, der den Zellkern und das Zytoplasma an den Rand drängt – man spricht daher von einer Siegelringform. Die Lipideinlagerung besteht überwiegend aus Triacylglycerolen. Die Adipozyten sind von einer zarten Basallamina umgeben und in ein lockeres Netzwerk aus retikulären Fasern (Kollagen Typ III) eingebettet.
Fettgewebe ist stets reich vaskularisiert. Jede Fettzelle steht in engem Kontakt mit mindestens einer Kapillare, was den intensiven Stoffaustausch zwischen Blut und Speicherfett ermöglicht. Die Innervation erfolgt vorwiegend über sympathische Nervenfasern, die die Lipolyse steuern.
Makroskopisch wird Fettgewebe in Baufett (Panniculus adiposus) und Depotfett unterschieden. Baufett findet sich als mechanisches Polster etwa im Bereich der Orbita (Corpus adiposum orbitae), im Kronsaum des Hufes oder retroperitoneal um die Nieren (Capsula adiposa renis). Depotfett dient vorrangig der Energiespeicherung und lagert sich subkutan, intraabdominal (omental, mesenterial) sowie intermuskulär ab.
Braunes Fettgewebe unterscheidet sich histologisch grundlegend: Seine Zellen sind kleiner, multivakuolär und enthalten zahlreiche Mitochondrien, deren hoher Gehalt an Cytochrom-Oxidasen die charakteristische braune Färbung verursacht. Das Protein Thermogenin (UCP1) in der inneren Mitochondrienmembran entkoppelt die Atmungskette und setzt Energie direkt als Wärme frei.
Funktion
- Energiespeicherung: Fettgewebe stellt das wichtigste Energiereservoir des Organismus dar. Die gespeicherten Triacylglycerole liefern mit rund 39 kJ/g mehr als doppelt so viel Energie wie Glykogen oder Proteine.
- Thermische Isolation: Das subkutane Fettgewebe (Panniculus adiposus) bildet eine wärmedämmende Schicht, die besonders bei Meeressäugern und winteraktiven Tieren ausgeprägt ist.
- Mechanischer Schutz: Als Baufett polstert es druckbelastete Strukturen wie Gelenke, Organe und Sohlenpolster ab.
- Endokrine Funktion: Adipozyten sezernieren Adipokine wie Leptin, Adiponektin und Resistin, die den Energiestoffwechsel, die Futteraufnahme und die Insulinsensitivität regulieren.
- Thermogenese: Braunes Fettgewebe erzeugt durch zitterfreie Thermogenese Wärme – von besonderer Bedeutung bei Neonaten und winterschlafenden Arten.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Verteilung und Funktion des Fettgewebes weist erhebliche speziesspezifische Unterschiede auf. Beim Rind findet sich ausgedehntes inter- und intramuskuläres Fettgewebe, das in der Fleischwirtschaft als Marmorierung bezeichnet wird und züchterisch beeinflusst werden kann. Bei Schweinen ist die subkutane Fettschicht (Speck) besonders ausgeprägt und kann mehrere Zentimeter erreichen. Sie dient nicht nur als Energiedepot, sondern auch als thermische Isolation, da Schweine nur rudimentär schwitzen können.
Bei Pferden lagert sich Depotfett bevorzugt am Mähnenkamm, an der Schweifwurzel, retroperitoneal und im Bereich der Fossa supraorbitalis ein. Die Fettverteilung dient klinisch als Indikator für den Ernährungszustand (Body Condition Score).
Katzen besitzen ein charakteristisches ventrales Fettdepot – den sogenannten Primordialfalte (Inguinalbeutel) –, das auch bei normalgewichtigen Tieren physiologisch vorkommt und nicht mit Adipositas verwechselt werden sollte.
Bei Meeressäugern wie Robben und Walen bildet das subkutane Fettgewebe eine extrem dicke Schicht, den Blubber, der neben Thermoregulation auch der Auftriebsregulation und Energiespeicherung für lange Fastenperioden dient. Kamele speichern Fett lokalisiert in ihren Höckern, wobei das Fett bei Bedarf metabolisch zur Energiegewinnung herangezogen wird.
Braunes Fettgewebe ist bei neugeborenen Säugetieren nahezu aller Spezies nachweisbar, besonders ausgeprägt jedoch bei Winterschläfern wie dem Murmeltier und dem Igel. Es liegt bevorzugt interscapular, perirenal und entlang der großen Gefäße. Bei adulten Großtieren spielt es eine untergeordnete Rolle, während es bei Nagern zeitlebens funktionell bedeutsam bleibt.
Besonderheiten
Fettgewebe galt lange als passives Speicherorgan. Heute wird es als das größte endokrine Organ des Körpers angesehen. Die von Adipozyten sezernierten Adipokine beeinflussen systemisch Entzündungsprozesse, die Angiogenese und die Reproduktion