Futtertierzucht
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Definition & Überblick
Unter Futtertierzucht versteht man die gezielte Vermehrung und Aufzucht von Wirbellosen oder kleinen Wirbeltieren, die als Nahrung für Terrarientiere, Aquarienbewohner oder Vögel dienen. In der Terraristik spielt die Futtertierzucht eine zentrale Rolle, da viele Reptilien, Amphibien und Wirbellose auf lebende oder frisch getötete Beute angewiesen sind. Typische Futtertiere sind Heimchen, Grillen, Schaben, Mehlwürmer, Zophobas, Wachsmotten, Fruchtfliegen, Springschwänze, Asseln sowie in bestimmten Fällen Mäuse und Ratten.
Die eigene Zucht bietet gegenüber dem Kauf im Zoohandel mehrere Vorteile: Der Halter hat volle Kontrolle über die Futterqualität, kann den Nährstoffgehalt der Futtertiere durch gezieltes Anfüttern (Gut Loading) optimieren und spart langfristig erhebliche Kosten. Außerdem stehen stets Futtertiere in passender Größe zur Verfügung – ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei der Aufzucht junger Reptilien oder Amphibien, die auf winzige Beutetiere angewiesen sind.
Grundlagen & Voraussetzungen
Bevor mit der Futtertierzucht begonnen wird, müssen einige grundlegende Fragen geklärt werden:
- Welche Futtertierart eignet sich? Die Wahl hängt direkt vom gehaltenen Pflegling ab. Bartagamen profitieren von Heuschrecken und Grillen, Pfeilgiftfrösche benötigen Fruchtfliegen und Springschwänze, Schlangen werden mit Nagern gefüttert. Ein abwechslungsreicher Futterplan erfordert unter Umständen die Zucht mehrerer Arten.
- Platzbedarf: Jede Futtertierart braucht ein geeignetes Zuchtbehältnis. Für Heimchen und Grillen eignen sich gut belüftete Kunststoffboxen oder Faunarien, für Mehlwürmer genügen flache Plastikschalen. Für Nagetiere sind artgerechte Gehege mit Einstreu, Versteckmöglichkeiten und ausreichend Auslauf vorgeschrieben.
- Klimatische Bedingungen: Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind die entscheidenden Parameter. Heimchen und Grillen vermehren sich bei 28–32 °C am zuverlässigsten. Fruchtfliegen gedeihen bei Zimmertemperatur, Schaben bevorzugen warme, feuchte Bedingungen. Ohne die richtige Temperatur stagniert die Zucht oder die Tiere sterben.
- Tierschutz-Aspekte: Auch Futtertiere sind Lebewesen. Eine artgerechte Haltung mit ausreichend Platz, Nahrung, Wasser und Versteckmöglichkeiten ist nicht nur eine ethische Pflicht, sondern wirkt sich direkt auf die Gesundheit der Futtertiere und damit auf den Nährwert aus. Bei der Zucht von Wirbeltieren als Futtertiere (Mäuse, Ratten) gelten zudem die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes. Die Tötung darf nur nach tierschutzkonformen Methoden erfolgen.
Praktische Umsetzung
Die konkrete Umsetzung variiert je nach Futtertierart, folgt aber einem einheitlichen Grundprinzip: geeigneter Behälter, passendes Substrat, konstante Klimabedingungen, hochwertige Ernährung und Hygiene.
Beispiel Heimchenzucht: Ein belüfteter Kunststoffbehälter (mindestens 60 × 40 × 40 cm) wird mit Eierkartons als Versteck- und Klettermöglichkeit ausgestattet. Als Futter dienen Haferflocken, frisches Gemüse (Karotte, Zucchini), Fischfutter und gelegentlich etwas Obst. Ein flacher Wassernapf mit Schwamm oder Wattebausch verhindert das Ertrinken. Bei Temperaturen um 30 °C legen die Weibchen ihre Eier in feuchtes Substrat – etwa Kokoshumus oder feuchte Watte in einer kleinen Schale. Die Larven schlüpfen nach etwa 10–14 Tagen und sind nach rund 6–8 Wochen ausgewachsen.
Beispiel Mehlwurmzucht: Mehlwürmer (Larven des Mehlkäfers Tenebrio molitor) werden in flachen Boxen mit einer Schicht aus Weizenkleie, Haferflocken und Vollkornmehl gehalten. Feuchtigkeit liefern Kartoffel- oder Karottenscheiben. Die Larven verpuppen sich, schlüpfen als Käfer und legen erneut Eier. Der gesamte Zyklus dauert mehrere Monate, läuft aber weitgehend selbstständig.
Gut Loading: In den 24–48 Stunden vor der Verfütterung werden die Futtertiere mit besonders nährstoffreicher Kost versorgt – kalziumreiches Gemüse, Spirulina, spezielle Gut-Loading-Mischungen. Diese Nährstoffe kommen direkt dem Endverbraucher, also dem Reptil oder Amphibium, zugute. Ergänzend werden die Futtertiere unmittelbar vor der Fütterung mit Vitamin- und Kalziumpulver bestäubt (Dusting).
Häufige Fehler
- Mangelhafte Belüftung: Zu wenig Luftzirkulation führt bei Grillen und Heimchen schnell zu Massensterben durch Pilzbefall und Ammoniakbildung. Gaze-Deckel oder Lüftungsgitter sind unverzichtbar.
- Überbelegung: Zu viele Tiere auf zu engem Raum steigern Stress, Kannibalismus und Krankheitsrisiko. Lieber mehrere Behälter aufsetzen als einen überfüllen.
- Fehlende Hygiene: Nicht entfernte Futterreste und tote Tiere sind Brutstätten für Milben, Schimmel und Bakterien. Regelmäßiges Reinigen der Zuchtbehälter ist Pflicht.
- Falsche Temperatur: Zu niedrige Temperaturen verlangsamen die Entwicklung drastisch, zu hohe Temperaturen führen zu hoher Mortalität. Ein Thermometer im Zuchtbehälter soll