Geburt
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Definition und Überblick
Die Geburt bezeichnet den Vorgang, bei dem ein oder mehrere Nachkommen den Körper des Muttertieres verlassen und als eigenständige Organismen zu existieren beginnen. In der Tiermedizin wird dieser Prozess als Partus bezeichnet. Bei unterschiedlichen Tierarten haben sich spezifische Fachbegriffe etabliert: Bei Pferden spricht man vom Fohlen oder Abfohlen, bei Rindern vom Kalben, bei Schweinen vom Ferkeln oder Abferkeln, bei Hunden vom Welpen und bei Katzen vom Kätzeln. Die Geburt stellt das Ende der Trächtigkeit (Gravidität) dar und markiert den Übergang von der intrauterinen zur extrauterinen Lebensphase des Jungtieres.
Im Tierreich existieren grundlegend verschiedene Formen der Fortpflanzung. Während ovipare (eierlegende) Arten wie Vögel, Reptilien und die meisten Fische ihre Nachkommen in Form von Eiern absetzen, bringen vivipare (lebendgebärende) Tiere voll entwickelte Jungtiere zur Welt. Eine Zwischenform stellt die Ovoviviparie dar, bei der sich die Embryonen zwar in Eiern entwickeln, diese jedoch im Mutterleib verbleiben und die Jungtiere beim Schlupf geboren werden – wie etwa bei manchen Hai- und Schlangenarten.
Phasen der Geburt bei Säugetieren
Der Geburtsverlauf bei Säugetieren lässt sich in drei aufeinanderfolgende Stadien gliedern:
- Eröffnungsphase (Dilatationsphase): Der Muttermund beginnt sich zu weiten. Die Gebärmutter (Uterus) zeigt erste rhythmische Kontraktionen, die sogenannten Wehen. Das Muttertier wird unruhig, sucht einen geschützten Ort auf und zeigt typische Verhaltensänderungen wie Nestbauverhalten, Futterverweigerung oder häufiges Aufstehen und Hinlegen. Die Dauer dieser Phase variiert erheblich zwischen den Tierarten – bei der Stute kann sie wenige Stunden dauern, bei der Hündin bis zu zwölf Stunden.
- Austreibungsphase (Expulsionsphase): Die Fruchtblasen treten in den Geburtskanal ein und platzen. Durch kräftige Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur und den Einsatz der Bauchpresse wird das Jungtier durch den Geburtskanal (bestehend aus Muttermund, Vagina und Vulva) nach außen geschoben. Die korrekte Lage, Stellung und Haltung des Fötus sind für einen komplikationsfreien Verlauf entscheidend. Bei den meisten Tierarten ist die Vorderendlage mit gestreckten Vorderbeinen und darauf liegendem Kopf die physiologische Geburtslage.
- Nachgeburtsphase: Nach der Austreibung des Jungtieres wird die Nachgeburt (Plazenta, Eihäute und Reste der Nabelschnur) ausgestoßen. Dieser Vorgang sollte innerhalb eines artspezifischen Zeitraums abgeschlossen sein. Bei der Kuh gilt ein Zeitfenster von bis zu zwölf Stunden als physiologisch, bei der Stute sollte die Nachgeburt innerhalb von drei Stunden abgehen. Ein Nachgeburtsverhaltung (Retentio secundinarum) erfordert tierärztliche Behandlung.
Artspezifische Besonderheiten
Die Geburt unterscheidet sich zwischen den Tierarten erheblich in Dauer, Anzahl der Nachkommen und Reifegrad der Neugeborenen. Nestflüchter wie Fohlen, Kälber und Lämmer kommen in einem weit entwickelten Zustand zur Welt – sie können bereits kurz nach der Geburt stehen, laufen und der Mutter folgen. Nesthocker hingegen, etwa Hundewelpen, Katzenjunge oder neugeborene Kaninchen, werden blind, taub und weitgehend hilflos geboren und sind über einen längeren Zeitraum vollständig auf die mütterliche Fürsorge angewiesen.
Bei Mehrlingsgeburten, wie sie bei Schweinen, Hunden und Katzen die Regel darstellen, werden die einzelnen Jungtiere in Intervallen von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden geboren. Eine Sau kann einen Wurf von zehn bis vierzehn Ferkeln zur Welt bringen, wobei der gesamte Geburtsvorgang sich über mehrere Stunden erstreckt. Bei Pferden und Rindern sind Einlingsgeburten der Normalfall; Zwillingsgeburten gelten hier als Risikoschwangerschaften.
Beuteltiere wie Kängurus nehmen eine Sonderstellung ein. Ihre Jungtiere werden nach einer extrem kurzen Tragzeit in einem embryonalen Entwicklungsstadium geboren – ein neugeborenes Känguru wiegt weniger als ein Gramm – und entwickeln sich anschließend im Beutel (Marsupium) der Mutter über Monate weiter.
Geburtskomplikationen und tierärztliche Geburtshilfe
Verläuft die Geburt nicht regelgerecht, spricht man von einer Dystokie (Schwergeburt). Die Ursachen können vielfältig sein:
- Maternale Ursachen: Wehenschwäche (Uterusatonie), zu enger Geburtskanal, Verdrehung der Gebärmutter (Torsio uteri)
- Fetale Ursachen: Fehlerhafte Lage des Fötus (etwa Steißlage mit angezogenen Hinterbeinen), übergroße Frucht (absolut oder relativ zum Becken des Muttertieres), Missbildungen
Bei Geburtsstörungen stehen der Veterinärmedizin verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Die konservative Geburtshilfe umfasst manuelle Lagekorrekturen des Fötus und den kontrollierten Auszug mittels Geburtsstricken oder Geburtsketten. In schwerwiegenden Fällen wird ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea) durchgeführt – ein chirurgischer Eingriff, bei dem das Jungtier durch eine Öffnung der Bauchdecke und der Gebärmutterwand entwickelt wird. Bei bestimmten Hunderassen mit breiten Köpfen, etwa Bulldoggen oder Bostontorriern, ist der Kaiserschnitt aufgrund der züchterisch